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Die Wellenläufer von Kai Meyer

Hörbuch

Rezension von Valentino Dunkenberger

 

Jolly hat eine seltene Begabung, sie kann nämlich über Wasser laufen. „Wellenläufer“ – oder umgangssprachlich einfach nur „Quappen“ – werden diese Personen genannt.

Denn vor wenigen Jahren gab es in der Karibik ein gewaltiges Seebeben, bei dem auch eine gehörige Portion Magie freigesetzt wurde. Alle Kinder, die in dieser Zeit in der Nähe des Katastrophenortes geboren wurden, haben die Fähigkeit, über Wasser zu laufen. Damals gab es sehr viele „Quappen“, aber da sie von Piraten und Seefahrern verfolgt wurden, damit diese sie für ihre Zwecke – etwa dem Beschädigen gegnerischer Schiffe bei Seeschlachten oder zwecks Forschungen – einsetzen konnten. Da sie bei diesen Einsätzen aber oft ums Leben kamen, wurden die Quappen sehr schnell immer weniger.

Jolly denkt sogar, dass sie die letzte ist. Bis die „Magere Maggie“, das Schiff, mit dem das Piratenmädchen Jolly, ihr väterlicher Freund Kapitän Bannon und dessen Piratenmannschaft die Meere unsicher machen, während einer Seeschlacht in einen Hinterhalt gelockt wird. Noch bevor das angeschlagene Schiff sinkt, schafft es die Mannschaft, das gegnerische Schiff der spanischen Armada zu entern. Doch sie bemerken, dass viel zu wenig Menschen an Bord sind, um ein so großes Schiff zu steuern. Misstrauisch hisst die Mannschaft die Segel, um sich so schnell wie möglich vom Schauplatz der Schlacht zu entfernen – und schon schnappt die Falle zu! Aus der Takelage fallen tausende Krüge und zerschellen beim Aufprall auf dem Deck. Heraus krabbeln abertausende wütende Giftspinnen, die auch sofort zum Angriff übergehen.

Einzig Jolly kann sich über das Wasser in Sicherheit bringen und sich in einer Rettungskapsel – der Galleonsfigur der „Mageren Maggie“ – verschanzen. Schließlich wird Jolly an eine Insel gespült, auf der nur ein Junge mit seinen Eltern lebt.

Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass Munk – der Junge – die selben Fähigkeiten wie sie hat: auch er kann über Wasser gehen! Und er kann sogar noch mehr. Mittels Muscheln bedient er sich der Muschelmagie. Er erzählt Jolly, dass ein gewisser Geisterhändler ihm die Muscheln gegeben hat.

Munks Eltern vermuten, dass der Überfall auf die „Magere Maggie“ keinesfalls der Piratenmannschaft galt, sondern einzig ihr, Jolly – der Wellenläuferin. Jemand scheint zu versuchen, alle noch lebenden Quappen zu töten. Daher wollen Munks Eltern, um Jolly und ihren Sohn zu schützen, schnellstmöglich von der Insel herunter. Doch sie besitzen kein Schiff und dem Geisterhändler, der am nächsten Tag eintrifft, vertrauen sie nicht.

Doch als plötzlich ein furchtbarer Archerus, ein Wesen aus Schlamm, Schmutz und Leichen, angreift und Munks Eltern tötet, bleibt den Kindern keine andere Wahl – sie fliehen mit dem Geisterhändler von der Insel.

Nun beginnt für die beiden eine abenteuerlich Reise, auf der sie der Lösung um das Rätsel, was der sogenannte und sagenumwobene Mahlstrom ist, immer näher kommen...

 

Nach seinem grandiosen Erfolg der „Merle-Trilogie“ legt Kai Meyer mit „Die Wellenläufer“ den Auftakt einer weiteren Trilogie, der „Wellenläufer-Trilogie“, vor.

