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Fahrenheit 451 von Ray Bradbury und Tim Hamilton

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Montag arbeitet als Feuerwehrmann. Doch seine Aufgabe ist nicht das Löschen von Bränden. Das totalitäre System in dem er lebt, verlangt vielmehr das Aufspüren und Verbrennen von Büchern. Anfangs ist der Feuerwehrmann mit dieser Aufgabe zufrieden. Als er aber auf ein Mädchen trifft, das ihn fragt, ob er denn glücklich sei erschüttert diese einfache Frage seine Welt. Er beginnt heimlich Bücher vor den Flammen zu retten, liest sie und ermutigt seine Frau sich der allgegenwärtigen Berieselung durch das Fernsehen zu entziehen. Schon bald wird Montag zum Gejagtem.

 

Die Graphic Novel "Fahrenheit 451" ist anlässlich des 90. Geburtstages von Ray Bradbury, dem Autor der Buchvorlage, erschienen. Sein Oeuvre ist äußerst vielfältig; die größten Erfolge verbuchte er aber im Genre Science Fiction, zu dem auch diese Dystopie gerechnet werden kann. Das Buch erschien zwar bereits 1954, doch erst ein halbes Jahrhundert später wurde seinem Schöpfer dafür der renommierte Hugo Award verliehen. Vor drei Jahren erhielt er zudem den Pulitzer Preis für sein Lebenswerk. Auch schon halb so alt wie Bradbury ist die sehr gelungene Verfilmung des Romans durch François Truffaut.

 

Hat also der US-amerikanische Zeichner Tim Hamilton, der bereits für DC Comics und Dark Horse Comics aber auch für die New York Times gearbeitet hat, versucht einem verstaubten Science-Fiction-Roman durch seine Bilder Leben einzuhauchen? Mitnichten. Große Literatur zeichnet eine gewisse Zeitlosigkeit aus und das trifft fraglos auch auf "Fahrenheit 451" zu, dessen Thematik überaus aktuell ist. Man kann Bradbury, der selbst ein großer Comicfan ist, lediglich vorwerfen, dass er den Gegensatz von Büchern auf der einen und dem Fernsehen auf der anderen Seite zu scharf gezogen hat. Schließlich kommt es nicht auf das Medium, sondern vielmehr auf den Inhalt an. Trotzdem bleibt "Fahrenheit 451" ein hervorragendes, teilweise beinahe hellsichtiges Werk, (s)ein Meisterwerk.

 

An den besten Stellen der Graphic Novel gelingt es Tim Hamilton die Handlung des Romans durch wuchtige, manchmal sehr expressive Bilder zu unterstreichen. Dazu gehört etwa das Bild der brennenden Bücherliebhaberin, das auch zu Recht auf dem Titelbild abgedruckt ist. Sehr ansprechend baut Hamilton grafisch auch immer wieder den Gegensatz der Elemente Feuer und Wasser auf. So zeigt er am Anfang, wie das durch Montag gelegte Feuer Bücher verzehrt, zeichnet aber danach den duschenden Feuerwehrmann. Dass Montag sich endgültig vom totalitären Staat abwendet, vermag Hamilton ganz ohne Worte zu verdeutlichen. Dazu lässt er den Feuerwehrmann einfach sinnierend durch den strömenden Regen laufen und ihn schließlich mit geschlossenen Augen und weit geöffnetem Mund die Regentropfen trinken. Großartig.

 

Tim Hamiltons Bilder wirken häufig recht düster und erinnern - gerade wegen ihrer Expressivität und dem Spiel mit Licht und Schatten - an den Film noir. Farben werden nur sparsam eingesetzt und dienen mehr zum Aufbau der Atmosphäre als zur realistischen Darstellung. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein. Diese Technik lässt einige Zeichnungen aber erst wirklich eindrucksvoll werden. Man wünscht sich manchmal lediglich, dass der US-Amerikaner die Mimik seiner Figuren stärker zum Ausdruck bringen würde.

 

Als Bonus erhält die Graphic Novel ein kurzes, aber amüsantes Vorwort von Ray Bradbury, in dem dieser vor allem auf die Entstehungsgeschichte seines Romans eingeht.

 

Fazit:

"Fahrenheit 451" ist eine großartige, ausdrucksstark bebilderte Graphic-Novel-Adaption eines hervorragenden und trotz seines Alters sehr aktuellen Buches.

 

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Graphic Novel

Fahrenheit 451

Autor: Ray Bradbury

Zeichner: Tim Hamilton

Verlag: Eichborn

Erscheinungsdatum: 26.01.2010

Art: gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 157 Seiten

ISBN-10: 3821861061

ISBN-13: 978-3821861067

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 26.02.2010, zuletzt aktualisiert: 07.05.2019 18:16