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Dragon Quest Swords: Die maskierte Königin und der Spiegelturm (Nintendo Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Background:

 

Die japanische „Dragon Quest“-Serie lieferte im Jahre 2003 indirekt die Initialzündung für die eigentliche Idee hinter der Nintendo Wii, wurde doch hier zum ersten Mal mit Sensoren und realistisch umgesetzten Bewegungsabläufen gearbeitet, deren Basis nun auch das aktive, mitunter hektische Treiben an Wiimote und Nunchuk bildet. Nach einigen recht erfolgreichen Spin-Offs war es nur eine Frage der Zeit, bis die Vereinigung der beiden Systeme ins Haus stehen und Japans Rollenspiel-Importeur Nr. 1, Square Enix, endlich auch die neue Konsole im Sturm neben würde. Jetzt ist die Zeit reif für den ersten „Dragon Quest“-Titel für die Wii – naja, zumindest teilweise…

 

Story:

 

16 lange Jahre hat der junge Mann gewartet, bis er endlich in die Kriegerkaste von Avalonia aufgenommen werden kann, und nur noch einige kleine Prüfungen stehen ihm bevor, bis die Königin ihn während eines feierlichen Aktes den Schwur des Ritters abnehmen kann. Doch die Herrscherin ist seit einiger Zeit verschwunden und soll seit mehreren Wochen nur noch mit einer Maske bekleidet durch ihr Regentschaftsgebiet laufen. Davon unbeirrt wagt sich der junge Held in seine letzten Prüfungen, ambitioniert und motiviert seine persönlichen Ziele zu erreichen und in Erfahrung zu bringen, was tatsächlich mit der Königin passiert ist. Denn genau jetzt kann er beweisen, was er in den vergangenen 16 Jahren mit seinem Schwert alles gelernt hat…

 

Das Spiel:

 

Entgegen der nicht gerade unberechtigt hohen Erwartungen, haben die Schöpfer der Serie bei „Die maskierte Königin und der Spiegelturm“ an vielen Stellen des Spiels merklich abgespeckt, was gerade die Freunde der ersten Stunde, die hier einen potenziellen Mitkonkurrenten für die „Final Fantasy“-Reihe wähnten, enttäuschen dürfte. Mit den klassischen Begebenheiten eines Rollenspiels hat „Dragon Quest Swords“ nämlich ganz und gar nichts zu tun. Vielmehr gliedert sich der strukturelle Aufbau wie ein lineares, leider auch unflexibles Actionspiel, welches in seinen acht übergeordneten Levels immer stur und unbeweglich nach einer vorgegebenen Linie funktioniert. So bewegt sich unser Held in gewohnter Manier durch die Dungeons, zerstört einige bereits bekannte Monster mit seinem Schwert, sammelt unterdessen Gegenstände und Erfahrung und wurschtelt sich Schritt für Schritt zum jeweiligen Endgegner durch, der einem im Finale eines Abschnitts so manch frustrierende Herausforderung bietet.

 

Dies alles wäre ja noch halbwegs interessant, würde sich der Levelaufbau an mancher Stelle ein wenig weiterreichend präsentieren und zumindest einige Freiräume für die Steuerung unseres Helden bieten. Es fehlen schlichtweg die zwingend erforderlichen Rätselelemente oder Storybreaks und dergleichen, die das Spiel auch inhaltlich mit feinen Wendungen versehen könnten. Stattdessen gleicht die Szenerie an vielen Stellen derjenigen eines strikten Shooters, nur eben in einem abgeschwächten Setting bzw. mit etwas sanfteren Kampfmethoden. Für eine Weile mag dies ja noch reizvoll sein, doch auf die Dauer ist das Ganze – gerade eben für ein Spiel mit derartigen Suggestionen – leider zu eintönig und schlicht.

 

An manchen Stellen entdeckt man aber glücklicherweise doch noch die Handschrift von Square Enix, wobei hier vor allem das Backing-Arsenal der Hauptdarsteller betroffen ist. So bekommen unsere Helden (im Laufe des Spiels sammelt man natürlich auch diverse Gefährten ein und befehligt ihr Handeln) immer wieder wichtige Upgrades, erweitern ihre magischen Fähigkeiten und verbessern sich natürlich auch an einem ihrer Schwerter, wobei Letztere natürlich auch mit wachsender Erfahrung beachtlichere Qualitäten aufweisen. Es ist halt nur so, dass von derlei gepflegten und willkommenen Traditionen keine zusätzlichen Impulse ausgehen. Man könnte in diesem Zusammenhang sagen, dass die Basis stimmt, aber bei der Ausschmückung und weiteren Konzeption die Detailverliebtheit fehlt. Selbst wenn man nämlich mal vom Gedanken wegkommt, dass „Dragon Quest“ zwangsläufig ein Rollenspiel-Titel sein muss, kommt man unwiderruflich zu dem Schluss, dass hier lediglich die Schmalspurvariante eines phantastisch angehauchten Hack & Slay-Spiels aufgefahren wird – und das leider nicht nur hinsichtlich des Spielkonzepts!

