Douglas Sirk Collection (DVD)
 
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Douglas Sirk Collection (DVD)

Redakteur: Björn Backes

 

Douglas Sirk – dieser Name wird wohl nur vorwiegend Insidern ein Begriff sein, zumal ihm der Weltruhm als Regisseur zu Lebzeiten, aber auch danach, verwehrt blieb. Dabei ist die Geschichte dieses Mannes durchaus ungewöhnlich. Geboren als Hans Detlef Sierck 1897 in Hamburg verbrachte der Filmemacher seine Jugend und seine Lehrzeit am Theater, bevor er dann kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ins französische Exil und von dort aus recht bald nach Hollywood auswanderte. Dort nahm er seinen Künstlernamen an, produzierte erste Auftragsarbeiten für MGM, verdiente seine Brötchen mit halbwegs erfolgreichen Remakes und landete schließlich mit „All meine Sehnsucht“ seinen ersten heimlichen Filmhit. Dies war im Jahre 1953, demnach also – unter anderem durch den Krieg bedingt – im Herbst der Regisseur-Karriere Siercks. Folgerichtig zog er nur sechs Jahre später auch einen Schlussstrich unter seinen Job in Hollywood mit seinem finanziell größten Erfolg „Solange es Menschen gibt“.

In den Folgejahren geriet das Werk Sirks immer mehr in Vergessenheit, daher auch der Insider-Status seiner Person und seiner Produktionen. Dennoch scheint nach wie vor reges Interesse an seinen Filmen zu bestehen, weshalb sich Koch Media dazu entschlossen haben, eine erste Auswahl seiner Diskografie nach langen Jahren für das hiesige Publikum zu veröffentlichen. Drei seiner Filme, darunter auch jener Streifen, der ihm den Durchbruch bescherte, kommen nun als „Douglas Sirk Collection“ auf den Markt.

 

Inhalt:

 

All meine Sehnsucht

Naomi Murdoch ist passionierte Schauspielerin und setzt für ihren Job alles auf eine Karte: Zu seinem eigene erstaunen verlässt sie Ehemann Henry und die drei gemeinsamen Kinder. Zehn Jahre später folgt sie einer Einladung zu einer Schulaufführung einer ihrer Töchter und kann kaum fassen, was mit ihr geschieht. Einerseits ist sie bestürzt, dass sie einst ihre Familie und ihre prächtigen Kinder für den Job verlassen hat, andererseits fühlt sie eine plötzliche, unverhoffte Zuneigung zu ihrem Gatten. Während sie über ihre Zukunft grübelt, tauchen im Hintergrund Gerüchte darüber auf, warum Naomi damals tatsächlich die Stadt verlassen hat. Und von Tag zu Tag scheinen sich diese Vermutungen zu bewahrheiten…

 

Es gibt immer ein Morgen

Clifford Groves fristet seit Jahren ein gelangweiltes Dasein. Sein täglicher Job in einer Spielzeugfabrik bringt ihm ebenso wenig Abwechslung wie seine nun mehr zwei Dekaden andauernde Ehe, die für ihn nur noch Routine, aber kaum mehr Erfüllung ist. Als er eines Tages nach einer halben Ewigkeit seine Jugendliebe Norma wieder trifft, sieht er gleichzeitig eine Chance, seinem anstrengenden Trott zu entfliehen. Die Liebe flammt kurzzeitig neu auf, und tatsächlich entwickelt sich eine Bettgeschichte zwischen Clifford und Norma, von der auch Marion bald erfährt. Clifford steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er seine Ehe aufgeben, um die neue Freiheit auszukosten? Oder ist ihm die Sicherheit des Familienlebens letztendlich doch wichtiger als dieses unkonventionelle Abenteuer?

 

Der letzte Akkord

Helen Banning reist nach München, um dort ihrer neuen Arbeit nachzugehen. Kurz nach ihrer Ankunft lernt sie den Dirigenten Tonio kennen und verliebt sich sofort in ihn. Auch der leidenschaftliche Musik-Liebhaber ist der Romanze nicht abgeneigt und lässt sich auf die Liaison ein. Als Helen jedoch erfährt, dass Tonio verheiratet ist, steht die Beziehung auf der Kippe. Denn auch wenn der Dirigent Helen seiner Frau gegenüber bevorzugen würde, stellt deren psychische Erkrankung ein schier unüberwindliches Hindernis dar.

 

Rezension:

Bei der Betrachtung der einzelnen Inhaltsangaben drängt sich zwangsläufig der Eindruck auf, Sirk habe sich in seinen aktiven Jahren als Regisseur vorwiegend dem Kitsch gewidmet. Schmalzige Produktionen mit viel Pathos und Gefühlsduselei waren aber auch tatsächlich das Metier des ausgewanderten Hamburgers, dies jedoch nicht auf Basis kitschiger Inhalte oder gar unerträglich emotionaler Ausschussware. Stattdessen boten seine Filme einen gewissen Anspruch, vor allem aber eine für die damalige Zeit schon beachtliche Realitätsnähe. Sirk wählte nämlich weder pompöse Inszenierungen, noch allzu theatralische Wendungen, sondern regelmäßig stringente Handlungsabläufe, bei denen der Plot zu allererst im Vordergrund steht.

