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Fairy Quest 1: Gesetzlose

Rezension von Christel Scheja

 

Das „Popcom“-Label soll das Angebot des Tokyopop-Verlages erweitern. Dabei konzentriert man sich bewusst auf Titel, die sich nicht nur an Jugendliche und Erwachsene wenden, sondern auch an Kinder ab acht, neun Jahren, deren Interesse an längeren Comics erwacht ist. „Fairy Quest“ stammt aus Amerika und erinnert ein wenig an die „Oz“ Serie von Eric-Shanover und Co. in der auch Märchen und Kinderbuchklassiker einander berührt haben. Mit „Gesetzlose“ startet die Reihe.

 

Seit die Bewohner denken können, regiert Herr Grimm mit harter Hand das Märchenland. Aller Schicksal und Rolle ist vorherbestimmt, wer auch nur einen Funken von Rebellion gegen seine Gesetze zeigt, wird quasi ausgelöscht, im Gedankenradierer einer Reinigung des Geistes unterzogen. Und da das immer wieder geschieht, schweigen die meisten nur noch und erdulden ihr Schicksal.

Nicht so Rotkäppchen. Sie weiß eigentlich, dass sie vor dem bösen Wolf davonlaufen und sich irgendwann auch einmal verschlingen lassen sollte – aber das geht nicht mehr, seit sie sich mit ihm angefreundet hat. Deshalb begehrt sie auf und weckt damit auch den Funken des Widerstandes in anderen Märchengestalten – Aschenputtel wird sogar zur Wortführerin.

Als Herr Grimm dessen gewahr wird, ruft er eine Treibjagd aus, die Rotkäppchen und ihren Wolf zu einer halsbrecherischen Flucht zwingt, und zu seinem großen Abenteuer. Denn Rettung können sich die beiden nur an einem Ort erhoffen – der legendären Realwelt.

 

Aber nicht nur die Welt der Märchen spielt in „Fairy Quest“ eine Rolle – auch Peter Pan und seine Fee Tinkerbell haben einen wichtigen Auftritt in der Geschichte um das rebellische Rotkäppchen und ihren Verbünderten, den grimmigen Gevatter Wolf.

Sie sind die Gegenspieler eines tyrannischen Herrschers, der nicht erlaubt, dass die alte, von ihm festgelegte Ordnung aufgebrochen wird, wohl wissend, dass damit auch seine Herrschaft schwinden könnte und würde.

Dementsprechend grausam geht er vor … wenngleich auch in einem Maße, wie Kinder das aus ihren Märchenbüchern kennen. An sie wendet sich auch die quirlige Geschichte, die bekannte und vertraute Motive miteinander vermischt und zu einen lebhaften Abenteuer verwebt, dass sich vielleicht vieler bekannter Handlungsmuster bedient, aber doch genug durch quirlige, freche Ideen einbringt, um auch erfahrenere Leser zu fesseln.

Die Figuren sind denkbar einfach gestrickt, entsprechen dem, was man auch den Märchen kennt und entwickeln nur wenige zusätzliche Qualitäten. Aber es reicht aus, um gelegentlich mit einer schrägen Wendung zu überraschen und neugierig auf die kommenden Seiten zu machen.

Wie zu erwarten war, endet die Geschichte zwar offen, hat aber zumindest ein vorläufiges Ende, so dass man nicht ganz enttäuscht ist, wenn man merkt, dass Rotkäppchen vermutlich noch eine ganze Weile brauchen wird, um an ihr Ziel zu gelangen.

 

Alles in allem ist „Gesetzlose“ der gelungene Auftakt von „Fairy Quest, einer unterhaltsamen Reihe für junge und junggebliebene Leser ab acht Jahren, die großen Spaß an Märchenwelten haben und Abenteuer mögen, in denen es magisch und gruslig zugleich zu geht, ohne jedoch befürchten zu müssen, dass die Gewalt überhand nimmt.

 

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Eure Meinung:

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Comic:

Fairy Quest 1: Gesetzlose

Autor: Paul Jenkins

Künstler: Humberto Ramos, Leonardo Olea

Aus dem Englischen von Jano Roleder

Hardcover, 64 Seiten

Popcom/Tokyopop, Hamburg, erschienen August 2015

ISBN-10: 384201807X

ISBN-13: 978-3842018075

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 17.08.2015, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39