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Flesh + Blood

Rezension von Christel Scheja

 

“Flesh + Blood” gehört zu den Klassikern des Fantasy- und Action-Kinos der 1980ger Jahre. Regisseur Paul Verhoeven wollte zeigen, dass auch das Genre des Ritterfilms noch nicht am Ende war, auch wenn seine Version ein ganz und gar anderes Mittelalter zeigte, als das, was man bisher gewohnt war.

Wie „Highlander“ und Co. zeichnete der Streifen ein eher schmutziges Szenario, sparte dabei nicht mit Zynismus und Grausamkeit. Vor allem stand nicht mehr der edle Held im Mittelpunkt – die Protagonisten hatten nur ein Ziel, das zu tun was nötig war um möglichst gut sein oder ihr Leben zu verbringen.

Koch Media legt nun nach vielen Jahren erstmals wieder eine ungeschnittene und unzensierte Fassung ab 18 Jahren vor.

 

Anfang des 15. Jahrhunderts werden viele Kriege in Europa geführt. Das garantiert Söldnern wie Martin und seinen Freunden ein gutes Auskommen und genug Arbeit. Gerade wieder einmal helfen sie einem Fürsten die Stadt zurückzuerobern, die ihn aus ihren Mauern vertrieben hat. Arnolfini gibt ihnen einen besonderen Anreiz – sie dürfen einen Tag in der Stadt und den Häusern der Reichen plündern wie sie wollen.

Allerdings zeigt sich schon bald, dass der Adlige nicht bereit ist, sein Versprechen zu halten, sondern die Männer und Frauen sogar um den Sold zu prellen. Als dann auch noch Hawkwood, der bisherige Anführer des Haufens gemeinsame Sache mit dem Fürsten macht, bleibt Martin und seinen Gefährten nur die Flucht in eine ungewisse Zukunft.

Aber das Schicksal hat anderes mit ihnen vor, als ein zielloses Leben auf der Straße und die Hoffnung auf einen neuen Krieg, denn in einer Ruine, in der sie vor dem Regen Zuflucht gesucht haben, finden sie die Statue eines Heiligen. Der Priester in ihrer Mitte sieht darin ein Omen und bestimmt, dass ausgerechnet Martin im Namen seines Patrons ihnen zu Reichtum, Glück und einer Heimat verhelfen wird.

Der Zufall will es zudem, dass sie die Gelegenheit zur Rache an Arnolfini haben. Es gelingt den Söldnern den Brautzug von Prinzessin Agnes zu überfallen und auszuplündern. Das junge Mädchen soll eigentlich den Sohn des Fürsten heiraten, nun aber ist es in der Gewalt Martins und seiner Gefährten und der Kampf gegeneinander wird zu einer sehr persönlichen Sache, die in den Mauern einer Pestburg endet.

Und wieder einmal geht es vor allem ums Überleben – denn nun müssen auch Arnolfinis Sohn und Agnes beweisen, dass sie bereit sind, ungewöhnliche Wege zu gehen, um heil aus der ganzen Sache zu kommen ...

 

„Flesh + Blood“ mag zwar keine Fantasy-Elemente haben, begeisterte damals aber trotzdem eine Menge Fans, die Phantastik und Action für sich entdeckt hatten. Erstmals standen hier nämlich nicht wie in klassischen Ritterfilmen nicht die Edelleute, wackere Heldentaten und ehrenhafte Treueschwüre im Mittelpunkt, sondern das Überleben ganz normaler Menschen in einer Zeit des Umbruchs, in der man einfach nimmt, was man kriegen kann.

Aus der Sicht einer Gruppe von Söldnern und Marketenderinnen erlebt der Zuschauer mit, wie schnell ein Sieg zu einer Niederlage werden kann, wie Aberglaube Menschen beeinflussen kann und wie wenig Versprechen eigentlich wert sind, weil jeder mehr oder weniger nur an sich denkt.

Die Handlung ist simpel gestickt und relativ geradlinig, da sie sich auf wenige Helden und Schauplätze konzentriert, wird dadurch aber keineswegs langweilig. Die Geschichte in erster Linie von den Figuren und dem, was sie alles anstellen, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder wenigstens zu überleben.

Es bleibt genug Zeit, um jeden der Charaktere lebendig zu machen. Da ist einmal Martin. Zum Söldnertum geboren, lebt er in den Tag hinein und macht sich keine Gedanken über morgen. Irgendwie wird es weiter gehen, auch wenn die Situation mies aussieht. Er ist zynisch, hat aber auch Träume. Ihm schmeichelt es sichtlich, als ihn die anderen zum Anführer machen, aber er versucht auch sein Bestes, um der neuen Rolle gerecht zu werden. Allerdings ist er ein Mann mit allen Stärken und Schwächen, was letztendlich zur Katastrophe führt.

Agnes wirkt zunächst wie eine junge und unschuldige Edeldame, die man von der Welt ferngehalten hat und sich ihrer gehobenen Stellung bewusst ist. Allerdings erweist sie sich auch als neugierig und klug, beweist, wie überlebens- und anpassungsfähig sie ist, als sie in die Hände der Söldner gerät.