Genau dieser Aspekt macht selbst die tragischsten Melodramen zu durchaus ansehnlichen und auch bewegenden Filmen, so wie etwa die drei Beiträge, welche die hier vorgestellte Kollektion beinhaltet.

 

Das heimliche Highlight macht dabei bereits den Auftakt: „All meine Sehnsucht“ besticht durch eine sehr abwechslungsreiche Story und eine bravouröse Barbara Stanwyck in der Hauptrolle. Sie verkörpert die tragische Figur mit Hingabe und Leidenschaft und dementsprechend glaubwürdig, was angesichts der erheblichen Herausforderung an die Schauspielerin größten Respekt verdient. Kaum Wunder also, dass Sirk mit diesem Titel seinen Durchbruch auf internationaler Ebene schaffte.

Kaum minder interessant, allerdings ein wenig gewöhnlicher ist der Background des zweiten Streifens. Nach zähem Beginn, der jedoch erforderlich ist, um die betrübliche Alltagssituation der Groves-Familie zu charakterisieren, entwickelt sich hier ein weiteres, ansehnliches Drama, welches einmal mehr von Stanwycks beeindruckender schauspielerischer Leistung zehrt. Ihre Auseinandersetzungen mit Cliffords Gattin Marion sind wirklich reizende Filmmomente, deren Emotionalität sich vor dem Output aktueller Produktionen nicht verstecken muss. Der Unterschied zum Vorgängerfilm besteht abseits der vielen offenkundigen Parallelen jedoch darin, dass sich die eigentliche Lebenskrise erst nach einer schweren Explosion äußert. Zuvor war jener harte Schicksalsschlag indes Ausgangssituation für das Melodram. Gemein ist ihnen allerdings ihre punktgenaue, lineare Inszenierung, welche zwar beide Male rührselig ist, aber eben nicht künstlich erscheint. Und das ist eben jener feine Unterschied, der Sirks Werk auch entgegen mancherlei Kritikermeinung zu etwas Besonderem macht.

 

Leider lässt der Regisseur im letzten Streifen dieser Box ein wenig nach; die Geschichte ist zwar aufgrund Tonios seltsamer Ehekrise ein wenig ungewöhnlich und bietet eine etwas andere Form der typischen Darstellung einer Liebes-Affäre, offeriert aber gerade in der entscheidenden Phase keine wirklich bewegenden Inhalte. So kommt es lediglich zu einigen unspektakulären Hahnenkämpfen, die den anspruchsvolleren Zuseher aber kaum aus der Reserve zu locken vermögen. Auch wenn es vermessen wäre, von einer echten Enttäuschung zu reden, so fällt der Streifen gegenüber den beiden übrigen Episoden ein kleines Bisschen ab.

 

Der Unterhaltungswert ist jedoch, gerade im Hinblick auf die Entstehungsjahre der Filme, ziemlich groß, obschon zu beachten ist, dass das Zielpublikum schon ziemlich limitiert ist. Die jeweiligen Inszenierungen sind aber durchweg authentisch und aufgrund ihrer sehr alltäglichen Themengebiete auch nach einem halben Jahrhundert beispielhaft, aber eben gerade für das frühe Kino beachtlich in ihrem Erscheinungsbild. Dass sich hierzulande nun endlich ein Vertrieb gefunden hat, der das Werk des bereits vor 21 Jahren verstorbenen Regisseurs zu würdigen weiß, erscheint wie ein verspäteter, aber eben gelungener Tribut an einen er versteckten deutschen Helden Hollywoods.

 

Fazit:

Die „Douglas Sirk Collection“ ist sicherlich ein sehr spezieller Release des eh schon besonderen Katalogs von Koch Media, dementsprechend auch womöglich sperrig für einen Großteil der übliche Käuferschicht, inhaltlich aber – abgesehen vom nicht ganz so starken „Der letzte Akkord“ - aber kaum Angriffsfläche bietet. Wer sowohl das Kino der 50er als auch rührselige Dramen mag, sollte sich mit dem Thema Douglas Sirk anhand dieser Box mal etwas näher beschäftigen.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024041813511029523a9a
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DVD:

Douglas Sirk Collection

(All meine Sehnsucht, Es gibt immer ein Morgen, Der letzte Akkord)

Regie: Douglas Sirk

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch, Englisch

Bildseitenformat: 4:3

Anzahl Disks: 3

FSK: 12

Spielzeit: ca. 243 Minuten

Koch Media, 8. Februar 2008

 

ASIN: B000YRODXE

 

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Barbary Stanwyck

Richard Carlson

Fred MacMurray

June Allyson

Rossano Brazzi u.a.

 


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Erstellt: 24.04.2008, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 6360