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Elfquest – Das letzte Abenteuer (Band 1)

Rezension von Christel Scheja

 

„Elfquest“ ist das Lebenswerk von Wendy Pini und ihrem Mann Richard. Um es nicht unvollendet zu lassen, hat sich die Künstlerin dazu entschieden, der Saga ein Abschlusskapitel zu schenken. Über 4 Jahre und 25 Hefte, will sie die „Final Quest“ erzählen, um damit selbst Abschied von Schnitter, Himmelweis und Co. zu nehmen und dieses Kapitel ihres Lebens abzuschließen. In den USA sind mittlerweile 12 Hefte erschienen. Popcom bringt nun wie der amerikanische Verlag Dark Horse das einführende Sonderheft und die ersten sechs Hefte in einem Sammelband heraus, hierzulande sogar gebunden.

 

Nach all ihren Abenteuern genießen die Elfen eine Zeit des Friedens und erleben gleich zweimal die Freude des Lebens mit. Denn nicht nur Shuna bringt ihren Sohn Shukopek zur Welt und macht Leetah und Schnitter so zu Großeltern, auch im Meer bei den Wellentänzern ist die Geburt von Lichtstrahls (ehemals Sonnenstrahl) Tochter Korafay nahe.

Doch sprichwörtlich mit einem Blitzstrahl endet die glückliche Zeit und bringt einige Stammesmitglieder zum Nachdenken. Ist ihre Lebensweise, geprägt von Kampf und Jagd, die sie bisher für die Richtige gehalten haben, wirklich der wahre „Weg“? Liegt ihre Zukunft nicht eher im „Palast der Hohen“, dem Vermächtnis ihrer Ahnen, in dem sie absolut sicher zu sein scheinen? Ausgerechnet Mondschatten trifft eine Entscheidung mit der niemand gerechnet hat, am wenigsten ihr Lebensgefährte Langbogen.

Derweil spitzt sich auch die Lage im anderen Land zu, denn Angrif Djun, der Sohn des Mannes, mit dem Winnowill einst einen verhängnisvollen Pakt einging, lässt nicht nur seinen Eroberungsgelüsten freien Lauf, er hat auch die Elfen nicht vergessen und setzt zu einem brutalen Schlag gegen den Wald an, in dem Fünkchen und ihre Gefolgsleute seit langem Leben. Das setzt eine Kette dramatischer Ereignisse in Gang, in denen Tod und Leben nahe beieinander liegen und manch ein Geheimnis offen gelegt wird, das bisher jedem verborgen war.

 

Wendy Pini hat sich eine Menge vorgenommen und versucht nicht nur die Lebensgeschichte ihrer Hauptfiguren weiter zu führen, sondern auch vielen anderen Charakteren Momente zu geben, in denen sie glänzen können – so wie sie es schon immer gehalten hat.

Deutsche Leser werden merken, dass sie sich dabei auch auf Ereignisse bezieht, die ihnen vorenthalten wurden, aber diese Lücken stopft Hartmut Klotzbüchler angemessen mit seinem Artikel „Was bisher geschah … oder lang leben die Elfen“, in dem er nicht nur die bisherigen Ereignisse zusammenfasst, sondern auch erklärt, was davon in Deutschland erschienen ist, und was nicht, um so Verständnisprobleme aufzulösen, auch wenn es sich vielleicht nur um Details wie dem Namen Sonnenstrahls (Suntop), der jetzt Lichtstrahl (Sunstream) heißt und die Wellentänzerin „Brill“ erkannt hat, handelt.

Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit, um die Figuren wieder in die Erinnerung der Leser zurückzurufen, ehe es langsam aber sicher mit dem richtigen Abenteuer los geht. Während Schnitter und sein Stamm weiterhin den Frieden genießen können, sieht es bei Fünkchen und Co. schon bald ganz anders aus. Denn ein alter Feind ist fest entschlossen, sie zu vernichten und geht dabei so gnadenlos und brutal wie einst sein Vater vor.

Die Geschichte ist nicht allein auf die reine Action fokussiert – immer wieder blendet sie um und gibt Figuren Zeit, sich weiter zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen und Geheimnisse zu enthüllen, die wichtig für die Handlung werden.

Dabei spart die Künstlerin nicht mit Überraschungen, die auch langjährige Kenner der Serie nicht vermutet haben dürften, wenn man sich etwa Mondschatten anschaut, die bisher als eine der hartnäckigsten Vertreterinnen des „Weges“ aufgetreten war.

Diese Vielschichtigkeit gibt der Erzählungen einiges an Tiefe, die man in vielen anderen Comics nicht findet. Aber hier wird auch die Tradition der Pinis gewahrt, die Handlung immer den Figuren unterzuordnen und niemals umgekehrt.

Die detailreichen Zeichnungen von Wendy Pini, ergänzt durch die schöne Farbgebung von Sonny Strait, laden zum Verweilen und Genießen ein. Auch in den dynamischen Szenen gibt es einiges zu entdecken, manches davon entdeckt man erst durch genaueres Hinsehen.

Noch einmal erinnert Wendy Pini so daran, was ihre Saga zu einem Klassiker gemacht hat, und warum ganze Generationen das Fantasy-Abenteuer in guter Erinnerung behalten werden – denn sie beweist einmal wieder, dass eine Geschichte immer dann unvergessen bleibt, wenn Charakterentwicklung und Spannung Hand in Hand gehen, wenn es nicht um eine epische Weltenrettung geht, sondern das ganz persönliche Schicksal von Figuren, die einem schnell ans Herz gewachsen sind, verbunden durch einen Hintergrund, der komplexer und ausgearbeiteter ist, als man zunächst denkt.

 

„Elfquest – Das letzte Abenteuer“ ist auf dem besten Wege ein Klassiker zu werden und die Saga der Elfen angemessen abzuschließen. Nicht nur Fans werden ihre helle Freude an der Geschichte haben, auch diejenigen, die vielschichtige und anspruchsvolle Geschichten, verbunden mit hochklassigen Artwork zu schätzen wissen.

 

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Eure Meinung:

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Comic:

Elfquest – Das letzte Abenteuer (Band 1)

Autor: Wendy und Richard Pini

Zeichnungen: Wendy Pini

Farben: Sonny Strait

Elfquest-Final Quest, Vol. 1, USA, 2014

Aus dem Englischen von Andreas C. Knigge

gebunden, 200 Seiten

Popcom (Tokyopop), Hamburg, erschienen November 2015

ISBN-10: 3842011849

ISBN-13: 978-3842011847

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 25.11.2015, zuletzt aktualisiert: 17.11.2019 13:35