Den Geist der Renaissance vertritt Arnolfinis Sohn. Er ist kein Krieger und Kämpfer, setzt aber seinen Verstand ein, um seine Braut zu befreien und ist auch bereit, das Ungewöhnliche zu wagen. Durch die Konfrontation ist er dazu gezwungen, seine Qualitäten als Anführer zu beweisen, ohne dass er jedoch ein Schwert in die Hand nimmt.

Sein Vater und auch Hawkwood verkörpern dagegen die alte Zeit, in der noch mehr die Stärke und kämpferischen Leistungen zählen. Aber gerade der Fürst ist bereits vom machiavellistischen Geist des Machtmenschen erfüllt und geht gerne über Leichen.

Interessant sind auch die einzelnen Söldner und ihre Begleiterinnen gehalten – Persönlichkeiten, mit denen man schnell sympathisiert, weil man sie gut verstehen kann. Da sind Martins direkte Freunde, die zwar ähnlich wie er gestrickt sind, aber nicht das Zeug zum Anführer besitzen, sondern gerne einem Klügeren folgen. Bemerkenswert auch das homosexuelle Pärchen, das zusammengehört ohne seine Neigungen offen zu zeigen. Eine wichtige Rolle spielt auch der Priester, der seinen Schäfchen wenigstens ein bisschen Gott nahe bringen will, dabei aber durchaus auch mit dem Schwert umgehen kann. Gerade er lenkt die Söldner nach dem ersten Drittel des Films aus dem Hintergrund heraus, weil er weiß, wie er mit Glauben und Aberglauben spielen muss.

Die Marketenderinnen sind pragmatisch und nüchtern. Weil sie wissen, wie sie sich ihre Männer warm halten, nutzen sie bewusst ihre weiblichen Reize und spielen sie immer wieder aus, vor allem wenn es ums Überleben geht. Doch auch sie haben Wünsche und Träume.

Der Film spielt auch mit dem Widerstreit von Wissenschaft und Aberglaube – die Söldner lassen sich von den Visionen ihres Kardinals leiten, während der junge Arnolfini die Dinge ausprobieren will, die in seinen Büchern stehen. Werte wie Ehre und Treue zählen indes gar nichts, die wirklich klugen Geister spielen nur mit ihnen, um ihre Ziele zu erreichen.

Aus heutiger Sicht wirkt der Film gar nicht einmal so brutal. Das Schwert regiert, aber man sieht nicht unbedingt jedes Detail. Oft recht es auch schon aus, das Geschehen anzudeuten und dann seine Folgen zu zeigen. Verhoeven setzt in diesem Fall tatsächlich nicht auf Ekelszene, sondern auf die Phantasie des Zuschauers. Zur Zensur geführt hat vermutlich eher die offene Darstellung einer Vergewaltigung und ihrer Folgen, die vielleicht etwas geschönt wirken, es aber eigentlich nicht sind. Auch hier setzt er eher auf die Vorstellungskraft, als wirklich alles zu zeigen.

Der nüchterne Umgang mit Gewalt und Tod, Sex und Dominanz hinterlässt einen bleibenden Eindruck, fesselnd ist auch die Mischung aus kindlicher Naivität, offen ausgelebten Träumen, weil man nie weiß, wann das Glück endet, und knallhartem Überlebenswillen. Vor allem die Frauen sind versiert darinnen und schaffen sich – obwohl sie ihren Körper verkaufen – doch ein gewisses Selbstbewusstsein, das ihnen hilft, weiterzuleben.

Am Ende gibt es tatsächlich keinen richtigen Sieger. Zwar können sich einige glücklich schätzen, entkommen zu sein, aber zu welchem Preis? Dennoch ist der Zuschauer zufrieden, da er bis zum Ende mitfühlen und –fiebern konnte.

Bild und Ton sind für einen Film der damaligen Zeit in Ordnung, als Extras auf der DVD gibt es nur ein paar Trailer und einen Audiokommentar. Will man mehr haben, muss man schon zum Mediabook greifen.

 

 

Fazit:

 

Alles in allem ist „Flesh + Blood“ durchaus zu den Klassikern des historischen Actionkinos zu zählen. Der Film ebnete vermutlich ebenso den Weg für die Darstellung des Mittelalters wie „Highlander“ und andere Filme, da erstmals ungeschminkt, grausam und schmutzig das Überleben einfacher Söldner zeigte. Zwar wurden damit auch neue Klischees geschaffen, die Handlungsmuster hier wirken aber noch ansprechend neu und frisch und auch die Zuschauer tun ihr übriges dazu, vor allem Rutger Hauer und Jennifer Jason Leigh.

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Eure Meinung:

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DVD:

Flesh + Blood

Flesh + Blood, USA/NL 1985

Regisseur: Paul Verhoeven

Komponist: Basil Poledouris

Format: Dolby, PAL, Widescreen, RC 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

FSK: 18

Koch Media, 30. August 2013

Spieldauer: 123 Minuten

 

ASIN: B00CY6HHDQ

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

  • Darsteller:
  • <typolist>
  • Rutger Hauer
  • Jennifer Jason Leigh
  • Tom Burlinson
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Erstellt: 08.09.2013, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23