Garfield 1978-1980 (Garfield Gesamtausgabe Bd.1)
 
Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Garfield 1978 bis 1980 von Jim Davis

Garfield Gesamtausgabe Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Guess who’s back, guess who’s back, guess who’s back ...

– He’s a cool cat, he’s a cool cat, he’s a cool cat ..

 

Er ist der fettste, faulste, sarkastischste und wahrscheinlich berühmteste Kater, den die (Comic-)Welt je gesehen hat: Garfield. Derzeit erscheinen die täglichen Strips mit den zynischen Alltagsgeschichten des getigerten Katers in über 2500 Zeitungen weltweit – und erreichen damit über 260 Mio. Leser! Doch damit nicht genug, denn nun hat Jim Davis’ liebenswerter Faulpelz und Vorzeige-Fresssack vom Ehapa-Verlag auch noch eine eigene Werkausgabe im Hardcover spendiert bekommen, deren erster Band die Zeitungsstrips der Jahre 1978 bis 1980 sammelt – und dem Leser damit die Ursprünge der Figur und ihres Umfelds zeigt ...

 

Sollte es wider Erwarten trotzdem noch jemanden geben, der mit Garfield nur wenig bis gar nichts anfangen kann, dem mag vielleicht der Text vom Backcover des ersten Bandes der Werkausgabe helfen, sich ein Bild von dem zu machen, was ihn erwartet:

 

»Ein Muss für jeden Katzen-Feind und jeden Katzen-Liebhaber! Band 1 der Garfield Gesamtausgabe, in dem er Lasagne mampft, Hunde jagt, einen Postboten zerlegt, lacht, jammert und faucht, seinen Besitzer zerkratzt und viel, viel mehr. In einer farbig illustrierten Einführung werden dem interessierten Leser wissenswerte Hintergründe zum Autor der Serie, seiner fettfaulfilosofischen Schöpfung Garfield und seinen Freunden und Widersachern humorvoll und sachkundig serviert.«

 

19. Juni 1978. Der erste Garfield-Zeitungsstrip wird in vierzig amerikanischen Zeitungen abgedruckt. 27. November 2006. Keine dreißig Jahre danach ist der fettfaulfilosophische Lasange-Crack der Comicstrip-Held, der sich über die größte Präsenz auf dem weltweiten Zeitungsmarkt freuen darf – häufiger abgedruckt als die Peanuts, ja sogar häufiger abgedruckt als Calvin and Hobbes. Garfield hat Ende der 80er obendrein seine eigene Zeichentrickserie bekommen, ist ein echter Held der Merchandise-Welt (Jim Davis gründete extra eine Firma zur Qualitätssicherung und -Überwachung, damit mit den Lizenzen kein Schabernack getrieben wird und diese ordentlich verwaltet und genutzt werden ...) und hat es nun schon zwei Mal als Streifen mit einem animierten Titelhelden auf die Leinwand in den großen Lichtspielhäusern geschafft.

 

Nach Aufklappen des querformatigen Sammelbandes und dem Lesen der ersten Strips ist es auch das, was für ein bisschen Verwunderung sorgt: Der Garfield der ersten Strips sieht nämlich nicht aus wie der Garfield, den wir von den oben genannten Lizenzprodukten oder den Comicstrips jüngeren Datums kennen. Regelrecht unförmig und klobig erscheint die Welt samt des populären Katers in knapp den ersten beiden Dritteln des vorliegenden Bandes. Doch ist das wirklich ein Nachteil? Ich denke nicht. So können wir immerhin miterleben, wie sich Davis’ recht einfaches und reduziertes, dafür aber enorm aussagekräftiges Artwork mit der Zeit weiter entwickelt hat – was für die spärlich ausgestalteten Hintergründe ebenso gilt wie für das Aussehen von Vorzeige-Zyniker Garfield selbst.

 

Kunstschaffen und Kreativsein ist stets ein Prozess – um so schöner ist es da doch, diesen Prozess nun einmal Strip für Strip miterleben und -verfolgen zu können. Schön mag hier vielleicht nicht unbedingt für gewohnt oder gar perfekt stehen, aber definitiv doch für interessant und menschlich. Denn auch ein Jim Davis, von der Popularität und Beliebtheit, aber auch dem [kommerziellen] Erfolg seiner Figuren her nicht sonderlich weit entfernt von anderen Cartoonisten-Größen wie Bill Watterson oder Charles M. Schulz, hat am Anfang einige Striche »daneben« gesetzt und einige Zeit gebraucht, bis sein Kater die Rundungen – und damit letztlich auch das Aussehen – hatte, für das er heute auf der ganzen Welt berühmt ist. Es macht Davis – und damit letztlich auch Garfield und den Siegeszug dieser Figur und seiner täglichen Zeitungscomicstrip-Abenteuer – ungemein menschlich und sympathisch, aber auch sehr, sehr authentisch, wenn man sieht, dass auch hier nicht von Anfang an jeder Schlag ein Treffer war und die Figur langsam in ihre Beliebtheit, ihre Raffinesse und ihren späteren Erfolg hineingewachsen ist.

