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Fate of Hellas (PC)

Rezension von Björn Backes

 

„Fate Of Hellas“ steht von Anfang an unter keinem guten Stern: Eigentlich als Add-on zum recht ordentlichen Strategie-Titel „Ancient Wars: Sparta“ geplant, entschieden sich die Entwickler kurzerhand, das Spiel in einen eigenständigen, unabhängigen Titel umzuwandeln und somit auch ein großes Risiko einzugehen. Ein Risiko deshalb, weil „Fate Of Hellas“ rein mechanisch kaum mehr modifiziert wurde und die geplante Eigenständigkeit dementsprechend schon auf dem Papier als Wunschdenken zu entschlüsseln ist. Also müssen die Missionen und Kampagnen überzeugen und diese Vorab-Manko ganz schnell wieder bereinigen. Doch dies dürfte sich beim eher knappen Umfang des griechischen Schicksals eher schwierig gestalten.

 

 

Das Spiel:

 

Spartaner oder Makedonier, das ist hier die Frage: In „Fate Of Hellas“ schlägt man sich auf eine dieser beiden Seiten und begleitet deren Armee durch die jeweilige, insgesamt sieben Missionen umfassenden Kampagne. Dies ist grundlegend schon mal alles, was das Spiel zu bieten hat. Die berechtigte Skepsis spiegelt sich dann auch ziemlich rasch in den einzelnen Aufgaben und Handlungsmustern des Titels wieder. Wenn man nicht gerade eine neue Zivilisation aufbauen muss, geht es darum, eine feindliche Armee zur Strecke zu bringen. Bedächtige Planung auf der einen, kämpferische Aggression auf der anderen Seite, dies kombiniert ergibt auch schon den Strategiepart zu „Fate Of Hellas“, wenngleich natürlich noch ein kleines bisschen mehr dahinter steckt.

 

Bevor man nämlich überhaupt in die Schlacht ziehen kann, muss eine ordentliche Infrastruktur errichtet werden. Kasernen werden gegründet und Soldaten sehr individuell mit Waffen ausgestattet. Jede einzelne ‚Infanterie’-Einheit kann nach eigenen Vorstellungen mit Speeren, Schleudern, Keulen oder Schwertern ausgestattet werden, je nachdem was beliebt und vorrätig ist. Wie gehabt müssen die Soldaten jedoch auch bei Laune gehalten werden. Gold dient als bester Motivator und findet sich in den nahe liegenden Bergen, Nahrung wiederum wird auf den ortsansässigen Bauernhöfen angebaut und in den Speicherbaracken aufbewahrt. Um jedoch seine Bauvorhaben überhaupt in die Tat umsetzen zu können, ist natürlich Holz notwendig. Dieses wird von den Baumfällern unter den Heloten besorgt und verarbeitet, muss aber selbstverständlich auch erst einmal angefordert werden.

 

Sobald nun die ersten soliden Grundlagen erstellt sind, wagt man sich endlich in die erste Schlacht und darf jetzt die taktischen Vorzüge des Spiels genießen – oder zumindest das, was sich in den einzelnen Shortcuts an Kommando-Möglichkeiten bietet. Man kann zwar schon aktiv ins Geschehen eingreifen und das Handeln der Beteiligten deutlich beeinflussen. Doch letzten Endes entscheidet sich vieles schon im Voraus, da eine gut gerüstete, eigene Armee nur kaum zu schlagen ist. Wer also auf Seiten der Makedonier steht und mit Alexander dem Großen als Feldherrn in die Schlacht zieht, muss kein besonders guter Stratege, sondern eher ein Aufbaukünstler sein, um seinem Volk dem Sieg zu schenken. Darüber mag man denken, wie man will; besonders reizvoll ist die Einschränkung der taktischen Gegebenheiten jedoch nicht.

 

Nach jeweils sieben Missionen sind die Kampagnen auch schon wieder an ihr Ende gelangt. Wem dies verständlicherweise zu wenig ist, der kann immerhin noch im privaten Netzwerk den Multiplayer-Modus antesten. Online-Games, eigentlich mittlerweile Standard und wichtiger Bestandteil von Echtzeit-Strategie, sind jedoch nicht inbegriffen.

