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Die vierte Gabe von Ullrich Freier zu Axberg

Reihe: Sternschnuppen

Rezension von Christel Scheja

 

Nicht wenige junge Autoren orientieren sich beim Verfassen epischer High Fantasy zunächst an Tolkien. Sie entwerfen eine Welt voller magischer Kreaturen und spinnen eine Historie, die mit Mythen beginnt, deren Spuren sich bis in die Gegenwart finden und genau jetzt ihre negativen Auswirkungen entwickeln, von denen die Menschen zunächst nichts ahnen. Als sie der Gefahr aber gewahr werden ist es fast zu spät.

Diesen Weg wählt auch Ullrich Freier zu Axberg mit seinem ersten Roman „Die vierte Gabe“ aus dem Zyklus „Sternschnuppen“.

 

Einst lebten die Wesen der Welt in Frieden. Drachen, Trolle und andere magische Wesen lebten in Eintracht mit Elben und Menschen so wie es die Götter durch einen immerwährenden Frieden verlangt hat. Doch irgendwann zeigten sich auch dort erste Risse im Vertrauen der Völker zueinander.

Indem die Elben zusammen mit den Menschen das Land erschlossen und sich langsam aber sicher ausbreiteten, entwickelten sich Neid und Missgunst unter den Altvorderen und es kam zu einer heftigen Schlacht, in deren Verlauf die Menschen und ihre unsterblichen Verbündeten siegten. Und aus Dankbarkeit schufen die Elben den Menschen ein mächtiges Artefakt...

Doch das Böse war in die Welt gekommen und pflanzte sich unerbittlich fort. Bald zerbrach auch die Allianz der Völker und richtete sich gegen die Elben. Viele von ihnen starben, nur wenige konnten in die Wälder fliehen und sich zurückziehen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich sogar eine Religion, die bereits die Anwendung von Magie unter Strafe stellte und ein grausames Gericht hielt.

Von all dem hat der junge Magnus bisher nicht viel mitbekommen. Er wächst in der Kate des wunderlichen Gideon Palfinger auf, der mit dem Jungen mehr als recht sein Leben fristet und nicht oft unter Menschen kommt. Das hat auch einen Grund, denn er entging nur knapp einem Blutgericht, war er doch einst der Lehrling eines Magiers.

Auch das Königsgeschlecht der Armorviner ist eher mit hofinternen Intrigen beschäftigt. Denn hinter den Kulissen begehren immer wieder die Herren der Burgen auf oder gehen ohne Billigung des Königs eigene Wege. Mit Argwohn beobachten der König und seine Kinder den Orden der Peroniten und die Bettelmönche, die immer fanatischer ihre Lehren predigen, ahnen aber nicht, das sich der wahre Verrat in ihrer Mitte abspielt.

Magus und Gideon bleibt nichts anderes übrig, als die selbstgewählte Einsamkeit aufzugeben, denn sie fallen den falschen Leuten ins Auge. Doch können sie den Gauklern, bei denen sie für eine Weile unterschlüpfen wirklich trauen? Und zeigen die Menschen, die ihnen vertrauensvoll gegenüber treten wirklich ihr wahres Gesicht?

 

„Die vierte Gabe“ nimmt sich sehr viel Zeit, die wichtigsten Figuren und ihr Umfeld vorzustellen. Der Roman springt von Handlungsebene zu Handlungsebene und schildert die Erlebnisse der Protagonisten - aber genau das ist die größte Schwäche des Buches.

Bei mehr als vier oder sechs Handlungsebenen verliert auch der geübteste Leser irgendwann den Überblick und nimmt die Szenen zwar hin, fragt sich aber auch, auf was das ganze zusteuert.

Ein roter Faden, eine sich langsam entwickelnde Gefahr oder Katastrophe ist nicht wirklich zu erkennen. Dafür ergeht sich der Adel in kleinliche Intrigen und auch die bürgerlichen Szenarien in denen Magnus und sein Ziehvater agieren sind nicht viel anders aufgebaut. Zwar wird der Hintergrund durch die Beschreibungen sehr plastisch und man fühlt sich in eine mittelalterliche Welt versetzt, aber letztendlich geht das sehr zu Kosten der Spannung.

Man fragt sich am Ende immer noch, was eigentlich das Artefakt der Elben ist und wie es sich auf das Schicksal der Menschen auswirken wird und wird auch nicht so ganz von dem Treiben der Goblins, Orks und Trolle überzeugt, die mehr Überfälle als sonst wagen.

Zu dominant ist das Geplänkel an den Adelshöfen und unter den Bürgerlichen.

Das ist bedauerlich, da der Autor eigentlich einen sehr angenehmen Stil besitzt und nur noch manchmal an den eher umgangssprachlichen Ausdrücken arbeiten müsste.

 

Der Roman hat insgesamt sehr gute Ansätze, nur in der Ausführung hapert es leider und macht die Lektüre sehr anstrengend und zum Ende hin auch enttäuschend. Daher ist „Die Vierte Gabe“ auch hartgesottenen High-Fantasy-Fans nur bedingt zu empfehlen.

Eure Meinung:


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Die vierte Gabe

Reihe: Sternschnuppen

Autor: Ullrich Freier zu Axberg

broschiert, 489 Seiten

edition fischer, Frankfurt, erschienen September 2006

ISBN: 978-3-89950-172-8

Titelbild von Tanja Kühnel

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.09.2007, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28