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Fritz the Cat

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 19

Rezension von Christian Endres

 

Der vorletzte Band der Klassiker der Comicliteratur ist eine charmante Mogelpackung: Ein beachtlicher Teil des Bandes hat nichts mit dem tierischen Titelhelden Fritz the Cat zu tun und dreht sich um andere Helden und Geschichten von Robert Crumb. Das ist nicht so schlimm oder tragisch, als dass man sich darüber aufregen müsste, da diese Geschichten ebenfalls zu gefallen wissen, von der Leserlichkeit her sogar noch deutlich vor den Abenteuern des Katers stehen und keinesfalls schlechter sind als selbige, aber ganz richtig ist die Bezeichnung des Bandes damit dann ja trotzdem nicht. Vielleicht wäre es an dieser Stelle sinnig gewesen, diesen Band einfach auch vom Titel her dem Autor Robert Crumb zu widmen und die Bezeichnung innerhalb der Reihe entsprechend zu wählen – so wie man es bei Will Eisner auch gemacht und schon dort mit dem »Figuren-Namensprinzip« der Reihe gebrochen hat. Wie auch immer, folgende Stories sind im neunzehnten Band der Klassiker-Bibliothek enthalten, wobei sich der erste Teil des Bandes – der Fritz-The-Cat-Teil also – auf fast genau einhundert Seiten erstreckt.

 

Fritz the Cat

Mr. Natural im Tal des Todes

Mr. Natural „kommt in die Stadt"

Mr. Natural [ohne Titel]

Mr. Natural und das Kind

Mr. Natural diskutiert intellektuelles Zeug

Mr. Natural Strips (the Village Voice)

R. Crumb präsentiert R. Crumb

Die Beichte des R. Crumb

Eine kurzgefasste Geschichte Amerikas

R. Crumb´s $uck$e$$ Story

Kubistische Be Bop Comics

Die religiöse Erleuchtung des Philip K. Dick

Füßeln

High Times interviewt R. Crumb

Die alten Songs sind die besten Songs

My Guy

Purple Haze

When You Go a Courtin'

Jelly Roll Mortonss Woodoo-Fluch

TV-Blues mit Qwertz Uiopü von R. Crumb

Salty Dog Sam

Die klasse Beine

 

Eine ansprechende Auswahl im Sinne und Dienste der Vielseitigkeit, zweifellos. Highlight des Bandes ist mit Abstand die Erleuchtung des Philip K. Dick, wohingegen manche Story dann doch ein wenig am guten Geschmack vorbei geht, gerade wenn sie zu pseudo-autobiografisch wird und Crumb dann auch noch den Rest allen gutem Geschmacks hemmungslos über Bord wirft.

 

Eine gelungene Aufmachung und ein abermals vorzügliches Vorwort gibt es auf Seiten der Aufmachung und Gestaltung des Bandes zu vermerken, dem die Verkleinerung aber nur teilweise gut bekommen und an anderer Stelle leider etwas geschadet hat, da Kater Fritz sich aufgrund seines händisch anmutenden Letterings ein wenig schwer tut im kompakten Taschenbuchformat; der Rest der in diesem Bändlein versammelten Geschichten ist jedoch alles in allem gut lesbar.

 

Fazit: Robert Crumbs Geschichten sind zynisch, anzüglich und nicht unbedingt politisch korrekt – aber sie machen größtenteils doch Spaß und hieven das Medium Comics deutlicher als andere Vertreter auf »Erwachsenenniveau«. Das zeichnet die Geschichten von Crumb dann auch durchgehend aus, und auch wenn der Band gerade zu Beginn ein wenig unter dem kleinen Format zu leiden hat und das Lettering in diesem Teil manchmal hart an der Grenze zur Unlesbarkeit vorbei schrammt, ist das Taschenbuch mit seinen 256 Seiten doch prall gefüllt mit einer völlig anderen Comicunterhaltung rund um einen der beliebtesten, gefragtesten und beeinflussensten Künstler der ehemaligen Underground-Szene Amerikas, der heute in Südfrankreich lebt, und der mit seinem Stil (was sowohl für die Zeichnungen, als auch den Inhalt geht) vielleicht nicht jedem gefällt, aber dennoch völlig zu Recht in dieser Reihe vertreten ist.

 

Mir persönlich sagt Crumb nicht immer zu, aber ab und dann lese ich ihn und seine Stories ganz gerne. Wer noch nichts von ihm kennt, sollte wohl einmal in den Band reinschnuppern, der sich im Mittelfeld dieser Reihe wieder findet, sich aber noch vor Dilbert und ungefähr auf Augenhöhe mit Strizz einreihen kann (falls ich da jetzt nicht Äpfel mit Birnen vergleiche und mir den Hass der Reiche- und Adams-Fans zuziehe ...).

 

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Eure Meinung:

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Comic:

Fritz the Cat

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 19

Autor: Robert Crumb

Verlag: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3899811003

Anzahl Seiten: 256

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 08.01.2006, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53