 

 

Technik/Grafik:

 

Die Spielmechanik ist grundsätzlich völlig in Ordnung. Nach einem anständigen Tutorial fühlt man sich in der übersichtlichen Benutzeroberfläche sofort zurecht und lernt auch zügig, die einzelnen Shortcuts effektiv zu nutzen bzw. das Spiel dadurch auch flüssiger zu gestalten. An der Steuerung gibt es folgerichtig auch nichts auszusetzen, zumal die Navigation auch alternativ über die Tastatur erfolgen kann. Die Spieleinstellungen sind unterdessen auch respektabel, besonders die frei wählbaren Kameraeinstellungen, die in manchen Szenen durchaus von Vorteil sein können. Dies mag zwar nichts Außergewöhnliches sein, wurde aber hier nennenswert gut umgesetzt.

 

Mit diesen positiven Eindrücken kann die Grafik leider nicht ganz mithalten. Einzelne Texturen sind ein wenig verschwommen, aber auch die Ränderungen der Gebäude und Figuren sind nach heutigem Standard eher durchschnittlich, wenngleich auch sicherlich kein Spielverderber. Aber es wäre an dieser Stelle fraglos mehr herauszuholen gewesen, als schlussendlich visuell angeboten wird.

 

 

Spielspaß:

 

„Fate Of Hellas“ gehört zweifelsohne zu den Spielen, die bemerkenswert beginnen, rasch nachlassen und zum Ende fast schon enttäuschen. Die Gründe hierfür sind allzu typisch und sind vor allem in den mäßigen inhaltlichen Variationen zu suchen. Die Kampagnen sind streckenweise zu gleichförmig und eintönig aufgebaut, die einzelnen Missionen sogar manchmal leicht veränderte Wiederholungsfälle. Von echtem Spannungsaufbau innerhalb des Spiels kann da keine Rede sein, nicht zuletzt auch weil die Background-Story nicht näher erläutert wird. Hinzu kommt der erschreckend geringe Umfang des Spiels. 14 Missionen mögen zwar äußerlich noch akzeptabel klingen, sind aber wegen des vergleichsweise geringen Schwierigkeitsgrads definitiv keine quantitative Messlatte. Da es auch keine weiteren Möglichkeiten wie etwa den Online-Modus gibt, ist der Gesamtspaß noch immenser begrenzt und der ursprüngliche Reiz schnell ausgelebt.

 

Dabei kann man nicht abstreiten, dass die Voraussetzungen zu „Fate Of Hellas“ eigentlich gar nicht mal so schlecht sind. Die allgemeine Systematik ist anständig, viele einzelne Ideen innerhalb des Aufbauspiels sogar fast schon innovativ. Nur eben ist das Spiel inhaltlich derart limitiert, dass es sich dadurch nahezu alle verbliebenen Wege verbaut, es mit den größeren Namen aufnehmen zu können – was im Übrigen auch wegen der minimalen Detailverliebtheit im Design ziemlich unrealistisch gewesen wäre. Aber schon schade, wenn einige gute Ideen im Fahrwasser der mäßigen Aufarbeitung sang- und klanglos untergehen.

 

 

Fazit:

 

Hätte, wäre, wenn… „Fate Of Hellas“ hat eine Menge ungenutztes Potenzial und kann nach einem anfänglichen Aufflammen kaum mehr richtig überzeugen. Selbst die wenigen richtig guten Ideen kommen kaum zur Geltung und verharren im unflexiblen, knapp bemessenen Spielsystem des Echtzeit-Strategen. Daher müssen sich die Entwickler auch den Vorwurf gefallen lassen, ein halbfertiges Spiel gestaltet zu haben, welches als Add-On womöglich besser funktioniert hätte. Als unabhängiger Titel kann „Fate Of Hellas“ jedenfalls nicht wirklich begeistern.

 

Eure Meinung:


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Fate of Hellas (PC)

von JoWood

USK-Einstufung: Freigegeben ab 16 Jahren gem. 14 JuSchG

Spiel und Handbuch auf Deutsch

ASIN: B0012R2RQ0

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Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows 2000 / XP / Vista

Prozessor: Intel Core 2 Duo 2,4 GHz CPU

Speicher: 1024 MB RAM

benötigter Platz auf der Festplatte: 4 GB

Grafikkarte: NVIDIA GeForce 6 Serie, ATI Radeon 8500 oder 3D-Grafikkarten des gleichen Typs

DirectX9.0 kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


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Erstellt: 26.07.2008, zuletzt aktualisiert: 18.06.2019 11:05