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Dracula von Pascal Croci und Francoise-Sylvie Pauly

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Dracula, der von Bram Stoker kreierte und längst legendäre Vampir, ist einer der faszinierendsten Charaktere der Phantastik. Francoise-Sylvie Pauly und Pascal Croci, der mit seiner fiktiven Comic-Dokumentation "Ausschwitz" einiges Aufsehen erregt hat, widmen sich dieser Figur in der Graphic Novel "Dracula". Diese handelt im ersten Teil vom Leben des Vlad Tepes, der Stoker bekanntlich als Vorbild für seinen Blut saugenden Grafen gedient hat. Der zweite Teil stellt dann eine Adaption des berühmten Romans von Bram Stoker dar. Schon die ansprechende Aufmachung mit goldener Schrift vor violettem Hintergrund und einer ambivalenten Statue macht Lust auf die Lektüre.

 

Die Graphic Novel besticht durch die unglaublich dichte Atmosphäre. Dazu trägt einerseits die düstere Farbgebung von Pascal Croci bei, zu der die weißen Schneelandschaften der Karpaten einen wunderschönen Kontrast bilden. Andererseits spielt hier der Erzählstil eine wesentliche Rolle. Denn hier wird werden nicht nur einfach die Vita von Vlad Tepes und der Roman "Dracula" bebildert. Immer wieder gehen Text- und Bildebene vielmehr unterschiedliche Wege. Statt einer reinen Bebilderung des Beschriebenen wird dafür etwa eine unheimlicher Wasserspeier oder ein teilweise verhüllter Mond präsentiert. Für die bedrohliche Stimmung sorgen auch immer wieder Schatten, die ein Eigenleben zu führen scheinen und manchmal gar nicht zu den Objekten passen wollen Die Schatten von Bäumen wirken zuweilen wie die bedrohlichen Arme von Monstern. Statuen scheinen mitunter ein Eigenleben zu führen. Zudem hat Pascal Groci ein beeindruckendes Gespür für die passende, ja großartige Inszenierung von Architektur, dass man manchmal an den großen Piranesi erinnert wird, der durch seinen Einfluss auf diverse Autoren das Horrorgenre maßgeblich beeinflusst hat.

 

Gerade auf den ersten Seiten zeigt sich, dass diese Graphic Novel nicht für Kinder geeignet ist. Psacal Groci zeigt gleich zu Anfang im Seitenformat in aller Deutlichkeit und Schrecklichkeit aufgespießte Menschenkörper. Dabei handelt es sich aber nicht einfach um einen billigen Schockeffekt, sondern fast um eine Notwendigkeit. Schließlich rekapituliert er das Leben eines Mannes, der als "Vlad, der Pfähler" in die Geschichte einging.

 

Die Adaption des Romans "Dracula" ist sehr eigenwillig. Das Duo Pascal Croci und Francoise-Sylvie Pauly konzentriert sich nur auf die Aspekte, die beide für interessant halten. Sie lassen diverse Figuren, die für die Entwicklung der Ereignisse teilweise wichtig sind, in ihrem Werk einfach aus. Das hat zur Folge, dass ganze Handlungsstränge entfallen und die Abläufe teilweise erheblich modifiziert werden. Das geht soweit, dass die Gestalt von Dracula als solche gar nicht auftaucht. Puristen, die auf Werktreue pochen, werden das zweifellos kritisieren. Doch sollte nicht übersehen werden, dass dieses Vorgehen eine mutige Interpretation des Stoffes darstellt, durch den dieser neues Blut - und Blut ist bekanntlich Leben - erhält.

 

Als besonderen Bonus enthält das Comic noch das zehnseitige Special "Der imaginäre Vampir des Pascal Groci" in dem der Illustrator und Autor ausführlich zu Wort kommt. Zudem werden hier einige nicht verwendete Zeichnungen und Skizzen präsentiert.

 

Fazit:

"Dracula" von Pascal Croci und Francoise-Sylvie Pauly ist wohl die beste Graphic Novel im Bereich Horror, die in diesem Jahr erschienen ist.

 

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Graphic Novel

Dracula

Szenario: Pascal Croci und Francoise-Sylvie Pauly (nach Bram Stoker)

Zeichnungen und Farben: Pascal Croci

Verlag: Ehapa Comic Collection

Erscheinungsdatum: Oktober 2010

160 Seiten - gebundene Ausgabe

ISBN-10: 3770434277

ISBN-13: 978-3770434275

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.11.2010, zuletzt aktualisiert: 20.11.2017 18:59