Feind meines Feindes
 
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Feind meines Feindes

Rezension von Sebastian Hogrebe

 

Feind meines Feindes ist ein Quellenbuch, in dem

Organisationen vorgestellt werden, die in der Shadowrun-Welt nach ihren eigenen Regeln spielen. Vom politischen Fraktionen und religiösen Bewegungen bis hin zu Schatzsuchern und Organhändlern bietet es eine Fülle an Informationen über all jene Gruppierungen, die sich bis jetzt erfolgreich einer genaueren Beleuchtung entzogen haben, und erweitert damit den Horizont der 6. Welt für Spieler und Spielleiter.

(Herstellerinformation)

 

Bei diesem Softcover im DinA4 Format mit 164 Seiten handelt es sich um ein Quellenbuch für Shadowrun®. Die Redaktion lag in den Händen von Rob Boyle für das amerikanische Original und bei Christian Lonsing für die deutsche Ausgabe. Die Übersetzung stammt von Mario Hirdes, Satz und Layout von Frank Werschke, ebenso wie das Lektorat. Für das Titelbild ist Marc Sasso verantwortlich, die Titelbildgestaltung lag bei Ralf Berszuck. Texte und Innenillustrationen wurden von weiteren Autoren gestaltet.

Der Inhalt gliedert sich in acht größere Kapitel inklusive einer kurzen technischen und einer Einleitung die sich aus der inhaltlichen Form des Buches herleitet. Diese inhaltliche Form ist wie bei den meisten Quellenbüchern für Shadowrun® eine Sammlung von Texten und Berichten aus der Sicht von fiktiven Charakteren dieser Welt, die zudem noch von Schattenläufern mittels des sogenannten „Shadowtalk“ mehr oder weniger kommentiert werden.

Die Einleitung umfasst nur eine knappe halbe Seite und erklärt den Leser den Zweck, die inhaltliche Form und den Aufbau des Buches. Damit beginnt dann auch schon Behaltet die Kleinen im Auge, die Einleitung des in der sechsten Welt für diese Sammlung an Informationen verantwortlichen SysOp namens Captain Chaos.

Nach einer knappen halben Seite geht es dann auch schon zu den Politischen Agitatoren. In diesem Kapitel widmen sich die Texte Ökoorganisationen, den Organisationen die gegen Konzerne kämpfen, Anarchisten, Neo-Kommunisten, Metafeindlichen und Metafreundlichen Gruppen, dem modernen Faschismus, den Antifaschisten dem Policlub Mutter Erde und zuletzt den „hauseigenen“ Revolutionären. Die Texte beginnen mit knappen Beschreibungen zu den Gruppen und ihrer Lage im Allgemeinen und liefern danach jeweils kurze Betrachtungen von Gruppen und Organisationen im Einzelnen.

In den Händen der Elite ist das zweite größere Kapitel und widmet sich den vereinten Nationen, der aristokratischen Kabale in Europa und zum Schluss der Informationsagentur Aegis Cognito. Unter den Mystischen Geheimnissen werden Organisationen und Gruppen betrachtet die sich der Archäologie verschrieben haben, wie die Atlantische Stiftung, und natürlich magische Gruppen und Zirkel wie die Illuminates of the New Dawn.

Hüter des Glaubens beschäftig sich mit den Geheimnissen der katholischen Kirche und dem Islam in der sechsten Welt. Do-It-Yourself-Kriminalität beleuchtet die ganz normale Kriminalität in der sechsten Welt, aber auch Organisationen und Gruppen die weitaus unheimlichere Dinge tun oder in den Schatten aktiv sind, wie die berüchtigte Tamanous..

Die Spielleiterinformationen sind, wie der Name schon sagt, das Kapitel in dem der Spielleiter noch einmal Ideen für die Verwendung der verschiedenen Informationen und Gruppierungen dieses Buches erhält - diesmal jedoch in einer direkten Form. Aber auch in diesem Kapitel kommen Tabellen oder Listen kaum vor.

 

Die Form der Texte, fiktive Charaktere beschreiben die sechste Welt für andere Schattenläufer, ist auch bei diesem Buch ein großer Vorteil. Ohne durch trockene Listen von Regeln oder umfangreiche Tabellen aus dem Lesefluss gebracht zu werden kann man das Buch vom Anfang bis zum Ende lesen. Die sechste Welt wird durch die direkten Texte sehr viel begreiflicher, quasi zum anfassen, präsentiert und als Spielleiter kann man jederzeit festlegen wie viel Wahrheit in diesem Buch steht oder nicht. Es hat sogar den Vorteil, dass man als Spieler seinen Charakter durchaus das Buch Feind meines Feindes lesen lassen kann, wenn auch als Textsammlung in der Matrix.

