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Die Welt in 10 Millionen Jahren

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension

 

Die meisten werden den Namen Ralph Bakshi wohl daher kennen, dass er der erste war, der sich daran wagte, den „Herrn der Ringe“ in ein filmisches Medium umzusetzen, wenn auch als Zeichentrickfilme. Noch heute sagt man ihm größere Werktreue nach als Peter Jackson, auch wenn weder die Animation noch die Darstellung der Figuren unbedingt dem entsprachen, was sich Tolkien vorgestellt hat.

Aber auch der Zeichentrickfilm „Feuer und Eis“ stammt von ihm, in dem er Frank Frazettas beliebtestes Gemälde „Death Dealer“ einer größeren Masse von Betrachtern zugänglich und damit unsterblich machte.

 

Die Geschichte ist schnell erzählt. Nach dem ökologischen und atomaren Holocaust bricht auf der Erde Chaos aus. Für viele Millionen Jahre tobt die Erde sich aus, um die Menschen zu vernichten. Nur wenige überleben, die meisten mutieren zu scheußlichen Bestien, die in den Ruinen der Vergangenheit ein karges Leben fristen.

Allein in den Enklaven der Elfen und Feen herrscht so etwas wie Frieden und immerwährendes Glück.

Dann werden der Feenkönigin Delia Zwillinge geboren, die zu mächtigen Zauberern heranwachsen. Doch während Avatar dem Pfad seiner Mutter folgt und dem Licht zustrebt, wendet sich Blackwolf der Dunkelheit zu.

Schließlich kommt es zu einem Duell der Brüder. Blackwolf verliert und geht, aber er sinnt auf Rache. Diese bereitet er über Jahrtausende vor. Er sucht in den Ruinen nach Artefakten und findet einen Projektor, mit dem er die Kreaturen der kargen Lande beeinflussen kann. So baut er im Verborgenen ein Reich und eine Armee auf, die sich viel von der Nazi-Ideologie zu eigen gemacht ist. Und eines Tages schlägt er los und beginnt Stück um Stück seine Welt zu erobern. Er schickt auch seinen besten Assassinen „Necro“ aus, um Avatar auszuschalten.

Doch der kann den Roboter umdrehen.

Da er aber nun von Blackwolfs Plänen weiß, muss der gute Zauberer handeln und zieht mit der schönen und frivolen Elinore und dem neu benannten „Frieden“ aus, um den Projektor wie auch Blackwolf zu vernichten. Auf der Reise schließt sich ihnen auch der grimmige Elfenkrieger Weehawk an, der Rache für sein Dorf nehmen will.

 

„Die Welt in 10 Millionen Jahren“ ist ein zynisches Märchen, dem man sehr deutlich die Aufbruchsstimmung der späten 1960er und frühen 1970er Jahre anmerkt. Ralf Bakshi hat sehr viel Gedankengut aus der Hippie- und Studentenbewegung eingearbeitet, wenngleich man auch das Gefühl hat, dass er das meiste nur plakativ präsentiert und nicht wirklich tiefere Aussagen einbettet, gerade was die ökologische Zerstörung der Erde durch die Menschen angeht, die übrigens durchweg schlecht behandelt wird.

Der Film ist ein wenig anarchistisch, er pendelt zwischen süßlicher Naivität und bösem Zynismus hin und her, demontiert munter Fantasy-Klischees. So ist Avatar kein typischer edler Zauberer und wer glaubt, dass Elinore und Weehaw ein klassisches Paar würden, irrt ebenfalls.

Die Geschichte selbst ist relativ dünn und schlicht gehalten, wird aber immer wieder gerne durch kleine Schlachten und Action, skurrile Gefahren und das wütende Gebaren des Bösen aufgelockert. Sie lebt eigentlich mehr durch die schrägen Figuren und seltsame Interpretation bekannter Klischees.

Anachronistisch wirkt auch die Einbindung von moderner Technik und die offene Verwendung von Bildern aus dem Nazireich. Diese mögen zwar für die meisten Zuschauer das eingänglichste Beispiel für Terror, Diktatur und Staatsgewalt sein, aber man fragt sich an mehreren Stellen, ob es sich Bakshi nicht doch ein wenig zu einfach bei der Darstellung dieser Themen macht.

Die Ton und Bildqualität ist eher schwach, da der Film kaum aufbereitet wurde, gerade die deutsche Tonspur hat nur Video-Qualität. Auf der CD gibt es gerade einmal Trailer und einen Audiokommentar als Extras.

 

 

Fazit

 

Alles in allem ist „Die Welt in 10 Millionen Jahren“ ein Werk, an dem sich sicherlich die Geister scheiden werden. Denn weder ist ein klarer gesellschaftskritischer Anspruch zu erkennen, noch ist er reine Abenteuer-Fantasy, die man ohne Hintergedanken genießen kann. Zwar besitzt die Geschichte durch ihre Verrücktheiten einen gewissen Reiz, aber diese Faszination hält immer nur kurzfristig an, nicht den ganzen Film über, da der Streifen auch in seiner Atmosphäre weder Fleisch noch Fisch ist – entweder extrem naiv, dann wieder brutal und zynisch.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202303311109229c007a7e
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DVD:

Die Welt in 10 Millionen Jahren

Wizards, USA 1976/77

Regisseur(e): Ralph Bakshi

Komponist: Andrew Belling

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: Koch Media GmbH - DVD

Erscheinungstermin: 27. August 2010

Spieldauer: 77 Minuten

Extras: Audiokommentar, Trailer

 

ASIN: B003JP5EQI

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:

Es wurde ein Pressemuster rezensiert. Daher können leider keine Aussagen über das Cover, Bonusmaterial, Bild- und Soundqualität gemacht werden.


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Erstellt: 29.08.2010, zuletzt aktualisiert: 29.11.2019 10:36