Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Tyrannin von Karen Miller

Reihe: Godspeaker Band 3

 

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Die Tyrannin“ findet der „Godspeaker“-Zyklus ein Ende. Karen Miller hat schon mit der „Königsmacher“-Duologie einen Namen gemacht und bleibt auch in dieser Geschichte ihrer Linie treu, sich mit Intrigen und Machenschafen in mächtigen Königshäusern zu beschäftigen und dabei nebenher die Welt zu retten.

 

Schon in „Die Thronerbin“ rückte die junge Rhian in den Mittelpunkt der Geschichte. Damals lag ihr Vater im Sterben, und der Kronrat hatte nichts anderes zu tun, als sie dazu zu drängen, einen Mann zu nehmen, damit das Land nicht im Chaos versänke, wenn der alte Herrscher stürbe. Diese Zeit wird für Rhian zu einer Bewährungsprobe. Und auch wenn sie einen Mann an ihre Seite holt – so bleibt doch klar, das sie weiter die Fäden in der Hand hält.

Derweil folgt der königliche Spielzeugmacher Friemelsaum einer Vision, die ihm seine verstorbene Frau geschickt hat und holt den jungen Wüstenkrieger Zandakar ins Land. Es bleibt allerdings nicht lange verborgen, dass er ein Sohn der Wüstenkönigin ist, die insgeheim für einen Krieg aufrüstet.

Heket ist von dem Wunsch erfüllt, die gottlosen Länder für sich zu erobern und setzt dabei ganz auf den Gehorsam ihrer Priester. Sie ahnt nicht, dass ihr Göttersprecher daran zu zweifeln beginnt, ob der Weg der richtige ist, und ihr Sohn längst zu den Feinden übergelaufen ist, weil ihn zarte Bande mit Rhian verbinden.

Die junge Königin weiß, dass eine Gefahr schwelt und beschließt ihr Volk davon zu überzeugen, dass sie sich für einen Krieg rüsten müssen. Deshalb nimmt sie auch die Gefahr auf sich, dass man sie in schlechter Erinnerung behält, denn um die Menschen zu retten, muss sie zur Tyrannin werden, die fordert und nicht bittet, die diejenigen bestraft, die sich gegen sie zu stellen wagen. Doch ist das wirklich der richtige Weg?

 

Hat man in den beiden ersten Bänden die Kulturen und die beiden Gegenspielerinnen Hekat und Rhian genauer kennen gelernt, so lebt der letzte nun den Konflikt aus, der sich angebahnt hat. Es kommt wie es kommen muss. Mehr als einmal werden Loyalität und Liebe in Frage gestellt, muss das Gewissen über die Taten richten, die im Namen von Göttern oder der Liebe geschehen.

Die Autorin jongliert sicher mit den vielen Figuren, die sich auf den beiden Handlungsebenen bewegen und führt die Stränge zusammen, die sie vorher ausgelegt hat. Allerdings zollt sie auch den Klischees Respekt, denn Hekat ist nun gänzlich dem Wahnsinn verfallen und sieht nichts anderes mehr als das Ziel, dass sie sich selbst gesetzt hat. Dafür ist sie bereit über zehntausend Leichen zu gehen.

Etwas sympathischer, wenn auch nicht ganz so heldenhaft und integer ist Rhian. Auch sie muss unangenehme Wege gehen, um ihre Ziele zu erreichen und die Menschen zu schützen. Auch sie tötet, um sich Gehör zu verschaffen und schafft es immer wieder die Menschen in ihrer Nähe vor den Kopf zu stoßen. Von den Nebenfiguren erhalten allerdings nur wenige etwas mehr Profil, wie etwa der Gottsprecher an der Seite von Königin Heket oder der Spielzeugmacher Friemelsaum. Die meisten anderen sind auf blasse Statistenrollen mit Stichwortgeberfunktion reduziert.

Das ganze ist lebendig beschrieben, auch wenn gerade Anfang und Mittelteil des Buches einige Längen haben, weil es die Autorin mit den Gesprächen zu sehr übertreibt und die Handlung nicht voran bringt. Doch in die Unterhaltungen sind immer wieder kleine Hinweise eingestreut, die das Bild, dass man sich von den Herrscherinnen macht, abrundet.

 

Alles in allem ist „Die Tyrannin“ ein durchaus epischer Abschluss der „Godspeaker“-Saga, konzentriert sich aber wie die Vorbände am meisten auf die Schicksale der Menschen, ohne dabei in romantische Gefühlsduselei oder melodramatischen Kitsch zu verfallen. Denn in einem ist sich Karen Miller treu geblieben: Gewalt und Grausamkeit werden nicht verharmlost, sondern sehr deutlich in Szene gesetzt.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

botMessage_toctoc_comments_9210

Ältere Kommentare:

Durch einen Wechsel der Kommentarfunktion unterscheiden sich diese Einträge von neueren.

Anzeige: 1 - 1 von 1.

Julia
Sonntag, 22. Juli 2012 09:27 Uhr
Genau das ist auch meine Meinug des Buches,ich brauche eine sympathische Figur und hatte wirklich Probleme damit, dass Hekat so grausam und arrogant ist, andererseits kann man gar nicht anders als mit ihr zu sympathisieren. Ich muss ehrlich sagen ich weiß immernoch nicht, ob mir das Buch gefällt oder nicht^^

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Die Tyrannin

Reihe: Godspeaker Band 3

Autorin: Karen Miller

Taschenbuch, 798 Seiten

Blanvalet, Februar 2012

Übersetzerin: Michaela Link

Titelbild: David Wyatt

 

ISBN-10: 3442268559

ISBN-13: 978-3442268559

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:

Empfehlen:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 22.07.2012, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35