Die zweite Chance (100 Bullets Bd. 2)
 
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Die zweite Chance

Reihe: 100 Bullets Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Autor Brian Azzarello und der argentinische Zeichner Eduardo Risso gelten inzwischen als waschechtes Dreamteam der Comicbranche. Spätestens ihr Ausflug in das kaputte Gotham City brachte Fans und Kritiker dazu, das Duo zum kongenialen Kreativteam zu stilisieren. Mit der extravaganten Krimi-Reihe 100 Bullets, das die beiden für DC Vertigo geschaffen haben, beweisen sie einmal mehr, wieso ihre Zusammenarbeit so gerne gesehen wird. Nach dem Untergang des Speed Verlags bringt Panini nicht nur die lange erwarteten neuen Sammelbände der gefeierten Vertigo-Serie heraus, sondern schafft auch Einheitlichkeit im Regal, indem die alten Trades noch einmal als Klappenbroschur im Panini-Look neu aufgelegt werden.

 

In 100 Bullets erzählt Azzarello derweil die zwielichtig anmutende Geschichte von Agent Graves und einer Organisation namens Trust - und von Menschen, denen Agent Graves eine vermeintliche und moralisch alles andere als gesicherte Chance gibt: Ein Koffer mit einer Pistole und 100 Schuss Munition, die nicht zurück verfolgt werden können, und dazu unwiderlegbare Beweise, dass die Person, auf die man die Pistole am besten richtet, Dreck am Stecken oder zumindest etwas sehr, sehr Böses getan hat.

 

Dass dieses düstere Szenario Potential hat, war bereits nach den ersten Heften klar. In der deutschen Neuauflage des zweiten US-Sammelbandes stellt sich ferner heraus, dass Agent Graves nicht nur Chancen gibt. Was genau er sonst noch gibt, damit rückt Autor Brian Azzarello aber immer noch nicht ganz heraus. Gerade die letzten Kapitel des Trades mit der Paris-Episode werfen mindestens genauso viele Fragen auf, wie sie beantworten. Ein bisschen unbefriedigend ist das schon - aber es macht auch verdammt nochmal Appetit auf die nächsten Bände.

 

Appetitlich ist auch Eduardo Rissos Artwork. Unglaublich sexy, aber auch unglaublich brutal, wenn es sein muss, fängt er Azzarellos Gangstergeschichten wunderbar in lässigen Bildern ein. Sinnlichkeit, Brutalitäten, Morde, Blut, Verzweiflung, Verwirrung, Hass, Coolness, Liebe - das Spektrum, das Risso mit seinem sagenhaft guten Artwork abdeckt, ist breit. Alleine schon wegen seiner Optik ist 100 Bullets ein Genuss.

 

Zwar hängt der Leser nach dieser zweiten Chance ein wenig in der Luft - doch das verzeiht man Azzarello, da der vorzügliche Rest dieses Bandes durchaus überzeugt. Wie Howard Chaykin in seinem Vorwort schon richtig feststellt: Die Synthese aus Bildern und Text ist über jeden Zweifel erhaben. Dass diese Synthese auch im Gesamtbild stimmig ist und Substanz hat, muss und wird die Zukunft zeigen.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240621115918a091e78f
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Comic:

Titel: Die zweite Chance

Reihe: 100 Bullets Bd. 2

Autor: Biran Azzarello

Zeichner: Eduardo Risso

Tradepaperback, 224 Seiten

Panini Vertigo, Februar 2008

Erhältlich bei Panini


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Erstellt: 29.01.2008, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 5733