Die Texte des Buches weisen zu viele Rechtschreib- oder Tippfehler auf. An einigen Stellen kann man das Gefühl bekommen das die Texte mit einem Übersetzungsprogramm übersetzt und dann lediglich nachbehandelt wurden. Es gibt dabei aber kaum Verständnisprobleme.

Was den Lesefluss auch stören kann ist die Struktur der meisten Texte. Dort werden Organisationen zuerst beschrieben und ihre normalen oder „guten“ Seiten genannt nur um dann die bösen Seiten aufzuzählen. Das kann ein wenig eintönig werden, wenn sich die Organisationen im jeweiligen Thema lediglich im Namen und Personal zu unterscheiden scheinen.

 

Was den Inhalt selbst angeht so sind die Texte flüssig geschrieben und meistens kurz gehalten. Auf fast allen Seiten findet sich Shadowtalk Dem Spiel entsprechend gibt es jede Menge Anglizismen und Namen die ohne eine Übersetzung übernommen wurden.

Obwohl die Texte gute handwerkliche Arbeit sind ist ihr Kürze in vielen Teilen von Nachtteil was die Atmosphäre und Klasse des Buches angeht. In Bereichen wo die Texte länger und ausführlicher werden, wie bei der Beschreibung der Vereinten Nationen in der sechsten Welt, gewinnt das Buch an visueller Kraft. Gerade im ersten Kapitel über die Politischen Agitatoren kann man sich durchaus fragen warum die Autoren nicht einfach nur den Namen einer Organisation nennen, da man sich den Rest in großen Teilen eh selbst ausdenken muss.

Gruppen wie Alamos 20k, Sons of Sauron und Tamanous, die einem Spieler schon länger bekannt sein können, hätten wirklich ausführlichere Darstellungen verdient. So erfährt man praktisch nichts wirklich Neues über diese zum Teil eigentlich gar nicht kleinen Gruppen. Unpassend erscheinen auch Informationen über weitere Gruppierungen, die nicht nur aufgrund ihrer Mittel sondern eher der Beteiligten zu den großen Nummern in der sechsten Welt zu rechnen sind, wie das Dunkelzahninstitut für magische Forschung oder die größte islamitische Bewegung der sechsten Welt, die Islamic Unity Movement.

An einigen Stellen trifft man natürlich auf alte Bekannte im Shadowtalk, was diesen erheblich aufwertet, besonders wenn man dadurch von aktuellen Entwicklungen erfährt, wie im Falle von Draconic Information Virtual Exchange (DIVE). Es gibt auch in den Texten zu den vereinten Nationen ein paar nette Anleihen an das PC-Spiel Deus Ex, die aber wohl nur den Fans dieses Spiels auffallen werden.

Ansonsten bleibt der Shadowtalk eher hinter den Erwartungen zurück. Man liest ihn und betrachtet ihn dann eher als das Übliche.

Die Illustrationen schwanken in diesem Buch sehr stark zwischen hervorragend und schlecht. Auch variieren die Stile viel zu sehr um ein einheitlichen Eindruck zu bekommen. Mehr als einen durchschnittlichen Eindruck hinterlässt das Buch an dieser Stelle nicht. Die sonstige Aufmachung ist im Stil der Edition 3.05 betrieben worden.

 

Als Fazit zu diesem Buch kann man sagen, dass an einigen Stellen weniger und ausführlicher eindeutig mehr gewesen wäre. Auch kann man beim Lesen das Gefühl bekommen eigentlich nur ausgefüllte Standardschablonen zu bekommen, was Teile der Texte angeht. Auf der anderen Seiten werden hier endlich einmal auch Neugierden auf die zweite oder dritte Reihe der Strippenzieher der sechsten Welt befriedigt. Und da der größte Teil des Buches völlig ohne Regelnbezug auskommt ist es kein Fehlkauf, wenn man sich die Edition 4.01D zulegen will. Dennoch verhindern auch die formalen Schwächen den Sprung von einem guten zu einem sehr guten Buch. Sein Geld ist es jedenfalls wert.

 

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Hinweis:

Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH,

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202407200234548a5310f0
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Feind meines Feindes

System: Shadowrun 3.01D/4.01D

Autor: Rob Boyle, Christian Lonsing

Erscheinungsdatum: August 2005

Verlag: FANPRO

ISBN: 3-89064-767-7

Seiten: 164

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 20.10.2005, zuletzt aktualisiert: 20.01.2015 13:24, 1420