Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die verbotene Stadt (DVD)

Filmkritik von Christel Scheja

 

Dokumentationen haben oft einen eigenen Stil, so auch diese. Während die Reportagen der BBC vor allem auf die Wirkung imposanter Bilder sorgfältig dosierter Informationen setzen, fallen amerikanische Filme durch einen effektvoll dramatischen und nach Aufmerksamkeit heischenden Schnitt auf, in dem Schlagwörter und Schlüsselszenen ständig wiederholt werden. Aber hin und wieder bekommt man auch die ein oder andere aus Ländern zu sehen, die man am wenigsten erwartet hätte.

 

Im Zentrum Pekings liegt seit fast sechshundert Jahren die „Verbotene Stadt“. Im 15. Jahrhundert ließ ein chinesischer Kaiser diesen Palast als irdisches Zeichen seiner Macht errichten. Er bildete den Staat und seine strenge Hierarchie im Kleinen ab. Dort lebten er und seine Familie von der Welt abgeschieden, wie es auch die fast göttlich zu nennende Verehrung des „Sohns des Himmels“ gebot. Nur wenige durften ihn von Angesicht zu Angesicht sehen, der einfachen Bevölkerung war es bei Todesstrafe verboten überhaupt in seine Nähe zu kommen und die „Verbotene Stadt“ zu betreten. Kein Gebäude in der Stadt durfte die des Palastes überragen.

Zwar überdauerte kaum eines der aus Holz erbauten Gebäude die Zeit, da Brände und andere Katastrophen immer wieder für Zerstörungen sorgten, aber sie wurden immer wieder im gleichen Stil errichtet. Vierundzwanzig Söhne des Himmels verbrachten dort ihr Leben, umgeben von den hohen Regierungsbeamten und Eunuchen ihres Hofstaates, Frauen Konkubinen und Kindern. Erst im Jahre 1911 endete diese Ära, denn dann wurde der letzte Kaiser aus seinem Domizil vertrieben. Zwar überlegten die Revolutionäre, dieses Zeichen der viele Jahrhunderte währenden Unterdrückung ganz zu zerstören – konnten sich jedoch nicht entscheiden. In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts endlich entscheid man sich, die Tore der „Verbotenen Stadt“ gänzlich für die Bevölkerung zu öffnen und ein Palastmuseum daraus zu machen, denn immerhin erwachte nun auch der Nationalstolz und man begann sich seiner mehr als dreitausendjährigen Geschichte zu rühmen und nicht länger beschämt zu sein.

 

Die Dokumentation stellt die Stadt in all ihren Facetten vor. Sie erzählt von der Geschichte des Palastes, zeigt den Aufbau der „Verbotenen Stadt“ und nicht wenige der Gebäude und Kunstschätze, die dort auf den Betrachter warten. Sie berichten von der strengen Hierarchie, die nicht nur seinem Hofstaat, sondern auch dem Kaiser strenge Regeln auferlegten, die erst der letzte Kaiser durch ein eigenes Telefon ein wenig durchbrechen konnte. Wie wurde man Regierungsbeamter, welchen Preis zahlten die Eunuchen des Hofes? Welche Rituale bestimmten den Umgang des Herrschers mit seinen Beamten und seiner Familie?

Welche Karriere standen Frauen im Palast offen und gab es auch einige, die zu wahrer Macht kamen?

Man erfährt, mehr über die Bauweise des Palastes, die alten Handwerkskünste, die durch die derzeitigen Restaurierungen mehr denn je gefragt werden, wie etwa die Herstellung der Goldziegel in den Gebäuden des Palastes? Woher stammt das Holz aus dem die Gebäude bestehen – und wie wurden sie herbei geschafft? Die Dokumentation erzählt nicht ohne Stolz von Meisterleistung der Technik und dem den Chinesen so eigenen Erfindungsreichtum. Aber sie erzählt auch von verblüffenden Funden in einem taoistischen Tempel, in dessen Dachverzierungen buddhistisch-tibetanische Schriften gefunden wurden.

Heraus kommt eine umfassende Dokumentation, die auf alles eingeht, was mit der „Verbotenen Stadt“ zusammen hängt, ohne jedoch mehr als einen oberflächlichen Einblick zu geben. Man schwelgt man in erster Linie in den Bildern prachtvoller kunsthistorischer Arbeiten und bewundert die Größe des Palastes, scheut sich aber auch nicht die historischen und modernen Beschreibungen mit ein wenig Pathos und Stolz auf das eigene Land und seine Leisungen zu versetzen. Der Informationsgehalt bleibt insgesamt eher gering, denn wirklich viel Neues erfährt man durch die Dokumentation eigentlich nicht, wenn man sich schon mit der Kultur beschäftigt und andere Sendungen gesehen hat.

Aber auch kritische Anmerkungen fehlen völlig. Erstaunlich ist, dass man immerhin die tibetanischen Schriften erwähnt. Während westliche Dokus genau hier ansetzen und dem Rätsel nachgehen würden, fragt man nicht weiter sondern steckt die Dokumente aus „traditionellen Gründen“ an den Ort zurück, von dem sie stammten, und geht nicht weiter auf mögliche Gründe für ihr Vorhandensein und ihre Inhalte ein, sondern wechselt auffällig schnell zum nächsten Thema, das viel entspannter angegangen werden kann – denn Handwerkskünste brauchen nicht politisch zu sein.

 

 

Fazit:

 

Letztendlich erweist sich die Dokumentation „Die Verbotene Stadt“ als eine farbenprächtige Selbstdarstellung der stolzen chinesischen Kultur gegenüber dem Ausland. Das beweisen auch die opulenten Spielszenen, die ein märchenhaft geschöntes Bild der Vergangenheit und Gegenwart im Schatten der heran nahenden Olympischen Spiele wiedergeben.

Vielleicht ist sie damit für Kenner der chinesischen Kultur eher ernüchternd und entlarvend, als erster Einblick in die Materie für den Laien ist sie aber in Ordnung.

Nach oben

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2023020518191921025fd5
Platzhalter

DVD:

Die verbotene Stadt

China 2005

Original: Joan Chen presents: Inside the Forbidden City,

Dt. Sprecher: Norbert Langer

Bildformat: 16:9

Synchro: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1) Untertitel: Deutsch

Spieldauer: 97 min

1 DVD

FSK: ohne

Extras: keine

e-m-s, 7. August 2008

 

ASIN: B001BTPFH2

 

Erhältlich bei: Amazon

 


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 05.10.2008, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01