Elfenwinter (Autor: Bernhard Hennen; Die Elfen 2)
 
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Elfenwinter von Bernhard Hennen

Reihe: Die Elfen Band 2

 

Rezension von Holger Hennig

 

Seit „Die Orks“ gibt es eine Mode, der sich die Verlage nicht so richtig entziehen können. Dicke Taschenbücher werden noch ein bisschen dicker und größer und teurer gemacht und bekommen dann leicht verallgemeinernde Titel, die so klingen, wie: „Die Einhörner“ oder „Die Heinzelmännchen“ Einen großen Teil dieser Bücher darf man getrost vergessen, doch eines ragte vor einem guten Jahr als ein wirkliches Meisterwerk heraus: „Die Elfen“ Bernhard Hennen bewies, dass es in Deutschland Fantasy jenseits des Hohlbeins gibt, und ganz nebenbei überzeugte er auch mehr, als es Hohlbein je konnte. „Die Elfen“ war ein clever gemachtes Buch über zwei Elfen, Farodin und Nuramon, und ihren menschlichen Freund Mandred, den Jarl von Firnstayn, der aufgrund von immer wieder irre gehenden Albenpfaden durch die Zeit katapultiert wird und so quasi genauso alt wird, wie die unsterblichen Elfen. Ein abgeschlossener Roman mit einem zwar traurigen, aber grandiosen Ende, war „Die Elfen“ auch. Also durfte man gespannt sein, als jetzt der zweite Band – „Elfenwinter“ - herauskam, der auch nicht nach dem ersten spielt, sondern etwa da ansetzt, wo der erste Band ein knappes Viertel seiner Länge hinter sich hat und mal wieder in einen seiner Zeitsprünge übergeht.

 

Emerelle, Königin der Elfen, sieht Chaos auf ihr Reich zukommen, macht aber nicht wirklich etwas dagegen. Ihr Schwertmeister Ollowain beschützt sie mit Intelligenz und hoher Schwertkunst vor einem Angriff der Trolle, von dem alle überzeugt waren, dass er nie erfolgen würde. Mithilfe von ein paar Kentauren, der eventuell verräterischen Zauberin Lyndwyn, eines wasserliebenden Holden und der Waldelfe Silwyna – ja, dieser Name ist so einfallslos, wie man sie nur selten hört – können sie fliehen, die schwerverletzte Königin aus der Albenmark herausbringen und so kommen sie nach Firnstayn, wo Mandreds Sohn Alfadas als Jarl herrscht.

 

Der nimmt sie auch gleich als Gäste auf, ist er doch selbst in der Albenmark aufgewachsen, hat ihm doch Ollowain das Schwerthandwerk so gut beigebracht, dass er besser ist, als alle Menschen, die bekannt sind, vielleicht mit Ausnahme seines schon legendären Vaters Mandred, der aber gerade nicht da ist, und sicherlich erst in einigen Jahrzehnten jung wie immer wieder auftauchen wird – das war ja quasi der Running Gag bei „Die Elfen“.

 

König Horsa schickt Alfadasa als Herzog, also als Heerführer mit tausend Mann in die Albenmark, um den Elfen gegen die Trolle beizustehen. Aber wir schauen auch auf die Seite der Trolle. Orgrim, Rudelführer der Trollarmee, hat zwar beim ersten Angriff sein Schiff versenkt, ist aber der Oberschamanin Skanga positiv aufgefallen und sie macht seine vorläufige Degradierung auch gleich wieder rückgängig, holt ihn auf ihr persönliches Schiff und betraut ihn mit Extraaufgaben. Dank seines Scharfsinns könnten die brutalen riesigen Trolle den Krieg vielleicht gewinnen, doch Ollowain und Alfadas werden eine Menge tun, um genau das zu verhindern.

 

Auf 881 Seiten hat Bernhard Hennen diesen zweiten Roman ausgebreitet – wenn Heyne es gewollt hätte, hätten sechshundert vermutlich auch gereicht, aber dickere Bücher kann man ja auch für mehr Geld verkaufen, auf jeden Fall ist die Lesegeschwindigkeit sehr hoch, Schrift und Durchsatz sind groß, die Seitenränder breit. Der Einstieg fällt nicht leicht, etwa hundert Seiten braucht man, um wirklich in dem Buch drin zu sein, aber obwohl man nach der Lektüre des Vorgängers doch einiges über die Handlung des „Elfenwinters“ weiß, kommt eine große Spannung auf, kommt auch die vom Vorgänger bekannte Sucht auf, mehr zu erfahren, wird das Buch wiederum zu einem Leseerlebnis. Daran beteiligt sind wirklich interessante Charaktere mit Höhen und Tiefen, mit Schwächen und Stärken, der Umstand, dass auch auf der Trollseite sympathische Kerlchen herumlaufen – und natürlich auch bei Elfen und Menschen das eine oder andere fiese Individuum, und dazu noch eine wirklich eindrucksvoll einfallsreiche Handlung, die immer wieder mit Wendungen brilliert, die so nicht wirklich vorhersehbar waren. Von den Zeitsprüngen des ersten Bandes bleibt nichts mehr übrig, „Elfenwinter“ ist deshalb auch ein ganzes Stück weniger originell, aber auch diese klassischere Fantasy ist von großer Qualität und hat großen Charme. Allerdings helfen die Vorkenntnisse aus dem ersten Roman, auch wenn dieser zweite ebenso abgeschlossen ist. Für die Fans des ersten ein Muss, für alle anderen mehr als nur ein Kann.

Ältere Kommentare:

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024052504264762928c1e
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Buch:

Elfenwinter

Reihe: Die Elfen Band 2

Autor: Bernhard Hennen

Taschenbuch, 900 Seiten

Heyne, Januar 2006

 

ISBN-10: 3453521374

ISBN-13: 978-3453521377

 

Erhältlich bei Amazon

 

Kindle-ASIN: B005Q27MDA

 

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 20.01.2006, zuletzt aktualisiert: 15.04.2024 08:05, 1793