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Fabula von Christoph Marzi

Rezension von Christel Scheja

 

Zu den neuen Stars der deutschen Szene gehört auch Christoph Marzi, der mit seinen Romanen, die sich keinem Genre direkt zuordnen lassen, einen ganz anderen Weg ging als viele seiner Kollegen, die High-Fantasy im Stile Tolkiens verfassten.

Bereits seine Trilogie um die „Uralte Metropole“ spielte nicht in einer fremden Welt, sondern auf der Erde - wenn auch in einem Diesseits, in dem Mythen und Legenden der Menschheit lebendige Realität sind und waren. Und dieser rote Faden setzt sich auch in seinem neusten Roman „Fabula“ fort.

 

Der junge Wirtschaftsprofessor Colin Darcy glaubt, endlich seine Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben, in der es nicht immer mit rechten Dingen zuging. Seit Jahren schon lebt er in London und doziert über handfeste Dinge - bis zu dem Moment, in dem ein guter Freund unter hächst seltsamen Umständen stirbt, und ihn die Nachricht erreicht, dass sowohl seine Mutter als auch dein jüngerer Bruder Danny verschwunden seien.

Obwohl er zu den beiden schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, beschließt er nach Schottland zu gehen und dort nach dem Rechten zu sehen. Er weiß, das etwas geschehen sein muss, dessen Wurzeln in seiner Vergangenheit liegen. Und richtig: Die Berichte der Polizei und der Zeugen beweisen seinen Verdacht.

Die Kräfte, die seine Kindheit und Jugend - aber auch Ravenscraigh, das Domizil der Familie - beherrscht haben, sind zurück. Sie haben sich zuerst seine Mutter Helen gehört, und dann offensichtlich auch Danny, der extra aus Amerika zurückgekehrt ist.

Nur in Begleitung von Livia, dem „Friedhofsmädchen“, macht er sich daran, das Rätsel um die Verschwundenen zu lösen und stösst dabei nicht nur auf höchst seltsame Personen sondern auch auf Geheimnisse aus der Vergangenheit seiner Eltern und Familie, die sein eigenes über Jahre mühsam errichtetes Weltbild erschüttern werden.

 

Christoph Marzi bleibt seinem Stil und den Themen, über die er so gerne schreibt, treu. Ganz in der Tradition der viktorianischen Geschichtenerzähler entführt er in schaurige alte Gemäuer, die Geschichte atmen und ebenso viel zu erzählen wissen, wie die in ihm lebenden Menschen. Er enthüllt Geheimnisse aus der tiefsten Vergangenheit, deren Wurzeln in Märchen und Sagen verborgen liegen.

Dabei entspinnt er eine unheimliche und melancholische gotische Atmosphäre, wie man sie aus vielen Romanen des 19. Jahrhunderts kennt. Dadurch wirken auch Figuren und Umfeld auf eine ungewöhnliche Weise lebendig und doch wieder fremd.

Das Zusammenspiel zwischen dem fast lyrischen Stil und den verschrobenen Inhalten erschafft auch die Spannung im Roman, denn Marzi kommt weitestgehend ohne Action und Gewalt aus.

Die nach und nach aufgebauten Konflikte löst er lieber auf andere Art und Weise. Er zitiert dabei nicht nur aus Märchen und Legenden, sondern auch unzähligen Filmen, die die Generation zwischen dreißig und fünfzig noch im Fernsehen gesehen haben wird. Mehrfach erinnert er an Hitchcock-Klassiker wie „Die Vögel“ oder „North by Northwest“ oder an alte Western.

 

Heraus kommt ein sehr ruhiges Buch, das mehr der klassischen Phantastik als der modernen Fantasy zugeneigt ist. Es wendet sich auch an eine etwas ältere Leserschaft, denn nur wenn man in den 1980ger und 1990ger Jahren noch aktiv ferngesehen und die alten Filmklassiker nicht abgelehnt hat ist, wird man viele Zitate und Hinweise wiedererkennen.

 

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Fabula

Autor: Christoph Marzi

Heyne, 2007

broschiert, 478 Seiten

# ISBN-10: 345352327X

# ISBN-13: 978-3453523272

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.12.2007, zuletzt aktualisiert: 10.02.2020 18:41