Für ein paar Leichen mehr (Preacher Bd. 4)
 
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Für ein paar Leichen mehr

Reihe: Preacher Bd. 4

Rezension von Christian Endres

 

Im Vorwort zum vierten Hardcover-Band der schön aufgemachten Panini-Gesamtausgabe von Preacher, dem legendären Vertigo-Kracher von Autor Garth Ennis und Zeichner Steve Dillon, entzaubert die irische Comic-Skandalnudel Ennis diesmal nicht nur höchstpersönlich den romantischen Mythos »Wilder Westen« - zugleich gibt Ennis auch eine fundierte Liebeserklärung für das Western-Genre im Allgemeinen und John Wayne im Besonderen zum Besten. Sein Freund und gewohnheitsgemäßer Mittäter Steve Dillon hat in diesem vierten Band der Saga dagegen Pause - dafür dürfen Carlos Ezquerra, Steve Pugh und Richard Case sich in den drei vorliegenden Geschichten, die im Original (wie auch im ersten Anlauf auf Deutsch, damals bei Speed) einst als Specials der regulären Serie erschienen, zeichnerisch austoben.

 

Zunächst servieren uns Ennis, Ezquerra und Pugh einen fast schon klassisch-straighten Western, der uns endlich die Origin des Heiligen der Killer näher bringt. Sieht man vom Bruch im Artwork zwischen den Kapiteln drei und vier (also dem Wechsel von Carlos Ezquerra auf Steve Pugh) ab, ist diese Herkunftsgeschichte eine großartige Story, die sich in ihrem Verlauf von einem beinharten, stimmungsvollen Western in eine typische Ennis-Geschichte verwandelt, in welcher sogar der Teufel und der Engel des Todes in der Hölle Karten spielen, als plötzlich ein gewisser Cowboy am vermeintlichen Ende seines Rachefeldzugs vorbei kommt und die Schwefelbude da unten ganz schön auf den Kopf stellt. Den Beteiligten bleibt folglich gar nichts anderes übrig, als sich auf einen Pakt einzulassen ...

 

Auch die nachfolgende Geschichte um ›Arschgesicht‹ versprüht angenehm viel Preacher-Flair. Zugleich ist sie aber auch ein sozialkritisches Werk in wirklich allerbester Ennis-Manier, das einen Gratis-Arschtritt für alle Nirvana- oder generell alle ungesund fanatischen Über-Fans von irgendwem bereithält. So ungewöhnlich und überdreht die Story manchmal auch sein mag, so offenkundig demonstriert sie doch zugleich auch Ennis gern außer Acht gelassene Stärke, um diverse Unanständig- und Abartigkeiten eine wirklich substanzvolle, kritische Geschichte zu spinnen.

 

Bei den »guten Jungs« der letzten Story handelt es sich dann schließlich um niemand anderes als Jody und T. C., die wir schon aus dem zweiten Sammelband kennen, wo sie Reverend Jesse Custer gehörig zugesetzt haben. Diesmal bekommen die skrupellosen Hillbillys jedoch sogar ein paar Sympathie-Punkte ab, obwohl Ennis in dieser letzten Geschichte noch mal richtig Gas gibt und den guten Geschmack rasch völlig über Bord wirft ...

 

Ein starker Western, ein knackiges Sozial-Drama und die nicht ganz überzeugenden Zoten der letzten Geschichte: Das macht »Für ein paar Leichen mehr« jetzt nicht gerade zum Highlight der generell lobenswerten Preacher-Neuauflage im dicken Hardcover oder zum idealen Einsteigerband - als kleine Dosis Preacher für zwischendurch taugt der Band trotzdem, und im nächsten sind Cassidy und Jesse ja auch schon wieder zurück.

 

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202306072213326b1876a9
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Für ein paar Leichen mehr

Reihe: Preacher Bd. 4

Autor: Garth Ennis

Zeichner: Carlos Ezquerra,

Steve Pugh u. Richard Case

Hardcover, 240 Seiten

Panini, September 2008

ISBN: 3866076290

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 23.09.2008, zuletzt aktualisiert: 20.02.2023 19:18