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Die Zeit der Verachtung von Andrzej Sapkowsi

Reihe: Hexer-Saga Band 2

 

Rezension von Christel Scheja

 

Lange Zeit führten die Romane und Kurzgeschichten um den Hexer Geralt und seine Freunde eher ein Schattendasein in der deutschen Fantasy. Die Versuche des Heyne-Verlages die Saga auf dem Markt zu etablieren, misslangen, da viele Leser zu sehr auf die angloamerikanischen Romane fixiert waren und aufgrund vieler sperriger und eher schwerfülliger, stellenweise sehr von sozialistischem Geist erfüllten Werke eher eine schlechte Meinung gegenüber der russischen oder polnischen Phantastik hatten. Das änderte sich erst, als die Welt und ihre Geschichten in das Computerspiel „The Witcher“ umgesetzt wurde.

Nachdem die beiden Kurzgeschichtenbände gut aufgenommen wurde, war nun auch endlich der Weg für die nachfolgende Pentalogie geebnet.

Nach „Das Erbe der Elfen“ ist nun endlich „Die Zeit der Verachtung“ erschienen. Der Roman schließt nahtlos an seinen Vorgänger an.

 

Die Lage spitzt sich zu. Nicht nur, dass Nichtmenschen immer mehr Repressialien zu erdulden haben und die Elfen gar zu Freiwild erklärt wurden, auch die Menschen spüren nun immer deutlicher, dass der Friede nicht mehr länger halten wird. Krieg liegt in der Luft und hinter den Kulissen rüsten immer mehr Reiche auf, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. In dieser Zeit wird auch ein Konvent der Zauberer zusammen gerufen, um die Lage zu besprechen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, damit der Konflikt nicht all zu sehr eskaliert.

Auch Geralt ist auf dem Weg dorthin, auch wenn er gar nicht so recht weiß, was er da soll, da er nur ein Hexer ist. Er möchte sich am liebsten aus der Sache heraus halten und weiter nur die Arbeit machen, die er am besten beherrscht – Monster erschlagen, seine Belohnung kassieren und es damit gut sein lassen.

Aber bald muss er Partei ergreifen, denn er sieht auf dem Konvent nicht nur Yennefer, seine alte Freundin wieder, sondern auch Ciri, die Prinzessin von Cintra, die ihm irgendwie ans Herz gewachsen ist.

Unversehend gerät das Mädchen in den Mittelpunkt der Intrigen und Bündnisse. Aufgrund ihres besonderen Blutes und ihrer Herkunft nimmt sie eine wichtige Rolle in den Konflikten ein, könnte man doch über sie Anspruch auf ein Reich erheben und noch etwas mehr von ihr verlangen...

Ciri ahnt ebenfalls nicht, wie wichtig sie ist. Sie hat nur den Wunsch ihren Freund Geralt wieder zu sehen und setzt sich dabei über die Anweisungen Yennefers hinweg, die sie unter ihre Fittiche genommen hat.

Als der zwielichtige Rience ihrer habhaft werden will, muss das junge Mädchen fliehen. Doch ein fehlgesteuerter Zauber verschlägt sie in die Wüste, wo nur ein verirrtes Einhorn sich ihrer annimmt.

 

„Die Zeit der Verachtung“ setzt dort an, wo „Das Erbe der Elfen“ aufhörte, dennoch ist ein Einstieg möglich, wenn man den vorhergehenden Roman noch nicht kennt, aber die Kurzgeschichten. Ist man ein kompletter Neueinsteiger, bleibt einem der Zugang gänzlich verwehrt. Denn auch wenn man sich in das politische Gefüge einlesen kann, so fehlen einem dann doch weitere Informationen, vor allem wie die Personen zueinander stehen, und woher sie sich kennen. Das macht deutlich, wie eng alles miteinander verwoben ist. Dennoch fehlt der Zauber, der die kürzeren Texte ausmachte. Geralt und seine Freunde nehmen nur einen kleinen Teil des Romans ein und kommen deutlich zu kurz. Ihre Abenteuer stehen im Schatten der politischen Entwicklungen, die immer schneller voran schreiten und übles verheißen. Machtgier und Aggression regieren allerorten. Letztendlich wissen sie nicht einmal, in was sie wirklich herein geraten, auch wenn die Erfahreneren ahnen, dass es nicht gut sein kann auf was sie zusteuern.

Die Welt wird konsequent weiter beschrieben. Sapkowski beschreibt sie weiterhin in ihrer düsteren und schmutzigen Schönheit und nimmt kein Blatt vor den Mund um die Ambivalenz der Figuren zu beschreiben.

Allerdings hat das Buch zu viele Handlungsebenen um einen roten Faden weiter zu spinnen, der den Leser auch wirklich fesseln kann. Man mag zwar einzelne intensive Szenen genießen können, am Ende fragt man sich aber doch, was eigentlich passiert ist, da die eigentlichen Helden immer mehr zu Spielfiguren auf dem großen politischen Schachbrett werden. Und das kann auf Dauer daneben gehen.

 

Alles in allem ist „Die Zeit der Verachtung“ zwar solide geschrieben und bietet einige sehr lebendige und spannende Momente – aber wirklich überzeugen kann der gesamte Roman nicht, da er zu selten eine klare Linie erkennen lässt und sich mit zu vielen Personen verzettelt. Hier wäre weniger mehr gewesen.

 

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Buch:

Die Zeit der Verachtung

Reihe: Hexer-Saga Band 2

Autor: Andrzej Sapkowski

Taschenbuch, 397 Seiten

dtv, Juni 2009

Übersetzer Erik Simon

Titelbild von Darren Winter

 

ISBN-10: 3423247266

ISBN-13: 978-3423247269

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.07.2009, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28