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Ein kleiner Schritt

Reihe: Y: The Last Man (Bd. 3)

Rezension von Martina Klein

 

Die hier vorliegende Geschichte „Y: The Last Man“ aus der Reihe Vertigo von DC Comics stammt aus der Feder von Brian K. Vaughan und Pia Guerra. Der aus Cleveland in den USA stammende Autor Brian K. Vaughan, der auch schon für andere DC-Reihen, wie z.B. „Ultimate X-Men“ und „Mystique“ geschrieben hat, wurde für seinen Endzeit-Gentechnik-Krimi um den letzten lebenden Mann aus dem Jahre 2002 sogar mit dem begehrten Eisner Award ausgezeichnet (den er dann noch mal 2004 für „Ex Machina“ bekam). Die heute in Kanada lebende Zeichnerin Pia Guerra, auch bekannt als Hellkitty, hat auch schon eine lange Karriere in der Comic-Welt hinter sich. Seit Mitte der 90er Jahre arbeitet sich als Comic-Zeichnerin und hatte 2002 mit „Y: The Last Man“ ihren großen Durchbruch. Sie wurde mehrfach für den Eisner Award nominiert und gewann 2006 den Joe Shuster Award.

 

Man mag Panini –irgendwie auch zu Recht! – nachsagen, dass sie auf dem deutschen Comicmarkt mittlerweile eine gewisse Monopol-Stellung innehaben, was US-amerikanische Superhelden-Comics, wie die von DC, anbelangt. Nichtsdestotrotz ist es natürlich toll, dass dieser wirklich geniale Comic-Roman nun auch bei uns erhältlich ist, zumal diese Geschichte auch aus dem Muster der üblichen DC-Comics herausfällt. Es handelt nicht um die Abenteuer eines mit Superkräften und Röntgenblick o.ä. ausgestatten außergewöhnlichen Superhelden, sondern um eine ziemlich gut recherchierte und inhaltlich tiefgründige Geschichte um normale Menschen in einer wirklich außergewöhnlichen Situation.

 

Doch nun erst mal zu diesem Band:

 

Die Ankündigung dieses Hefts im Internet besagt:

„Eine Seuche unbekannter Art vernichtet jede Spermie, jeden Fötus und jedes lebende Säugetier mit einem Y-Chromosom, ausgenommen ein einziger junger Mann und sein ebenfalls männliches Haustier, ein Affe.

Im dritten Band: Eine Raumkapsel kommt zurück aus dem Orbit. An Bord sind auch zwei Männer. Sind sie zum Sterben verdammt, so wie ihre Geschlechtsgenossen? Oder muss ein "Begrüßungskomitee" nachhelfen, das am Landeplatz wartet?

Bekommt der letzte Mann Konkurrenz?“

 

Auf dem Buchrücken heißt es dazu konkreter:

„Yorick Brown, der einzige Mann, der eine globale geschlechtsspezifische Seuche überlebt hat, ist möglicherweise nicht mehr lange einzigartig. Denn auf seiner Reise durch ein apokalyptisches Amerika (zusammen mit einer Geheimagentin, einer Klon-Expertin und dem einzigen anderen überlebenden männlichen Säugetier, dem Affen Ampersand) steht dem letzten Mann der Erde unerwarteter Besuch von ganz oben bevor: Drei Astronauten kehren von der internationalen Raumstation zurück und zwei davon sind Männer.

Das Risiko des Wiedereintritts in die Atmosphäre an Bord eines klapprigen Sojus-Landemoduls ist groß genug. Erst recht, wenn am Boden eine tödliche Krankheit lauert. Doch das Trio steuert außerdem auf einen internationalen Konflikt zu, der die Frage regeln soll, wer in Zukunft den Männerbestand der Welt kontrolliert – und es gibt keine Garantie, dass auch nur einer von ihnen das Kreuzfeuer überleben wird.“

 

Dazu ist noch zu ergänzen:

 

Da aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen dieser dritte Band der Geschichte vor den beiden vorherigen herausgebracht wurde, beginnt die Geschichte leider mittendrin. Zum Glück gibt es aber eine wirklich ausführliche Einführung in die Geschichte am Anfang des Buches, dadurch wird die mangelnde Kenntnis des vorab Geschehenen relativ detailreich kompensiert.

 

Diese Einführung beginnt wie folgt: „Die Seuche schlug auf dem ganze Erdball zu – ohne Warnung und ohne Gnade. Jedes Säugetier mit einem Y-Chromosom starb binnen weniger Sekunden. Von Milliarden Tieren und Menschen überlebten nur zwei – ein Mann namens Yorick Brown und sein Haustier, das Äffchen Ampersand. Warum gerade sie überlebten, ist ein Rätsel.“ Eigentlich, wenn man’s genau nimmt eine ziemliche Macho-Fantasie...!

 

Doch weiter im Text: „Yorick und Ampersand verlassen kurz nach dieser Apokalypse Brooklyn, um mit Yoricks Mutter, einer Kongressabgeordneten, Kontakt aufzunehmen.“ usw.

