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Einweihung von Vukašin Gajić

Reihe: Experiment Alpha Band 1

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Alex lebt im Lissabon der Zukunft, mit sich selbst und der Welt durchaus zufrieden, auch wenn ihm mitten im Duschen die tägliche Wassersperre unterbricht, doch fix wird Wasser aus der Klimaanlage umgeleitet - aber da ist auch schon Besuch zugegen. Bajdo, Petro und Ana sind alte Kumpel von Alex und das Wiedersehen wird gefeiert, egal ob im fernen Amerika Terroristen mit einem Anschlag auf ein Forschungsprojekt einen Staatsstreich auslösen.

Doch ganz so fern ist das alles nicht für Alex. Bald schon gerät er nicht nur in erstaunliche Dinge, sondern auch hinter die Welt.

 

Die Idee von der maskierten Wirklichkeit ist nicht neu, das ganz spezielle an Vukašin Gajić SF-Comic ist die Verbindung von Konsum- und Kommunikationskritik mit einer fesselnden Zukunftsvision deren Schauplatz einmal nicht aus der Retorte zu kommen scheint, sondern mit Lissabon unerwartet exotisch wirkt. Doch keine Angst. Die Zukunft sieht auch bei Gajić ganz normal aus. Technik, Glas und Beton bestimmen auch hier den Hintergrund. Anstelle von portugiesischen Schildern und Namen, treten englische und nur der Besuch der untergegangenen, alten City weist zurück in eine Vergangenheit, die nun Geschichte ist.

Rebellion und Aufruhr fehlen jedoch nicht und es sind Konsumverweigerer, die sich ihre eigene Nische zum Leben und Protestieren suchen, vielleicht anarchistisch, vielleicht einfach nur Punks - die freie Gesellschaft gebiert eben alles, auch ihre Gegner.

Die heile Welt des Wohlstands verbirgt hinter Werbung und Multimedia, hinter all dem grenzenlosen Selbstverwirklichungskram, die große Lüge.

Bajdo, Petro und Ana zeigen Alex letztendlich, was dahinter steckt, wie die Welt wirklich aussieht. Wer wen manipuliert und wie lange die Kontrolle schon anhält.

Und dass diese Kontrolle wackelt.

 

Farbe und Bewegung sind die großen Themen in Gajićs Zeichnungen. Meist verwendet er enge Farbpaletten, hält die Bilder Ton in Ton, gedeckt, zumeist düster melancholisch oder modern treibend, Menschen und vor allem Gesichter im Mittelpunkt. Die Figuren sind deutlich akzentuiert, unterscheiden sich in vielen speziellen Dingen und wirken nie fremd in ihrer Umgebung. Dazu trägt auch eine wunderbare Eleganz der Bewegungen bei, die sich auch in den Fahrzeugen fortsetzt und ein sehr rundes Erlebnis von Schnelligkeit und Aktion entstehen lässt.

Selten drängen sich Einzelheiten in den Vordergrund, meist bleibt der Hintergrund statisch und leer, was die Figuren verloren sein lässt. Die Sterilität ist aber nur scheinbar, denn all die leeren Flächen sind ja, so erfahren wir am Ende, in Wirklichkeit gar nicht leer.

Selbst in blutige Szene legt Gajićs eine ästhetisierende Choreographie, aus Blutstropfen werden Schmuckstücke, die wie Perlen den Raum mit Farbe und Pracht verzieren. Theatralische Slow-Motion in Momentaufnahmen, wie sie Matrix prägten, nun aber auf Papier gebannt.

 

Fazit:

Splitter bringt mit Experiment Alpha eine ungewöhnliche Comic-Serie heraus, dessen Style sich von anderen Serien des Verlages abhebt und die kreative Suche nach Werken verdeutlicht, die nicht mit dem Hauptstrom schwimmen oder vielleicht sogar stilbildend werden könnten.

Darüber hinaus ist Experiment Alpha eine graphisch sehr gut erzählte SF-Geschichte, die an große Cyber-Punk Werke denken lässt.

Eure Meinung:


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Comic:

Einweihung

Autor und Zeichner: Vukašin Gajić

Reihe: Experiment Alpha Band 1

Original: Le monde alpha: Initiation, 2006

Übersetzerin: Tanja Krämling

Splitter, 2007

ISBN-10: 3939823406

ISBN-13: 978-3939823407

Erhältlich bei Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.11.2007, zuletzt aktualisiert: 07.05.2019 18:16