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Gaston

Gesammelte Katastrophen in 19 Bänden | Band 4

Rezension von Christian Endres

 

Mit der Routine schleicht sich in vielen Dingen des Lebens zuweilen gerne die Langeweile ein. Nicht so bei André Franquins Vorzeige-Chaoten Gaston, den der frankobelgische Comic-Titan viele, viele Jahre lang betreute und der stets als des Meisters liebstes Kind galt. In seinen Strips über den Redaktions-Schussel der Pilote- bzw. im Deutschen der Carlsen-Redaktion hat Altmeister Franquin wie Schulz, Davis oder Watterson den Stillstand und die Routine quasi perfektioniert und kultiviert: Gastons Mikro-Universum glänzt gerade durch detailfreudige Beständigkeit und Gewohnheit, durch eine erhabene Kontinuität und Qualität der vertrauten Gags und deren Muster.

 

Anders als die meisten anderen Berühmtheiten der frankobelgischen Szene (also Asterix, Lucky Luke oder Spirou, um nur ein paar zu nennen), erlebte Gaston nie episch anmutende Abenteuer in Albenlänge, sind seine Episoden von der Portionierung her immer überschaubar. Also legte Franquin all sein zeichnerisches wie erzählerisches (und nicht zuletzt auch humoristisches) Know-How in die Comic-Kurzstrecke, den Strip, und machte seine Gaston-Episoden nicht nur zu einem wichtigen Beitrag des französischen Comic-Magazins Pilote, sondern Gaston auch zu einer der beliebtesten Figuren des gesamten europäischen Comic-Marktes.

 

Voller liebevoller Details und lieb gewonnener Charaktere lässt Franquin den Alltag in der Redaktion auf dem Papier auferstehen, nur damit sein trottelig-laxiger Ziehsohn im grünen Pullover eben genau diesen Alltag – absichtlich oder nicht – regelmäßig sabotieren und zerstören kann. Wie gewohnt werden einfache Büro-Tätigkeiten, etwa die Post, Vertragsunterzeichnungen oder ein kaputter Locher, zu einer gewaltsamen Katastrophe, wenn Gaston seine Finger im Spiel hat. Meistens meint er es nur gut, sicher – trotzdem treibt er speziell seinen Vorgesetzten Fantasio in den Wahnsinn und setz ihm körperlich wie seelisch ganz schön zu.

 

Nach den Erfindungen und den Kuh-Gags aus dem dritten Album versammelt der vorliegende vierte Band der schön aufgemachten Neuausgabe die Gaston-Schoten Nummer 190 bis 268 aus den Jahren 1962/63. Und auch bei dieser chronologischen Auswahl gilt wieder: Franquin und sein Gaston garantieren Lachen und Schmunzeln und gute Laune.

 

Liebenswerter Tollpatsch, verschlafener Redaktions-Chaot und hier und da sogar rachsüchtiges Kollegenschwein – nach fast 200 Gags hat der Büroteufel, Hobby-Bastler und Schrecken jeder Comic-Redaktion seine Extreme und Gag-Muster endgültig gefunden.

 

Und lebt sie vielleicht besser denn je aus.

 

 

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Gaston Bd. 4

von André Franquin

Softcover-Album, 48 Seiten

Carlsen, September 2008

ISBN: 3551754349

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 06.10.2008, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53