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Far Cry Vengeance (Nintendo Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Ganze fünf Jahre sind inzwischen vergangen, seit die deutsche Game-Design-Firma Crytek mit dem Shooter-Debüt „Far Cry“ einen Achtungserfolg erzielte und über Nacht ein neues Franchise entwarf, das in der internationalen Konkurrenz einen Spitzenplatz einheimsen konnte. Bis heute jedenfalls ist der Serienerstling in vielerlei Hinsicht noch das Maß aller Dinge in Sachen spielerischer Innovation im Shooter-Segment und dementsprechend auch unheimlich populär. Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Abschneiden dieses Werkes haben die Entwickler sich auch um eine Wii-Fassung des Titels gekümmert, die sogar völlig exklusiv für Nintendos Konsole auf den Markt geschmissen wurde. Doch „Far Cry Vengeance“, so der Name des guten Stücks, konnte seinerzeit überhaupt nicht dazu beitragen, den guten Ruf weiter aufzupeppen. Ganz im Gegenteil…

 

 

Inhalt:

Grundsätzlich hapert es in „Vengeance“ an ganz vielen grundsätzlichen Dingen, von denen die technische Schlagseite wohl noch die problematischste ist. Doch auch inhaltlich hält die Wii-Fassung bei weitem nicht das, was man sich von einem Game unter diesem Banner verspricht. Dies beginnt bereits mit der ziemlich dürftigen Story, die jeder Hobby-Autor sich mal eben in einer Zigarettenpause hätte ausdenken können. Unser Held Jack Carver ist auf einer verlassenen Insel gestrandet, erhofft sich dort aber zumindest ein bisschen Erholung von seiner letzten Mission, als ihn die vorlaute Kade auf eigenartige Art und Weise anmacht. Kurze Zeit später wird Carver bereits von Milizen flankiert und von Soldaten beschossen, so dass ihm nur die Flucht in den Dschungel bleibt – zusammen mit der Rebellin Kade, an deren Seite Jack im Folgenden die Insel aufräumt.

Dieser Background als Aufhänger für eine Shooter-Story mag ja irgendwie in Ordnung gehen, lässt aber trotzdem die Tiefe vermissen, die man generell in „Far Cry Vengeance“ vermisst. Während der Protagonist durch den Dschungel pflügt und sein Waffeninventar an den feindlichen Milizen testet, haben diese nichts Besseres zu tun, als sich blind in den Gewehrlauf zu stürzen oder wild hampelnd herumzuzucken, bis man dann doch endlich mal einen Treffer versenkt hat – notfalls auch mit der Standardausrüstung, dem Messer, welches Carver gerade in den ersten Sequenzen häufiger einsetzen muss. Aber auch sonst ist die KI einer der Faktoren, der mit heftigem Kopfschütteln quittiert gehört. Schleicht man sich beispielsweise an einen Wachposten heran, kann man sich noch so ungeschickt anstellen, ohne was befürchten zu müssen. Und zu guter Letzt ist auch der Kameradschaftsgedanke auf gegnerischer Seite nicht sonderlich ausgeprägt. Radiert man einen feindlichen Soldaten aus, fühlt sich sein direkter Nebenmann nicht zwingend alarmiert – seltsam, auf alle Fälle.

Dieses Manko gleicht sich im negativen Sinne wieder durch die eigenartige Kameraführung aus. Die Perspektive ist eigentlich optimal, doch da es ziemlich kräftig ruckelt, wenn man auf einen Hinterhalt reagieren möchte, verlangsamen sich die gesamten Bewegungen und rauben dem an sich reizvollen Gameplay ganz schnell jegliche Spannung und Brisanz. Und da das eigentlich in jeder derartigen Situation der Fall ist, fühlt man sich ein wenig überrumpelt. Der Eindruck, vom Spiel beherrscht zu werden, auch wenn man sich bei den Schusswechseln sehr dominant fühlt, bleibt jedenfalls dauerhaft bestehen.

