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Elfquest – Abenteuer in der Elfenwelt (Band 4)

Rezension von Christel Scheja

 

Mit dem vierten Band schließt Tokyopop unter seinem Label Popcom die Neuausgabe von „Elfquest – Abenteuer in der Elfenwelt“ erst einmal ab, da auch in den USA kein weiteres Material mehr vorliegt, weil die Pinis noch nicht wissen, mit was sie weiter machen sollen und eine entsprechende Umfrage gestartet haben. Enthalten sind in diesem Band diesmal die neun Hefte der Reihe „Die Könige des zerbrochenen Rades“, die auch schon bei Bastei und Carlsen im farbigen Albenformat erschienen.

 

Nachdem die hochfliegenden Pläne von Winnowill in einem Desaster endeten und nicht nur den Blauen Berg in einem Trümmerhaufen verwandelten, sondern auch dafür sorgten, dass alle Gleiter ihr Leben verloren, ist Rajek in Begleitung von Reinwasser und Baumstumpf auf dem Weg zurück zum Palast der Hohen, während Schnitter und sein Stamm glauben, nun endlich den Frieden genießen zu können, auch wenn sie sich sicher sein können, dass die „Schwarze Schlange“ noch lebt.

Nun scheint ein anderer große Pläne zu haben, denn Rajek erkennt nicht nur sein Potential, sondern auch das des Palastes. Als neuer Herr und Meister bringt er das uralte Bauwerk zum Fliegen und verbindet damit die Elfenstämme auf eine nie dagewesene Weise.

Doch dann empfängt der feinfühlige Sonnenstrahl einen verzweifelten Ruf voller Angst und Qual, der Rajek zu einer folgenschweren Entscheidung veranlasst, die gerade das Leben von Schnitter und seinen Wolfsreitern ein weiteres Mal erschüttern wird.

 

„Die Könige des zerbrochenen Rades“ war auf lange Sicht die einzige Serie, an der Wendy und Richard Pini alleine arbeiteten, auch wenn hier schon die Tuschezeichnungen von einem neuen Künstler ausgeführt wurden. Die Saga schließt direkt an die vorhergehende Geschichte um den Kampf um den blauen Berg an, so dass man diese auch kennen sollte, um einige der Handlungsstränge zu verstehen.

Wieder einmal verbinden die Pinis Ideenreichtum mit dem bereits bestehenden Hintergrund, auch wenn die Geschichte nicht ganz so zünden will, wie die erste Quest. Das mag daran liegen, dass es nichts Neues zu entdecken gibt, sondern mehr oder weniger alte Schauplätze und Orte aufgesucht werden, abgesehen von den Ereignissen, die die letzten Bände prägen werden.

Wie immer steht die Sterblichkeit und Erdverbundenheit der Wolfsreiter im Mittelpunkt der Geschichte. Familien wachsen, aber auch Tod und Verlust sind zu beklagen. Zum großen Gegenspieler entwickelt sich diesmal Rajek, der in seinem Ehrgeiz den Weg geht, auf dem den Winnowill bereits tief gefallen ist.

Die Handlung ist durchaus spannend konzipiert, wirkt stellenweise aber auch etwas unentschlossen, weil die Künstler immer wieder zu sehr in Details und Nebenhandlungen abschweifen, die lange keinen Sinn zu machen scheinen, auch wenn sie persönliche Schicksale weiter spinnen. Das macht die neunteilige Saga zu der schwächsten der frühen Geschichten, auch wenn das Niveau immer noch weit über dem vieler anderen Serien aus dem Fantasybereich liegt, gerade weil die Pinis auch immer wieder sehr persönliche und alltägliche Begebenheiten mit einfließen lassen und damit den Figuren weitaus mehr Profil geben, als man es in Comics gewohnt ist. Schnitter und Co. bleiben vielschichtige Charaktere mit Stärken und Schwächen, die die besondere Dynamik der Serie bestimmen.

