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Die wilde Gabe von Ursula K. Le Guin

Reihe: Chronicles of the Western Shore Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Mit "Planet der Habenichtse" oder dem "Erdsee"-Zyklus hat die 1929 geborene Autorin Ursula K. LeGuin unvergessene Klassiker der SF und Fantasy geschaffen. Vor allem "Erdsee" kommt nun noch einmal zu Ehren, der erste Roman des Zyklus wird von Studio Ghibli, den Schöpfern von "Prinzessin Mononoke" oder "Das Wandelnde Schloss" ebenfalls in einen Anime umgesetzt.

Die Autorin ruht sich dennoch nicht auf ihren Lorbeeren aus. Noch immer erscheinen Romane und Erzählungen von ihr, so wie 2004 "Gifts", das auf Deutsch nun als "Die wilde Gabe" bei Piper veröffentlicht wird.

 

Im rauhen Klima des Hochlandes leben nicht nur unzivilisierte, barbarische Menschen in abgeschiedenen Hofgemeinschaften , einige von ihnen besitzen auch mächtige und gefährliche Gaben, mit denen sie anderen Schaden zufügen oder sie sogar töten können.

So auch Canoc aus dem Haus Caspromant, der mit einem Blick die Struktur lebendiger Wesen auflösen kann. Von Natur aus eher friedlich, verteidigt er erbittert das Land seiner Familie gegen andere Lords, die ihn immer wieder provozieren.

Nur einmal hat er bisher seine Gabe benutzt, um sich damit einen Vorteil zu verschaffen, indem er eine Stadt des Tieflandes überfiel und sich von dort seine Frau mitbrachte. Sie gebar ihm einen Sohn.

Dieses Kind ist Orrec. Er wächst in zwei Welten auf, der rauhen seines Vaters, in dem die einfachen Dinge des Lebens und das Überleben zählen, und der feinsinnigeren seiner Mutter, die ihm und Gry, der Tochter einer befreundeten Familie Lesen und Schreiben beibringt, aber auch viele Geschichten erzählt.

Doch anders als bei anderen Kindern zeigt sich die Gabe bei Orrec lange nicht. Erst mit dreizehn Jahren tötet er versehentlich Tiere - und es sieht so aus, dass er seine Fähigkeiten nicht kontrollieren kann. Deshalb blendet ihn sein Vater.

Orrec akzeptiert das, auch wenn er sich unsicher ist, doch erst der Besuch eines Fremden weckt in ihm die Ahnung, dass seine "wilde Gabe" eine ganz andere ist als vermutet...

 

Ursula K. LeGuin erzählt eine ruhige Geschichte, kein Action-Abenteuer vor exotischer Kulisse, wie sie heute so beliebt sind. Auch wenn es im Hochland rauh und manchmal gewalttätig zugeht und einiges passiert, so legt sie ihr Augenmerk doch mehr auf die Figuren und ihre Entwicklung, auf zwischenmenschliche Interaktion als auf die Schilderung von Auseinandersetzungen und deren Folgen. Gewalt wird nicht immer mit Krieg beantwortet, die scheinbar so barbarischen Hochländer besitzen ein recht kompliziertes System von Regeln, die das Miteinander der Clans regeln.

Die magischen Gaben sind für die Menschen zwar nützliche Werkzeuge, aber sie setzen sie selten gedankenlos ein, da aus ihnen auch ein Fluch werden kann, wie ein geflochtene Erzählungen beweisen. Magie ist hier nicht Selbstzweck oder Werkzeug, mit dem man Spaß haben kann, sondern ein Teil des Lebens, der es manchmal schwer macht damit auszukommen.

Mit wenigen Beschreibungen entwirft die Autorin glaubwürdige Figuren und atmosphärische Szenarien, die sich ständig verändern und weiter entwickeln. Immer wieder macht sie den Leser neugierig und verlockt ihn so, weiter zu lesen.

 

"Die Wilde Gabe" ist zwar eine ruhige Geschichte, aber sie entfaltet ihre tiefgründige Spannung trotzdem recht schnell, wenn man sich darauf einlassen kann. Wer dagegen mehr auf plakative Action und oberflächliche Charaktere Wert legt, um sich einfach nur unterhalten zu lassen, wird sich eher langweilen.

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Eure Meinung:

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Buch

Die wilde Gabe

Reihe: Chronicles of the Western Shore Band 1

Original: Gifts, 2004

Autorin: Ursula K. Le Guin

Übersetzer: Florian F. Marzin

gebunden, 295 Seiten

Piper, März 2006

Titelbild: Cliff Nielsen

 

ISBN-10: 3492701094

ISBN-13: 978-3492701099

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 23.03.2006, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35