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Fünf Hurenkinder

Reihe: Das Testament des Captain Crown, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Mittlerweile erobert eine neue Generation von Comiczeichnern und Szenaristen die französische Comicszene. Zwar folgen sie vielen Traditionen, die sich in den letzten Jahren dort etabliert haben, geben ihren Geschichten aber auch eine neue Note. So ist das Album „Fünf Hurenkinder“, der Auftakt der Serie „Das Testament des Captain Crown“, schon die zweite Arbeit von Tristan Roulot, aber die erste gemeinsame mit Patrick Hénaff, die in die abenteuerliche Piratenzeit in der Karibik entführt.

 

Captain Crown ist vielleicht keiner der großen und gefürchteten Piratenkapitäne der Karibik, aber auch er hat seinen Ruf weg und wird an nicht wenigen Küsten gefürchtet. Allerdings war er auch immer wieder den sieben Totsünden sehr zugetan. Zudem kann ihn seine Erfahrung und Skrupellosigkeit nicht davor retten, ermordet zu werden, als das Schiff eines Nachts in einer einsamen Bucht vor Anker liegt.

Anstatt das Schiff ganz zu übernehmen und nun die Manschaft zu führen, entscheidet sich der erste Offizier Red dazu, das Vermächtnis seines Freundes zu erfüllen und sein Testament auszuführen. Die Mannschaft ist weniger davon begeistert, die Kinder des Toten zu suchen, die als Erste auf den Schatz Anspruch haben, den Crown auch vor ihnen versteckt hat.

Doch Red lässt nicht mit sich reden und sammelt den gesamten Nachwuchs ein – Viktor, der in einem Käfig am Hafen sitzt, um dort qualvoll zu sterben, Siltje, die sich als Beischlafdiebin durchschlägt, ihren Bruder Jonah.

Zwei andere sind schon an Bord – ein Halbindianer und ein kleines Mädchen. Alle fünf sind ganz besondere Früchtchen, die es faustdick hinter den Ohren haben. Um nicht selbst von ihnen ausgeschaltet zu werden, versucht Red sie gegeneinander auszuspielen, denn er will gleichzeitig auch herausfinden, wer der Mörder sein könnte, was gar nicht so einfach ist, da die Mannschaft nur das Offensichtliche sieht und meutert...

 

Piraten sind Schurken und Halsabschneider – es sei denn, sie handeln aus edlen Motiven, das weiß jedes Kind. Doch die wenigsten haben Nachwuchs, der vielleicht noch schlimmer ist als er es jemals war.

In „Das Testament des Captain Crown“ bekommt es der Leser mit solchen Früchtchen zu tun. Man merkt schon recht früh, dass keiner der fünf wirklich harmlos und nett ist – was sich am Ende böse bestätigt. Während der bandagierte und halb skelettierte Viktor keinen Hehl aus seiner Boshaftigkeit macht, dabei für die sarkastischen Kommentare sorgt, zeigen seine Zwillings-Halbgeschwister erst einmal ihre hübschen Seiten, ehe auch sie ihr wahres Gesicht zeigen.

Der erste Offizier manövriert sich lange Zeit geschickt durch das Haifischbecken, muss aber am Ende feststellen, dass er sich übel im Charakter aller verschätzt hat, was nicht ohne Folgen bleibt.

Das ganze ist mit rauer Seefahrerromantik garniert – so zeigen selbst die erfahrenen Matrosen, dass sie nicht frei von Aberglauben und Angst sind, was für zusätzliche Spannung in der Geschichte sorgt. Am Ende sind so die Karten neu gemischt und sorgen dafür, dass man neugierig auf den nächsten Band ist. Die etwas derberen Zeichnungen von Patrick Henaff passen sehr gut zu dem derben Szenario, arbeitet er doch auch schon in die Gesichter die Eigenheiten der Personen und schafft die entsprechende Atmosphäre.

 

Alles in allem erweist sich „Fünf Hurenkinder“, der erste Band von „Das Testament des Captain Crown“ als spannender Auftakt einer schwarzhumorigen Piratenserie, die die Karibik einmal in einem ganz anderen Licht als üblich zeigt und mit mehr als nur einer Überraschung aufwartet.

 

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Comic:

Fünf Hurenkinder

Reihe: Das Testament des Captain Crown, Bd. 1

Autor: Tristan Roulot

Zeichner: Patrick Hénaff

Farbe: Jean-Noel Le Moal

Le testament de Capitaine Crown – Cinq entfants de Putain, FR 2010

Ema, erschienen Oktober 2011

Harcover-Album, 48 Seiten

Übersetzung aus dem Französischen von Marcel Le Comte

ISBN-10: 3770435060

ISBN-13: 978-3770435067

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 08.11.2011, zuletzt aktualisiert: 07.04.2019 17:49