 

Daher lohnt es sich auch noch, sich den vierten und letzten Band der Neuauflage von „Elfquest – Abenteuer in der Elfenwelt“ zuzuliegen, schließt die Geschichte um „Die Könige des zerbrochenen Rades“ doch den ersten großen Handlungsstrang ab und gibt Ausblick auf neue Abenteuer. Und wie immer wissen auch die reinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu überzeugen.

 

Allerdings ist sich der junge Häuptling bewusst dass der Frieden nicht für immer dauern kann. Das zeigt sich, als das jüngste Stammesmitglied – Tauglanz' Sohn ausgerechnet von Aroree entführt wird, die zuvor noch von Veränderungen im Blauen Berg erzählt hat, einen Wandel unter den Gleitern, der nichts Gutes verheißt.

So ist klar, dass sich der Stamm erneut mit der Winnowill und ihren dunklen Plänen auseinander setzen muss. Als ein Teil der Gruppe auszieht, um das Kind zurückzuholen und die Unterstützung von Nonna und Adar sucht, setzen sich auch an anderen Orte düstere Geheimnisse in Gang die nicht absehbare Folgen für die Elfen haben werden.

 

Wendy Pini mag es vielleicht anfangs nicht so geplant haben, aber im Nachhinein erweist sich, dass es eine gute Idee war, Winnowill am Leben zu lassen und sie nun zur neuen großen Antagonistin der Serie zu machen. Doch zuvor erfahren die Leser erst einmal, wie es ihren Helden weiter ergangen ist. Etwas mehr als zwei Jahre sind vergangen, die auch ihre Spuren hinterlassen haben – wenn auch in Kindern, die später noch eine besondere Bedeutung erlangen werden, wenn auch nicht in dieser Geschichte.

Die Ereignisse werden logisch weiter gesponnen und bauen auf dem, was man bereits kennt auf. Etwas ist im Blauen Berg im Busch, dies merken Schnitter und seine Freunde bereits, als sie die Zuflucht der Gleiter betreten, Zudem setzen sich auch andere Figuren in Gang, die später entscheidende Rollen spielen werden.

Es geht letztendlich nicht nur um die Rettung eines Kindes und Stammesmitglieds, sondern am Ende um viel, viel mehr. Und das wird in einer sehr lebendigen Geschichte erzählt, die so vielen Figuren wie möglich Raum gibt, sich weiter zu entwickeln. Dabei setzt die Künstler auch auf Alltäglichkeiten und nicht nur dramatische und Weltbewegende Ereignisse. Und letztendlich ist dies nur der Auftakt, das kleine Abenteuer, bevor es für alle richtig los geht.

Vor allem diejenigen, die stark in ihrer jeweiligen Magie sind, werden auf harte Proben gestellt. Aber auch die Wolfsreiter müssen lernen, dass nicht alle Menschen Feinde sind und es manchmal wichtig ist, einander die Hand in Freundschaft zu reichen.

Die Geschichte lebt von den vielseitigen Themen, die die Pinis auch in dieser Miniserie ansprechen. Zwar ist manches vorhersehbar, aber die sympathischen, vielschichtigen Figuren machen vieles wieder wett, so dass der Lesespaß gewahrt bleibt.

Die Extras bestehen aus den Titelbildern der Originalausgabe und erstmals auch Zeichnungen, die bekannte deutsche Zeichner als Hommage an die Saga gestaltet habe.

 

Alles in allen lohnt es sich auch diesmal einen Blick in die Neuauflage von „Elfquest“ zu werfen. Die Serie präsentiert sich auch diesmal wieder in der ursprünglichen Form – so wie sie erstmals erschien und erlaubt dem deutschen Fan, die Zeichnungen erstmals ohne die Kolorierung zu genießen.

 

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Eure Meinung:

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Comic:

Elfquest – Abenteuer in der Elfenwelt (Band 4)

Autor: Wendy und Richard Pini

Zeichnungen: Wendy Pini

The Complete Elfquest, Vol. 2, Teil 2, USA, 2014

Aus dem Englischen von Andreas C. Knigge

gebunden, 324 Seiten

Popcom (Tokyopop), Hamburg, erschienen Dezember 2015

ISBN-10: 3842011830

ISBN-13: 978-3842011830

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 31.12.2015, zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 18:26