 

Wenigstens die Adventure-Anteile von „Vengenace“ gehen in Ordnung: Carver stöbert die gesamte Insel nach neuen Hilfsmitteln ab, greift Medo-Packs und neue Waffen und kundschaftet auch nach den Ursachen für den plötzlichen Angriff auf seine Person. Die Geschichte wird derweil in separaten Videosequenzen weitererzählt, die jedoch qualitativ auch arg bescheiden sind.

Für den privaten Zweikampf ist „Far Cry Vengance“ schließlich auch gewappnet. Im Multiplayer kann man zu zweit per Splitscreen gegeneinander antreten. Aber auch hier gilt, dass die Idee reizvoller ist als die eigentliche Ausführung, gerade weil das altbekannte Kameraproblem bei der Bildteilung wieder in den Fokus rückt. Schlussendlich hat man in nahezu jeglicher Hinsicht das Gefühl, es sei nichts halbes und nichts Ganzes!

 

 

Technik/Grafik:

Grafisch ist „Far Cry Vengeance“ eine echte Enttäuschung. Natürlich muss man auf der Wii seit jeher Abstriche machen, gerade wenn die Framerate mal in den oberen Bereich wandert. Aber es ist trotzdem immer wieder erschreckend, wie pixelig sich das Ganze doch gestalten kann. Und da auch die Kameraführung stark verruckelt ist und einzelne Einbrüche an der Tagesordnung sind, kann man hier schon mal schnell genervt sein.

Dafür ist die Steuerung erstaunlich gut; die Wiimote eignet sich prima als Pointer, während der Nunchuk die Bewegungen in der Dschungellandschaft koordiniert. Wäre da nicht der Ärger mit den Perspektivwechseln, gäbe es absolut keinen Grund zur Klage.

 

 

Spielspaß:

Grundsätzlich sind die Veranlagungen von „Far Cry Vengeance“ richtig gut. Klar, die Story gibt nicht viel her, und auch in Sachen Innovation ist nicht viel geboten, doch prinzipiell hätte der Sturm durch die Insellandschaft wirklich interessant sein können, wäre er nicht von den vielen technischen Mängeln wieder ausgebremst worden. Die Spielatmosphäre leidet somit ganz herbe unter der bescheidenen Optik, die einzelnen Ruckler in der Action nerven nach einiger Zeit gewaltig, und auch die unheimlich niedrige Gegner-KI zerstört jeglichen Spielfluss, da der Realismus überhaupt keine Entwicklungsspielräume hat. Einzig positiv ist letzten Endes die Tastenbelegung bzw. das Handling, da man hier schon ansatzweise das Gefühl bekommt, in Carvers Körper zu stecken und mit seinen Augen zu sehen. Alles in allem wird dieser Eindruck aber radikal wieder zunichte gemacht, sobald man sich dann in einem echten Getümmel befindet und blitzschnell handeln muss. Insofern: Spaß definiert sich im Shooter-Genre eigentlich ganz anders…

 

 

Fazit:

Der Versuch, das Shooter-Genre auf der Wii zu etablieren, ist bislang kaum von Erfolg gekrönt. Die ersten Gehversuche, und hierzu gehört das neu aufgelegte „Far Cry“-Debüt, sind jedenfalls mächtig in die Hose gegangen, unter anderem auch weil man seinerzeit noch nicht so recht mit den Tücken der Hardware vertraut gewesen zu sein scheint. Mangels wertigen Alternativen kann man natürlich gerne mal hineinschauen. Aber zwingend notwendig ist der Besitz von „Far Cry Vengeance“ auf keinen Fall!

 

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Wii-Spiel:

Far Cry Vengeance

System: Nintendo Wii

Designer: Ubisoft

Publisher: ak tronic / Software Pyramide

USK-Einstufung: Keine Jugendfreigabe gem. 14. JuSchG

ASIN: B00264U1U2

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 16.07.2009, zuletzt aktualisiert: 25.01.2015 11:01