 

Alles zusammen genommen weiß man jetzt so ungefähr, was sich bis hierhin zugetragen hat.

 

Jetzt ist „der letzte Mann“ Yorick also unterwegs und auf der Flucht vor wilden Amazonen, die ihm als Mann - auch wenn er der letzte ist! – nach dem Leben trachten. Begleitet wird er dabei von der geheimnisvollen Agentin 355 des noch geheimnisvolleren „Culper-Ringes“, einer nach der Seuche neu gegründeten Organisation, und der Gentechnik-Ärztin Dr. Allison Mann, führende Expertin auf dem Gebiet der Klon-Forschung, um mit ihrer Hilfe das Aussterben der Spezies zu verhindern.

 

Parallel dazu lernen wir die derzeitige Besatzung der ISS kennen, bestehend aus einer Frau und – zwei Männern! Die Nasa hat jedoch momentan wegen der Zustände auf der Erde kein Raum-Shuttle, um sie abzuholen. Also müssen sie, da ihre Vorräte an Nahrung und Atemluft bald zur Neige gehen, wohl oder übel selbst einen Weg nach Hause finden. Sie beschließen, mit ihrem alten Sojus-Landemodul selbst zur Erde zurück zu fliegen – nicht zuletzt wegen der männermordenden Seuche auf der Erde ist das natürlich sehr riskant! Werden die beiden Männer – so sie keine Bruchlandung hinlegen! – nicht auch auf der Stelle an der Seuche sterben? Keiner kann das mit Sicherheit voraussagen!

 

Yoricks Mutter, die einflussreiche Politikerin und ehemalige amerikanische Kongressabgeordnete Jennifer Brown, lässt unterdessen ihren Sohn von israelischen Elite-Soldatinnen suchen, um ihn zu „retten“. Sie vermutet nämlich, dass besagter „Culper-Ring“, dem auch die namenlose Agentin 355 angehört, in Wahrheit bloß eine Bande von Verbrechern ist und Yorick entführt hat. Da sie ihren Sohn, oder genauer gesagt seinen Affen Ampersand, heimlich mit einem Ortungsgerät versehen hat, ist die Verfolgung für die Soldatinnen vergleichsweise einfach. Diese verfolgen jedoch ihrerseits ganz eigene Pläne mit Yorick...

 

Ohne böse Absichten, hatten die geheimnisvolle Agentin 355 und die Ärztin Dr. Mann nur vor, Yorick nach Boston in Dr. Manns Gen-Labor zu bringen, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern – etwas, dass die Israelinnen gerne für sich alleine beanspruchen wollen, weshalb sie Yorick ihrerseits auch eigentlich selber entführen und nach Israel bringen wollen. Sie nennen den jungen Mann deshalb auch – natürlich nur, wenn er nicht dabei ist! – ziemlich abfällig die „einzige funktionierende Spermaproduktion“ und haben keineswegs vor, ihn seiner Mutter, der ehemaligen US-Kongressabgeordneten zu übergeben.

 

Mittlerweile bereiten sich die drei Astronauten auf der ISS auf ihre Rückkehr zur Erde vor – ihre Nerven liegen blank, dennoch sind sie fest entschlossen. Sollten sie die Landung überleben, soll eine russische Agentin, die sich in der Zwischenzeit der kleinen Gruppe um Yorick angeschlossen hat, sie wegen der immer noch drohenden Gefahr der Seuche zu einem geheimen Bioschutzraum bringen. Natalya Zamyatin, so heißt sie, wurde von der russischen Regierung, oder vielmehr von dem, was nach der großen Katastrophe davon übrig ist, geschickt, um deren russische Kosmonaten wieder in die Heimat zurückzubringen.

 

Yorick und die ihn begleitenden Frauen erreichen den besagten Bioschutzraum, eine sogenannten „Hot Suite“, zwar, jedoch stellen ihnen die Israelinnen eine Falle, um an Yorick heranzukommen. Es fließt viel Blut. Yorick schafft es lediglich, dass sein Affe Ampersand, der ja auch ein „Mann“ ist, verschont wird, ergibt sich dann aber selbst den israelischen Frauen, die ihn sogleich in ihrem Helikopter mitnehmen. Nun wollen die Soldatinnen die Astronauten, die jeden Moment auf der Erde erwartet werden, töten, um den einzigen lebenden Mann in ihrer Gewalt zu haben. Buchstäblich in letzter Sekunde kann Yorick sie daran hindern. Danach wird er von seinen ursprünglichen Begleiterinnen befreit.

 

Doch Yoricks heldenhafter Einsatz hilft nichts! Von den drei Astronauten überlebt letztendlich nur einer die Rückkehr auf die Erde – leider ist es „nur“ die Frau. Die ist aber wenigstens schwanger – vielleicht ja sogar mit einem Jungen! Das weiß man aber noch nicht. Sie bleibt bei den beiden Zwillingen, Heather und Heidi Hartle, die in der besagten „Hot Suite“ arbeiten. Die anderen machen sich mit Yorick wieder auf den Weg.

