Engel am Abgrund (Autor: Jean-Pascal Ansermoz)
 
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Engel am Abgrund von Jean-Pascal Ansermoz

Rezension von Björn Backes

 

Story:

Zwanzig Jahre sind ins Land gezogen, seit die Schatten verdrängt wurden und das Grauen und der Tod ein Ende fanden. Endlich schien die Zeit für Hoffnung gekommen, Zeit für Regeneration und Zuversicht. Doch ein neuer Sturm kündet von Schatten und Finsternis, und zum zweiten Mal befällt eine außergewöhnliche Bedrohung das Land. Auch Abaddon, ein junger Krieger mit speziellen Fähigkeiten, spürt die Veränderungen, als er durch seine Heimat zieht. Doch erst als er sich einem ungleichen Gefecht ausgesetzt sieht, wird ihm bewusst, dass die Zeit des Friedens vorbei ist. Währenddessen reist auch Illiana zurück in den Ort, in dem sie einst gewohnt hat. Und auch sie spürt, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Eine eigenartige Stimmung macht sich breit, und als Illiana endlich begreift, was sich zusammenbraut, ist es beinahe schon zu spät…

 

 

Rezension:

Ein mysteriöses Cover, ein viel versprechender Titel und eine ziemlich düstere Atmosphäre: „Engel am Abgrund“ bringt nahezu perfekte Voraussetzungen für einen sehr vielschichtigen Roman mit – und dennoch folgt der rahmendlichen Euphorie alsbald die Ernüchterung. Denn was Jean-Pascal Ansermoz in den ersten Kapiteln des Debüts seiner neuen Fantasy-Serie bietet, ist Phantastik von der Stange, größtenteils sogar plump geschrieben und über weite Strecken uninspiriert und in der Wirkung nur zitiert und kopiert. Die beschriebenen Stimmungen, die Art und Weise, wie der Autor Szenen und Situation mit künstlicher Dramaturgie aufbauscht, und zuletzt auch die relativ ideenlosen Story-Breaks bescheren „Engel am Abgrund“ einen sehr, sehr bescheidenen Einstieg, dem letzten Endes alles gelingt – aber bestimmt nicht, das Interesse des Lesers an sich zu reißen. Hinzu kommen die ziemlich erzwungenen Charakterzeichnungen, denen es völlig an Individualität mangelt, und an die man sich ebenso wenig klammern kann. Die Rollenverteilung wird durch viele hektische Sprünge erst später einigermaßen ersichtlich, und alles was Ansermoz dem Leser hinterlässt, ist eine Mischung aus chaotischem Aufbau, unschlüssigen Wechseln und langweiliger Story.

 

Wie es dem Autor dann aber doch noch gelingt, das Ruder herumzureißen und die Geschichte auf den rechten Weg zu bugsieren, lässt sich am Ende kaum erklären. Völlig unerwartet bauen sich die Mysterien um die drei Hauptcharaktere zu einem spannenden Konstrukt auf, das zudem noch ziemlich schön ineinander verwoben ist und im Schlussabschnitt doch noch auf ein zufrieden stellendes, mitunter sogar überzeugendes Zwischenfinale zusteuert. Was ist also geschehen? Nun, das Setting wird zunächst ein bisschen klarer aufgearbeitet. Zwar bleiben viele Ereignisse und Orte namenlos, aber man bekommt zumindest eine grobe Vorstellung davon, was der düsteren Grundstimmung vorausgegangen ist und was sich in etwa hinter den einzelnen Personen und ihrer jeweiligen Berufung verbirgt. Was aber nach wie vor fehlt, ist ein Funke Lebendigkeit. Die Interaktion zwischen den Figuren ist spärlich, die Dialoge bewusst kurz gehalten. Der Versuch, hierdurch weitere Mysterien zu kreieren, schlägt jedoch leider fehl, da der Informationsfluss in „Engel am Abgrund“ einfach viel zu unbefriedigend ist – und das ist insgesamt betrachtet vielleicht auch das größte Problem.

 

Letzten Endes ist der relativ kurze Roman einfach mit viel zu vielen kleinen bis mitteschweren Krankheiten versehen, die den Lesefluss anfänglich hemmen und das erzwungene Vergnügen nicht erwirken können. Dass es am Ende doch noch halbwegs fruchtet, ist zwar eine positive Überraschung, die das Buch aber definitiv nicht in die Riege der empfehlenswerten Publikationen der modernen Fantasy zu hieven vermag. Davon abgesehen scheint auch der Preis von 15,90€ bei weniger als 200 Seiten und in broschierter Form problematisch zu werden. Bei der derzeitigen Auswahl in diesem Bereich sollte es Ansermoz jedenfalls arg schwer fallen, sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen. Dafür fehlen ihm schlichtweg die überzeugenden Argumente!

 

 

Fazit:

“Engel am Abgrund“ ist ein relativ schwacher Auftakt einer neuen Fantasy-Serie, mausert sich zwar im Laufe der Geschichte, lässt sich aber von viel zu vielen stilistischen und schematischen Fehlern wieder runterziehen. In Addition mit der anfangs ziemlich schwach ausgearbeiteten Story ergibt sich somit leider ein klassischer Fehlstart!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240615152140e50da57d
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MEDIUM:

Engel am Abgrund

von Jean P Ansermoz

Taschenbuch: 173 Seiten

Verlag: NOEL-Verlag (1. August 2009)

ISBN-10: 3940209236

ISBN-13: 978-3940209238

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 02.10.2009, zuletzt aktualisiert: 15.04.2024 08:05, 9289