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Fetzer von Markus Heitz

Hörspiel

 

Rezension von Nina Horvath

 

Rezension

Hören Sie auch so gerne wie ich Geschichten „so nebenbei“, beim Fahren, Arbeiten oder Essen?

Nun, dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Zuerst die schlechte: Für „nebenbei“ ist dieses Hörspiel denkbar ungeeignet. Und der Grund dafür ist auch gleichzeitig die gute Nachricht: Es geht nämlich ziemlich actiongeladen zu – anders als beim Hörbuch, wo nur ein Sprecher vorliest, auch mit verteilten Rollen und Geräuschen – und es wird stellenweise, wie man das bei Horror durchaus erwarten kann, „ziemlich grauslich“. Da mag einem schon einmal nebenbei das Arbeitsgerät aus der Hand fallen oder der Bissen im Halse stecken bleiben!

 

Also sollte sich der Fan von Horror, ja, ich möchte sogar sagen, von Splatter, sich die ohnehin nur siebzig Minuten der Spielzeit der CD freihalten und einfach nur zuhören.

 

Das Ganze startet auf einem Münchner Innenhof, wo ein Zombie gerade dabei ist, einige junge Mädchen abzuschlachten und ihre Gehirne zu verspeisen. In diese Szenerie tritt die junge Miré, Mitglied einer Antizombietruppe, die verständlicherweise außer sich vor Wut ist und mit ihrer mitgebrachten Ausrüstung nun ihrerseits den Zombie auf nicht gerade zimperliche Weise zerstückelt.

Wie man sehr schnell erfährt, sind die – politisch korrekt als „Zwangskarnivoren“ bezeichneten - Wesen in dieser von Markus Heitz entwickelten Zukunftsvision ganz und gar nichts Ungewöhnliches.

 

Was die noch unerfahrene Zombiejägerin jedoch nicht weiß: Sie hat mit ihrer Aktion ihrem Arbeitgeber jede Menge Schwierigkeiten bereitet. Denn es handelt sich bei ihrem Opfer nicht um irgendeinen x-beliebigen Untoten, sondern um einen Filmstar. Seine Opfer waren nicht willkürlich gewählt, sondern Groupies, die sich freiwillig für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hatten.

 

Nach diesem actiongeladenen Intro wechselt die Erzählperspektive in die Sicht ihres Chefs Botschinski, der sich den Vorwürfen der Fetzer-Filmstudios stellen muss.

In einer Videokonfernz schwört ihm die Studiochefin bittere Rache, immerhin war der untote Medienstar eine hervorragende Einnahmequelle.

 

Angesichts dessen ist der ganzen Truppe flau im Magen, als sie zu ihrem nächsten Einsatz gerufen werden. Sie ahnen, dass ihnen die reiche und einflussreiche Agenturchefin möglicherweise eine Falle gestellt hat. Und genau das finde ich erzähltechnisch gut – ich kenne manche Horrorgeschichte, wo der Protagonist selbst angesichts eines im Sarg schlafenden Mannes noch immer nicht auf die Idee kommt, es möglicherweise mit einem Vampir zu tun zu haben.

Hier gilt aber nun mal: „Was muss, das muss.“ Nur wegen einer möglichen Gefahr für die Einsatzkräfte darf nun mal kein Rettungseinsatz verweigert werden!

Da die Charaktere aus Pflichtbewusstsein handeln und sich nicht aus Dummheit auf das offensichtliche Risiko einlassen, denkt man als Hörer dann auch nicht „selbst schuld!“ und hofft natürlich umso mehr, dass sie am Ende heil aus der Sache rauskommen.

 

Hier ist das wirklich Aufregende, dass es eben so ähnlich kommt, wie man glaubt: Natürlich ist es seltsam, wenn man ein Kind in einem Gebäude auf einem verlassenem Industriegelände von der Decke baumelnd vorfindet und dieses gerade so hoch hängt, dass die anwesenden Zombies es nicht erreichen können. Und selbstverständlich ahnt man, dass die Aufsplittung des Teams in drei Teile – ein verletztes Mitglied kehrt zurück, ein anderer Teil sucht nach einem weiteren von Zombies bedrohten Kind – keine gute Idee ist.

Aber: Man ahnt es eben und weiß nicht, wie genau sich die Handlung fortsetzen wird. Sie war nicht sehr weit von meinen eigenen Erwartungen entfernt, traf sie jedoch nicht hundertprozentig, weshalb die Spannung bis zum Ende aufrecht erhalten wurde.

 

Fetzer ist vielleicht nicht gerade gespickt von geistreichen Szenen und gänzlich unerwarteten Wendungen: Aber nun mal ehrlich, wer kauft sich eine Geschichte über Zombies, um dann am Ende einen Monolog wie von Hamlet zu hören oder die Untoten friedlich mit den Menschen vereint die Nationalhymne singend vorzufinden? – Na eben. Vermutlich keiner.

Genreklischees wurden hier sehr gut erfüllt, eben genau so, wie die Zielgruppe es sich wünschen dürfen.

 

Fazit:

„Fetzer“ ist eine spannendes Hörspiel für erwachsene Horrorfans in guter Besetzung, das ich eben diesen für eine gute Stunde geistig weitgehend anspruchsloser Unterhaltung uneingeschränkt empfehlen kann. Wer unbedingt will, kann auch ein Schäufelchen Kritik an der heutigen Mediengesellschaft mitnehmen – auch wenn das angesichts von Splatterszenen und wenig tiefgründiger Charaktere dann doch etwas weit hergeholt zu sein scheint.

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Hörbuch:

Fetzer

Autor: Markus Heitz

LAUSCH, 2010

Hörspielbearbeitung: Günter Merlau

Musik: Günter Merlau

Dramaturgie: Günter Merlau

Regie: Günter Merlau

 

ASIN: 3939600725

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher:

Jürgen Holdorf

Katharina von Daake

Dorothea Hagena

Uwe Hügle

Wolfgang Berger

Günter Merlau

Gwenyth Dimonye

Ranja Bonalana

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.12.2010, zuletzt aktualisiert: 06.12.2018 14:51