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Geheimsache Mauer

Filmkritik von Christel Scheja

 

„Die Mauer“ mag bereits gut zwanzig Jahre nicht mehr existieren, aber der Sperrgürtel, der ein Land und eine Stadt teilte, ist immer noch in den Erinnerungen vieler Menschen präsent. Zwei Generationen sind in ihrem Schatten diesseits und jenseits der Grenze aufgewachsen und haben teilweise ihre ganz eigenen Erfahrungen mit ihr gemacht. Einige sind durch den Dienst an der Grenze zu Verbrechern geworden, andere wieder haben ihr Leben verloren oder Narben zurück gehalten. Und eines ist bis heute deutlich – in keinem Land wurde der eiserne Vorhang sichtbarer gemacht als hier.

 

Christoph Weinert und Jürgen Ast erzählen die Geschichte der deutschen Mauern – in Berlin und der innerdeutschen Grenzen von ihrem Anfang bis zum Ende. Ja sie wagen sogar einen Blick in eine Zukunft die glücklicherweise nicht mehr eingetreten ist und zeigen eine animierte „Mauer 2000“.

Dann kehren sie ganz an den Anfang zurück.

Auch wenn der damalige Staatschef der DDR, Walter Ulbricht, noch im August 1961 beteuertem dass niemand eine Absicht habe, eine Mauer zu errichten, liefen im Hintergrund bereits die Planungen und Vorarbeiten, die Grenzen abzuschotten, über die immer noch viel zu viele Staatsbürger der DDR entkamen.

Und am 13. August 1961 war es dann so weit. Kampftruppen begannen vor allem in Berlin, Häuser zu räumen, die genau an der Grenze lagen, deren Fenster zu vermauern und Stacheldraht auszulegen. Nur noch wenige, gut übersehbare Grenzübergänge wurden offengelassen.

Das war nur der Anfang einer gezielten Abschottung der DDR von den westlichen Brüdern und Schwestern. Natürlich versuchten auch jetzt noch immer wieder Menschen in den Westen zu entkommen, aber es war schwerer geworden, selbst die in mühevoller Kleinarbeit gegrabenen Fluchttunnel unter der immer perfekter ausgebauten führten nicht immer zum Ziel.

An der innerdeutschen Grenze wurden neben Wachtürmen sogar Selbstschussanlagen aufgestellt, die über viele Jahre für öffentliche Proteste sorgten, bis sie schließlich auf internationalen Druck verschwanden. Und Ende der 1980er Jahre kam durch die Entspannungspolitik dann schließlich auch das physische Ende der Mauer.

 

Die Dokumentation erzählt die Geschichte in einer Mischung aus Spielszenen, Augenzeugenberichten, Filmausschnitten und Animationen um zu zeigen, welche Beweggründe die SED-Führungsspitze hatte, die Mauer zu errichten und mit welcher Sorgfalt sie daran gingen, ihre Pläne in die Tat umzusetzen.

Ehemalige Soldaten der Volksarmee und Angehörige der Kampftruppen erzählen offen, wie sie den August 1961 und die darauf folgenden Jahre erlebt haben, und verschweigen nicht, dass sie lange Zeit auch an die Richtigkeit der Befehle geglaubt haben. Opfer und Augenzeugen erzählen von dramatischen Fluchtversuchen, bei denen nicht selten ein hoher Preis gezahlt wurde. Filmaufnahmen ergänzen die Berichte mit entsprechenden Aufnahmen und zeigen das Bild der Mauer in Ost und West, aber auch, wie man plante den Schutzwall gegen den Westen immer perfekter zu machen, auch wenn die DDR als Staatengebilde längst in sich zusammenbrechen drohte.

Dabei verzichten die Autoren und Regisseure bewusst darauf, all zu sehr zu werten, auch wenn das berechnende Kalkül und die kaltschnäuzigen Planungen bereits aus den Filmberichten deutlich werden. Immerhin verdammen sie nicht die Menschen, die dem Staat und ihren Funktionieren gedient haben – denn es gibt einige, die über die Jahre auch zur Besinnung gekommen sind. Viele andere haben die Schreckensbilder der Mauer so gut sie konnten verdrängt, wie die Leiterin eines Kinderheimes, dass sehr dicht an der Berliner Mauer stand.

Die Zuschauer sollen sich letztendlich selbst ein Bild machen und das was sie sehen mit ihrer Erinnerung vergleichen, wenn sie alt genug sind, die Mauer noch erlebt zu haben. Dazu zeigt die Dokumentation verschiedene Facetten des Mauerbaus und seiner Folgen.

Das Bonusmaterial ergänzt die 90 min des Films passend, auch wenn es nicht ganz so umfangreich ist. Bild und Ton entsprechen dem Standard des deutschen Fernsehens.

 

Alles in allem ist „Geheimsache Mauer“ eine sehr interessante und vielschichtige Dokumentation, die auf mehreren Ebenen zeigt, wie und warum der in Beton gegossene Wall in Berlin und der innerdeutschen Grenze entstanden ist, und welche Wirkung er auf die Menschen auf beiden Seiten der Grenze bis zu seinen Ende gehabt hat.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205175028d3ceec7c
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DVD:

Geheimsache Mauer

(DVD; Dokumentation; FSK 12)

Regisseur(e): Christoph Weinert, Jürgen Ast

Format: Dolby, PAL, Region 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 1. August 2011

Produktionsjahr: 2011

Spieldauer: 90 Minuten

ASIN: B0052PKIFK

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 11.08.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01