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Drachenglanz von Naomi Novik

Reihe: Die Feuerreiter seiner Majestät Band 4

Rezension von Christel Scheja

 

Für ihren Zyklus „Die Feuerreiter seiner Majestät“ hat Naomi Novik ein Setting gewählt, dass von den Fantasy-Autoren bis jetzt so gut wie nicht benutzt wurde. Ihre Bücher sind in einer alternativen Welt angesiedelt, die sich nur in einem Detail von der unseren unterscheidet: Es gibt Drachen. Diese haben sich zum Teil mit den Menschen angefreundet und unterstützen sie im Kampf gegeneinander.

Auch hier rüstet sich im Jahr 1806 Napoleon Bonaparte zur Eroberung des alten Kontinentes. Große Teile Süd- und Mitteleuropas sind schon unter seine Fuchtel geraten, nur das nebelige England leistet noch mit seinen Schiffen und Drachen Widerstand. Nicht einmal das Bündnis mit den Chinesen, die dem selbst ernannten Kaiser das Ei eines Kaiserdrachen geschickt hatten, war von Erfolg gekrönt. Das Schiff, auf dem es war, sollte niemals Frankreich erreichen, sondern wurde vorher von einem britischen Kapitän abgefangen.

 

Seither ist William Lawrence der Gefährte des jungen Kaiserdrachen Temeraire. Nachdem er den Dienst in der Flotte quittiert und die diplomatischen Schwierigkeiten mit den Chinesen durch einen Besuch im fernen Osten beseitigt hat, ist er ein voll anerkanntes Mitglied des Fliegercorps und einer der wichtigsten Kommandeure.

Man bereitet sich wie immer auf die Attacken Frankreichs vor, doch als Lawrence von seiner Reise nach Deutschland und in das Osmanische Reich nach Hause zurück kehrt, erwartet ihn eine böse Überraschung. Eine wahre Epidemie hat die Drachen erfasst. Es beginnt mit Symptomen, die nach einer Erkältung aussehen und steigert sich in nicht enden wollenden Husten und starker Schleimbildung, die die Drachen schließlich erstickt. Die ganz alten und die jungen Drachen sind der Krankheit zum Teil schon zum Opfer gefallen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest der Drachen stirbt.

Nicht nur das Lawrence und Temeraire sich von den anderen fern halten müssen, um sich nicht ebenfalls anzustecken, sie vergehen auch fast vor Sorge. Da stellt sich heraus, dass der Kaiserdrache durch irgend etwas resistent geworden ist, dass er auf der Reise nach China gefressen hat?

Könnte es sein, dass sich auf dem schwarzen Kontinent ein Heilmittel gegen die Seuche befindet? Temeraire und Lawrence begeben sich mit ihren engsten Kameraden auf eine Reise in den Schwarzen Kontinent, um diese letzte Hoffnung wahr werden zu lassen. Und sie müssen fest stellen, dass sie die dort lauernden Gefahren bei weitem unterschätzt haben. Denn die Menschen Afrikas sind nicht nur leicht zu beeindruckende und einfach einzuschüchternde Wilde, sondern besitzen eben so hoch entwickelte Kulturen wie die Europas. Und sie sind nicht länger gewillt, sich demütigen und versklaven zu lassen...

 

Im vierten Roman der Saga beschäftigt sich Naomi Novic wieder mehr mit den persönlichen Problemen ihrer Helden. Diesmal geht es um nicht weniger als der Rettung des Lebens von vielen Drachen. Dazu begeben sich Lawrence und Temeraire in eine Welt, die gerade zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch weitestgehend unerforscht ist und viele Überraschungen bietet. Während sie sich langsam an das Heilmittel heran tasten und dort schließlich Erfolg haben, lernen sie aber auch die anderen Seiten des schwarzen Kontinents kennen.

Die Autorin zeichnet eine fantastische und exotische Welt, die historische Fakten mit eigener Phantasie verbindet. Den Ahnenkult der afrikanischen Stämme mit Drachen zu verbinden , ist nur im ersten Moment eine verrückte Idee, nach kurzer Zeit aber vollkommen logisch.

Lawrence und die anderen lernen die Welt erst einmal aus der typischen Sicht des weißen Mannes, blicken herablassend, ja fast arrogant auf die scheinbaren Wilden hinab, bis sie ihren Blickwinkel ändern müssen. Allein die, die das nicht können, gehen unter.

Dabei macht auch Lawrence wieder eine interessante Entwicklung durch, die ihn am Ende eine folgenschwere Entscheidung treffen lässt. Eine Fortsetzung ist vorprogrammiert, da diese überraschende Wendung noch sehr viel Zündstoff verspricht

Stilistisch ist an dem Werk nichts auszusetzen - es ist flüssig geschrieben und lässt durch abwechslungsreiche Szenen keine Langeweile ankommen. Gerade weil sie sich wieder mehr dem exotischen Entdeckungsabenteuer zuwendet, nutzen sich die vertrauten Elemente der Saga nicht all zu sehr ab.

 

„Drachenglanz“ kann durch eine spannende Geschichte und einige Überraschungen punkten. Allerdings sollte man schon die vorherigen Bände des Zyklus kennen, da der Hintergrund und die Beziehungen zwischen den Figuren nicht all zu sehr erklärt werden. Und man muss das Setting mögen, gerade der Beginn des 19. Jahrhunderts leitet die Wende zur Moderne ein und beginnt andere Dinge wichtig werden zu lassen als edle Ritterlichkeit und archaische Rituale.

 

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Drachenglanz

Reihe: Die Feuerreiter seiner Majestät, Bd. 4

Empire of Ivory, 2008

Autorin: Naomi Novik

Klappbroschur, 510 Seiten

Blanvalet, erschienen April 2008

ISBN 978-3-442-26572-5

Übersetzung von Marianne Schmidt

Titelbild von Hildendesign und Iacopo Bruno, Illustrationen von Gayle Marquez

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.05.2008, zuletzt aktualisiert: 18.06.2021 20:59