 

 

Technik/Grafik:

 

Leider bietet auch „Dragon Quest Swords“ nicht die erhofften Verbesserungen der Schwerttechnik mit der Wiimote. Die Bewegungsabläufe sind ähnlich mäßig umgesetzt wie in „Dragon Blade“, wobei es einmal mehr an Sensibilität und vor allem Authentizität mangelt. Gerade in den Szenen, in denen unser Held schon mal etwas deutlicher in Bedrängnis gerät, entwickelt sich schnell ein hektisches, gleichsam zielloses Gefuchtel. Dabei sind die Voraussetzungen gar nicht mal so übel: Die Gegner werden zunächst fixiert und dann mit einem satten Hieb erledigt, aber auch defensiv kann man sich eigentlich ganz gut schützen. Doch egal ob es nun ein satter Streich oder doch ein stattliches Stoß ist: Nicht selten stellt man frustriert fest, dass die ersuchte Bewegung nicht mit derjenigen übereinstimmt, die tatsächlich am Bildschirm aufgegriffen wird. Ab und zu steht einem zumindest der sogenannte Meisterschlag zur Verfügung, der bei der Gegnerschaft weitaus größeren Schaden anrichtet, aber eben nur bei entsprechender Fülle einer extra dafür vorgesehenen Leiste zum Zuge kommt. Da dies vornehmlich Zufallselemente sind und die grundlegenden Techniken letztendlich zu knifflig sind, bleibt die Steuerung aber leider ein weiteres Stiefkind dieses Spiels.

 

Die grafische Präsentation hingegen ist für ein Spiel dieser Spezies weitestgehend in Ordnung, wenngleich insbesondere die Hintergrundanimationen auch auf der Gamecube nicht schlechter gewesen wären. Dafür jedoch sind zumindest die Charaktere und die Items sehr nett und detailreich in Szene gesetzt worden, so dass man am Ende doch Richtung oberer Wii-Durchschnitt tendiert. Hier bekommt das Spiel schließlich den großen Farbpott zugesprochen, der in der Konzeption und Ausarbeitung der Quests scheinbar unberührt blieb.

 

 

Spielspaß:

 

Leider kränkelt „Dragon Quest Swords“ an vielen Viren, die auch anderthalb Jahre nach der Einführung der Nintendo Wii immer noch das ‚bewegliche’ System belasten. Die technische Umsetzung bzw. die Steuerung ist arg bescheiden, die Grafik weit hinter den Möglichkeiten der NextGen-Konsolen zurück und auch die Spielstruktur ohne die erwarteten Rollenspielelemente jenseits von gut und böse. Sicher, für ein reines Actionspiel ist der Aufbau der acht Quests ganz in Ordnung, stellenweise sogar richtig gut und anspruchsvoll, aber da Square Enix eben auch Passagen eines Action-Adventures integrieren möchte, darf man bei dieser Kombination von einem eher lieblosen Unterfangen sprechen. Mangelnde Charakterentwicklungen, unflexibles Setting und nicht ein einziges ordentliches Rätsel – nein, das ist einfach zu wenig, um den Spielspaß langfristig konstant zu halten! Zuletzt ist auch der Schwierigkeitsgrad alles andere als herausfordernd. Die Endbosse mögen zwar den einen oder anderen Credit einfordern, aber insgesamt marschiert man doch ganz locker durch die Levels. Dass schließlich auch hier die Begeisterung ausbleibt, versteht sich von selbst.

 

 

Fazit:

 

Es mag sein, dass die Enttäuschung gerade deswegen schwer wiegt, da man von Square Enix bislang immer erstklassige Rollenspielkost serviert bekam und dahingehend auch die Erwartungen an „Dragon Quest Swords“ gesteckt wurden. Aber grundsätzlich leidet das Spiel an einer ganzen Reihe schwer vertretbarer Kinderkrankheiten, die man in diesem Ausmaß weder von der erfolgreichen Serie, noch vom Publisher selbst gewohnt ist. Und unabhängig von Genre und Setting muss man daher auch knallhart festhalten, dass „Die maskierte Königin und der Spiegelturm“ definitiv keine Empfehlung verdient.

 

 

Eure Meinung:


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Dragon Quest Swords: Die maskierte Königin und der Spiegelturm (Nintendo Wii)

von Koch Media GmbH

System: Nintendo Wii

USK: Freigegeben ab 6 Jahren gem. 14 JuSchG

ASIN: B0015C7MIU

Erhältlich bei: Amazon

 

 

 

 


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Erstellt: 16.06.2008, zuletzt aktualisiert: 25.01.2015 07:21