 

Würde Garfield also einen seiner dramatischen Augenblicke haben, würde er es im inneren Monolog wohl folgendermaßen ausdrücken: Die Anfänge. Der Beginn einer Legende. Der Grundstein eines Imperiums. Die Geburt eines Mythos.

 

Und wo die Zeichnungen zu Beginn noch etwas gebraucht haben, um sich zu festigen, da haben die kernigen Stories der Strips in der Regel schon gleich von Beginn an zu gefallen verstanden, wenngleich sich ihr Charakter (bzw. Garfields Charakter) ebenfalls, wenn auch subtiler als das Artwork, bis zu einem gewissen Grad ständig weiterentwickelt haben. Von Anfang an dieser Entwicklung beteiligt: Herrchen Jon, Untermieter Lyman und natürlich Hund Odie – allesamt auf ihre Art und Weise ziemlich skurrile Gestalten, die perfekt zu Garfields Metier passen und stellenweise den idealen, ja in Jons Fall fast kongenialen Gegenpart für Garfields Ego bieten.

 

Das stabile Hardcover im Querformat, das im geschlossenen Zustand kompakt-stolze 21,5 x 17 cm vorzuweisen hat, bietet nicht nur den üblichen und bewährten Rhythmus bei Sammelbänden mit Zeitungscomicstrips (also immer sechs einzeilige Wochentagsstrips und ein ganzseitiger, mehrzeiliger Sonntagsstrip), sondern besticht darüber hinaus auch durch eine konsequent durchgezogene, sehr schöne Gestaltung und hervorragende Verarbeitung. So freut sich der Leser bzw. Sammler zum Beispiel über ein Vorsatzpapier mit dezenten Katzenpfotenabdrücken, während im Innenteil die einzelnen Strips ebenfalls durch eine Reihe kleiner Katzentapser optisch getrennt werden. Auch Verarbeitung, Titelgestaltung (schlicht, aber plakativ und vor allem dann sehr ansehnlich, wenn erst einmal mehrere Bände mit abgewandeltem Motiv, aber gleichem Design erschienen sein werden), Backcover und insbesondere der Buchrücken, aber eben auch Papierqualität, Druck, Bindung und eine sinnige Druckveredelung mit Glanzlack auf dem ansonsten mattschwarzen Cover runden das Erscheinungsbild des ersten Bandes der Garfield-Gesamtausgabe schön ab – und wecken die Hoffnung, eines Tages eine wirklich außergewöhnliche, edle Werkausgabe in den Händen zu halten, die ihrem Inhalt in jederlei Hinsicht gerecht wird und würdig ist.

 

Ehe der Leser und geneigte Katzenfreund (oder -hasser) sich auf die Zeitungsstrips aus den Jahren 1978 bis 1980 stürzen kann, gibt Übersetzer Wolfgang J. Fuchs (der im Folgenden bis auf den ersten Strip, wo der direkte Vergleich zwischen dem englischen Original und der Übersetzung – und hier vor allem das »to entertain you«/»euch zu amüsieren« – möglich ist und etwas irritiert, einen guten Job gemacht und vor allem den zynischen Ton bei Garfields Monologen schön eingefangen hat) dem Leser einige knackig verpackte Informationen über den Schöpfer, die Entstehung und natürlich den weltweiten Erfolg von Garfield mit auf den Weg. Recht schön illustriert und gut geschrieben, erfahren wir so, wie Jim Davis auf die Idee kam, einen fetten, zynischen, morgenmuffeligen Kater zum Helden eines Comicstrips für die Tageszeitungen Amerikas zu machen – und wie es dazu kam, dass Garfield bald einer der berühmtesten und meistverkauften Comicstrips der Welt wurde ...

 

Fazit: Garfield kennt eigentlich jeder – egal ob als Figur auf der Brotzeitbox für den Nachwuchs, als Cartoon-Held oder eben jüngst als Leinwandhelden. Hier nun liegen die Anfänge und Wurzeln dieser Figur gesammelt auf deutsch vor – und das in einer wunderschönen Ausgabe.

 

Vielleicht noch ein Hinweis für all diejenigen, die Garfield nur aus dem Kino kennen: Man nehme die ersten 20 Minuten des Films, setze den allgegenwärtigen Zynismus-, Boshaftigkeits- und Sarkasmus-Level noch um zwei Stufen nach oben – und fertig sind die hier versammelten Garfield-Strips, die 320 Seiten lang bestens unterhalten und einen fiebrig auf den zweiten Band dieser Edition warten lassen ...

 

Das ist sie, die definitive Werkausgabe, die der kultige Kater eigentlich seit Jahren verdient hat! Selbst am frühen Morgen, wenn das Katergemüt noch grummelig-muffig ist, steht in diesem Falle ausnahmsweise schon ganz klar fest:

 

Zugreifen, so lange die Lasagne noch heiß ist!

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402221144185294abe7
Platzhalter

Comic:

Garfield: 1978-1980

Reihe: Garfield Gesamtausgabe Bd. 1

Autor/Zeichner: Jim Davis

Verlag: Ehapa Comic Collection

Hardcover-Album, Querformat,

320 Seiten

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3770430476

Erhältlich bei Amazon


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 26.11.2006, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53, 3116