 

Dann wird auch das restliche Leben in dieser Welt ohne Männer gezeigt: Es gibt (warum eigentlich...?) keinen Strom mehr und so ziemlich alles an Infrastruktur ist zusammengebrochen – auch die Unterhaltungsindustrie, insbesondere das Fernsehen – was den übriggebliebenen Damen vielerorts am allermeisten zu schaffen macht! Wir begleiten die „Fahrende“ Theatergruppe „Fish & Bicycle“, die wie Vagabunden von Ort zu Ort zieht, um das Problem der mangelnden Unterhaltung zu lösen. Plötzlich läuft ihnen mitten in der Nacht ein – männlicher! – Kapuziner-Affe zu, der – der Leser ahnt es bereits! – aussieht wie der von Yorick. Letzteres können die Theaterfrauen natürlich nicht ahnen. Völlig überwältigt von der Existenz dieses vermeintlich letzten lebenden männlichen Säugetiers schreibt die Anführerin der Theatergruppe gleich ein neues Theaterstücke darüber: „Der letzte Mann“

 

Wir sehen dieses Theaterstück, oder vielmehr den Versuch der Frauen, es aufzuführen. Mitten in die Vorstellung platzt eine Gruppe Vermummter, die die Herausgabe des Affen fordern – dabei dachten die drei eingeweihten Frauen der Theatergruppe, sie wären die einzigen, die wussten, dass er ein Männchen und somit etwas Besonderes ist!

 

Es stellt sich (jedoch nur für den Leser!) heraus, dass der Affe tatsächlich Yoricks Affe Ampersand ist – und dass die beiden Vermummten Dr. Mann und Yorick Brown (der ja – als Mann! – unerkannt bleiben soll!) selbst sind. Dr. Mann in ihrer Verkleidung will den Theaterfrauen, die um die Männlichkeit des Affen wissen, weismachen, dass sie von der WHO seien und einen „gentechnisch veränderten Hermaphroditen“ gezüchtet hätten – also ein Weibchen mit männlichen Genitalien...

 

Aber auch noch andere Mächte, insbesondere in Gestalt eines geheimnisvollen Ninja-Mädchens, haben es schon – wenn auch noch unerkannt! – auf Ampersand abgesehen...! Dazu gibt es bestimmt im nächsten Band mehr!

 

Dieser Band endet damit, dass sich der unerkannte Yorick nach dem Ausgang des Theaterstücks erkundigt. Er bekommt die für ihn niederschmetternde Antwort: „Der letzte Mann rettet die Welt, indem er Selbstmord begeht und die Frauen sich selbst retten lässt.“

 

Mann, diese Geschichte ist wirklich ausgefeilt, wohl durchdacht und total spannend! Um das Zitat der „Washington Post“ von der Rückseite des Buches wiederum zu zitieren: „Amüsant und furchterregend – absolut glaubwürdige Gesellschaftskritik. Note 1+.“ Dem kann man sich echt nur anschließen. Es wird sehr ausführlich erzählt, und man braucht (zumindest für einen Comic!) wirklich echt erfreulich lange, um diesen Band durchzulesen. Er besteht aus insgesamt sieben (wenn ich mich nicht verzählt habe...) Heften der Originalreihe.

 

Aber warum ist jetzt bei Panini dieser Band 3 der Reihe vor den beiden anderen erschienen? Das finde ich persönlich etwas ärgerlich und verwirrend! Aber durch die zum Glück wirklich sehr ausführliche Einführung und die tolle und sehr klar erzählte Geschichte tut das dem Ganzen dennoch keinen wirklichen Abbruch!

 

Die Grafik:

 

Die Farben sind leider meiner Meinung nach eher mau: zu platt und zu grell. Dadurch haben die ansonsten wirklich tollen Zeichnungen von Pia Guerra irgendwie zu wenig Tiefe. Eigentlich schade, wo es doch ansonsten so perfekt ist!

 

Fazit:

 

Diese Comic-Reihe ist wirklich was Besonderes, auch für Leute, die sonst mit Comics noch nicht so viel am Hut hatten. Durch die gründliche und fast romanhafte Erzählweise kann sie durchaus auch mit vergleichbaren Roman aus diesem Genre mithalten – sprich: Man konsumiert die Geschichte nicht mal einfach so nebenbei in der U-Bahn wie beispielsweise einen Manga, sondern muss sich schon Zeit dafür nehmen. Macht dadurch aber auch ungleich mehr Spaß!

 

Eure Meinung:


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Comic:

Ein kleiner Schritt

Reihe: Y: The Last Man (Bd. 3)Autor: Brian K. Vaughan

Zeichnerin: Pia Guerra

Gastzeichner: Paul Chadwick

Verlag: Panini Comics

Einband: broschiert

Seitenzahl: 172 Seiten

ISBN (10): 3-86607-272-4

ISBN (13): 978-3-86607-272-5

EVT: 14.12.2006

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 06.02.2007, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:38