Obwohl die Schauplätze der beiden Trilogien sehr unterschiedlich sind, weist „Die Wellenläufer“ sehr viele Parallelen und Gemeinsamkeiten zu Merles Abenteuern auf. Dies mindert die Spannung, die Kai Meyer aufbaut, allerdings in keinster Weise und gespannt versinkt der Zuhörer in dieser fantastischen Welt der Karibik und der Piraten.

Sehr positiv überrascht war ich von dieser Verbindung aus fantastischen Elementen und alten Seefahrer-Mythen und den klassischen Seeräuber- und Piratengeschichten. Meyer hat hier eine Mischung aus Abenteuer und Magie geschaffen, die in dieser Art bisher noch nicht vorhanden war und aus der man noch sehr viel herausholen kann.

Die Geschichte endet ganz plötzlich mit einem Cliffhanger. Hat sich die Handlung anfangs sehr ausführlich und detailverliebt entwickelt, kommt dem Hörer der Schluss beinahe zu abrupt und zusammengerafft vor. Das ist allerdings auch der einzige negative Punkt – neben der Ähnlichkeit zur „Merle-Trilogie“ –, den ich an Meyers Geschichte finden kann.

 

Die Hörcompany ist, wenn ich recht informiert bin, noch ein Neuling auf dem Gebiet der Hörspielproduktionen, hat aber mit seinen Produktionen – unter anderem auch der Vertonung von Kai Meyers „Merle-Trilogie“ – schnell Erfolg erlangt. Mit „Die Wellenläufer“ hat sie eine weitere schöne Lesung auf die Beine gestellt, die den Bekanntheitsgrad der Hörcompany noch weiter anheben wird.

Andreas Fröhlich als Sprecher war eine sehr gute Wahl. Fröhlich ist uns nicht nur aus der allgemein sehr beliebten Hörspielreihe „Die drei ???“ bekannt, in der er die Rolle des Bob Andrews spielt, sondern er war auch die hervorragende Synchronstimme des Gollum in der Blockbuster-Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“.

Auch mit „Die Wellenläufer“ beweist er erneut sein Können! Obwohl die anfänglichen Erzählteile leider etwas monoton dahinplätschern, wartet Fröhlich mit wunderbaren Dialogen auf. Jedem Charakter verleiht er eine eine individuelle Stimmfärbung und Tonlage, was das Hören zu einem Vergnügen werden lässt. Besonders die kreischende Stimme des hexhermetischen Holzwurms erfüllt den Hörer mit Freude.

 

Ungewöhnlich für eine Lesung, aber durchaus mit positivem Effekt sind auch die untermalenden Hintergrundgeräusche. Meeresrauschen, Kanonendonner und ähnliche andere Geräusche verstärken die Lebhaftigkeit noch mehr und lassen den Hörer noch tiefer in dieses magische Piratenabenteuer eintauchen.

 

Das Booklet ist leider sehr mager ausgefallen. Hier findet man neben dreieinhalb Seiten Werbung für weitere Hörcompany-Produktionen lediglich zwei recht informative Kurzbiographien zu Autor und Sprecher sowie eine Trackliste und das Impressum.

 

Nun heißt es gespannt warten bis August 2004, denn dann soll der zweite Teil der „Wellenläufer-Trilogie“ als Lesung erscheinen. Wer so lang nicht warten kann oder will, der sollte auf die Buchvorlage zurückgreifen, die im Februar erschienen ist.

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Titel: Die Wellenläufer

Umfang: 5 CDs

Laufzeit: 372 Minuten; leicht gekürzte Hörbuchfassung

Buch: Kai Meyer

Sprecher: Andreas Fröhlich

Regie: Angelika Schaack

Bearbeitung: Andrea Herzog

Aufnahme: Fabian Küttner, Eimsbütteler Tonstudio, Hamburg

Illustration: Joachim Knappe

Gestaltung: Digitage, Hamburg

Produktion: Hörcompany, 2004

Verlag: Hörcompany

Erscheinungsdatum: März 2004

ISBN: 3935036574

Erhältlich bei amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.05.2005, zuletzt aktualisiert: 15.10.2018 10:58