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Gaston

Gesammelte Katastrophen in 19 Bänden | Band 5

Rezension von Christian Endres

 

»Das gibt’s doch nicht! Er hat tatsächlich nachgedacht!«, staunt Fantasio, als Gaston ein weiteres vorprogrammiertes Unglück mit ein wenig Gelenkigkeit seines schlaksigen Bürobotenkörpers umgeht. Eine besonders hohe Meinung hat Gastons Umwelt, wie man sieht, trotzdem nicht von André Franquins comicliterarischem Ausnahme-Chaoten. Dabei ist Gaston ein ziemlich heller Kopf, wenn man mal kurz drüber nachdenkt und sich seine mannigfaltigen Erfindungen und Lösungsansätze für die kleinen und großen Hürden des Alltags in der »Carlsen-Redaktion« anschaut.

 

Was dem guten Gaston jedoch fraglos fehlt, das ist Glück – und ja, natürlich, die Umsicht. Wie sonst könnte man erklären, dass er schon im ersten Strip dieses Bandes mal wieder die schon jetzt legendäre Vertragsunterzeichnung mit dem cholerischen Herrn Bruchmüller durchkreuzt, indem er seine neue Bowlingkugel in guter Absicht auf dem Fensterbrett parkt – unter dem wiederum Bruchmüller seinen funkelnagelneuen PKW geparkt hat. Folglich nimmt das Unglück seinen Lauf. Allerdings hilf es auch nichts, Gaston im Heizungskeller einzusperren – wovor der manchmal reichlich rabiate Fanatasio in seiner Not nicht zurückschreckt. Denn selbst wenn man Gaston im Keller als gelöstes Problem betrachtet, schafft der Vorzeige-Tollpatsch es noch, die Vertragsverzeichnungen unwissentlich (!), aber entscheidend zu sabotieren...

 

Zu diesem frühen Gaston-Evergreen gesellen sich auf den 48 Seiten des wie immer sehr schön aufgemachten fünften Bandes der Neuauflage in 19 strahlend gelben Alben freilich noch eine Vielzahl weiterer Gags nach altbekanntem oder auch neuem Muster: Im Detail sind das die Strips Nummer 269 bis 348 aus den Jahren 1963 und 1964. In diesen Strips erlöst Gaston z. B. eine schon früh am Tag schwer schuftende Arbeiterschaft, weil sie seinen Gesang für die Feierabend-Sirene halten, und lockt mit seinem Gespiele sogar einen verliebten Buckelwal an oder lässt die Tiere des Waldes im Kollektiv die Flucht ergreifen. Und dann ist da noch sein genialer Einfall, als Gaston dem Glatteis mit einem Flammenwerfer aus alten Armeebeständen zu Leibe rückt. Ansonsten kann Gaston es – wie üblich – mal wieder niemandem recht machen, ganz unabhängig davon, wie viel Mühe er sich gibt. Zieht er die Bretter für ein neues Regal mit einem Seil an der Außenwand hoch, weil er Ärger fürchtet, wenn er den Fahrstuhl nimmt, steht die Büromeute der Stockwerke unter ihm am Ende gesammelt hinter dem jungen Mann mit dem grünen Pullover. Und dann waren da noch ein Herz für Hummer und der Wasserhahn, den Gaston das ganze Wochenende über aufgedreht ließ...

 

Zur Zeit der Entstehung dieser Gags hatte Gaston noch keine ganzen zehn Jahre auf dem Buckel – und trotzdem war er schon damals ein hoch geschätzter Klassiker der frankobelgischen Szene und ein Liebling der Fans. Wer sich fragt, wieso und warum, blättert einfach mal in dieses wunderschöne fünfte Album. Denn auch 45 Jahre nach Entstehen der Strips haben diese nichts von ihrem Charme oder Witz verloren und zaubern immer noch mit Leichtigkeit ein Schmunzeln, ein Lachen, ein amüsiertes Kopfschütteln oder einfach nur gute Laune herbei.

 

Der leichtlebige Gaston und sein schwermütiger Vater Franquin wurden nicht älter – sie wurden besser.

 

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Gaston Bd. 5

von André Franquin

Softcover-Album, 48 Seiten

Carlsen, Oktober 2008

ISBN: 3551754357

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 27.10.2008, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53