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George der aus dem Dschungel kam (Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Vor einigen Jahren galten die Nintendo-Konsolen als die Wiege des klassischen Jump ’n’ Run-Systems. Eine regelrechte Flut an neuen Spielen säumte insbesondere das 2D-Zeitalter und verhalf den ersten Hardware-Titeln von Japans erfolgreichem Videospielerbauer gerade wegen der fetten Genre-Ausbeute zu reißenden Absatzzahlen. Mittlerweile trauen sich nur noch wenige Design-Firmen an das altbewährte Spielsystem heran, wobei vor allem auf der Wii noch zahlreiche Lücken zu schließen sind. „Super Mario Galaxy“ sollte den Anfang machen, bleibt aber bis auf weiteres ohne Konkurrenz. Ein Missstand, der nun scheinbar von den Machern der TV-Serien-Adaption „George der aus dem Dschungel kommt“ erkannt wurde. Die Abenteuer des sympathischen Urwald-Helden können nun auch auf Nintendos bewegungsreicher Konsole nachempfunden werden, und dies in einem ähnlichen durchgeknallten Setting wie in der momentan ausgestrahlten TV-Reihe im Privatfernsehen. Doch ist der tollpatschige George auf der Wii ein ebensolcher Spaßgarant wie in seinen herkömmlichen Bildschirmabenteuern?

 

 

Das Spiel:

 

Tatsächlich, „George der aus dem Dschungel kam“ ist ein urtypisches Jump ’n’ Run und als solches durch und durch mit altbewährten Inhalten und Mechanismen ausgestattet. So begleitet man den Titelhelden und seine vielen Urwaldfreunde durch insgesamt elf Levels und sammelt dabei die Notizen eines wichtigen Forschungsprojekts auf, die nach einem Streit zwischen den beiden Doktoren Scott und Wodu in alle Winde verstreut werden. Der Auftrag ist also klar, zumal die beiden Töchter der zerstrittenen Ärzte bereits an einer Krankheit leiden, die mit besagter Forschung bekämpft werden soll, und für deren Therapie die Notizen dringend gebraucht werden. Wer also scheint da besser geeignet, als der tollpatschige Tarzan-Lookalike George, dem die folgenschwere Aufgabe zukommt, sich durch en Dschungel zu kämpfen und sich mit allerhand weniger netten Tiki-Kriegern herumzuschlagen.

 

Ebenso klar wie der Auftrag ist auch das System definiert: George hüpft von Plattform zu Plattform, hangelt sich an allerlei Pflanzen und Ranken entlang, schaltet in der Zwischenzeit einige unliebsame Zeitgenossen mit seiner unkonventionellen Angriffstechnik aus und versucht sich zu gegebenem Zeitpunkt auch an einigen leichten Rätseln, die das Spiel ein wenig auflockern. In manchen Zwischensequenzen gilt es zudem, ein paar nette Mini-Spielchen zu absolvieren, die den Witz des Spiels spürbar anheben.

 

Letzteres ist aber im Hinblick auf die manchmal wirklich unfair aufbereiteten Boss-Charaktere aber auch zwingend nötig. Der Anspruch wechselt hier im Vergleich zum übrigen Leveldesign beträchtlich und artet stellenweise auch in ein wenig Frust aus, da man sich immer wieder die Zähne ausbeißt – unter anderem auch wegen der manchmal etwas unsensiblen Steuerung.

 

Davon abgesehen sind die Mechanismen weniger innovativ, deswegen aber sicherlich nicht schlechter oder besser als in einem Standard-Jump ’n’ Run. Anders ist lediglich die Spielatmosphäre, die vorrangig auf den Witz bei der Inszenierung zielt und gerade bei den Konfrontationen mit den vielen bösen Tierchen greift. Wenn George sich gegen Krokodile und Schildkröten zur Wehr setzt, ist jedenfalls einiges fürs Zwerchfell geboten.

 

 

Technik/Grafik:

 

Leider ist das Handling auf der Wii unnötig kompliziert. Die Bewegungsabläufe sind zwar weitestgehend fließend, und sobald man ein Gefühl für die Jump-Elemente gewonnen hat, gehen diese auch gut von der Hand. Aber besonders das Kampfsystem ist ziemlich grob abgestimmt und stellt einen immer wieder vor Probleme. Zudem ist die Aufarbeitung der Konfrontationen auch ein wenig realitätsfremd. Abgesehen von manchen Schlenkern in den Laufattacken, die George von Zeit zu Zeit vornimmt, handelt es sich hierbei meist um uninspirierte Hackerei auf der Wiimote, bei der George außerdem nicht immer wie gewünscht reagiert. Die Steuerung ist jedenfalls eine der Kleinkrankheiten, die den Spielspaß später sichtlich reduzieren, und zudem auch ein Ärgernis, welches sich auch bei wachsender Spielerfahrung nicht abschalten lässt.

 

Grafisch wiederum orientiert sich das Ganze sehr stark an der TV-Vorgabe. Enttäuschend ist allerdings, dass die 3D-Impressionen sich lediglich auf die Background-Gestaltung reduzieren, während für das aktive Geschehen leider nur 2D geboten ist. Dies kompensiert der Titel jedoch wieder mit einer kunterbunten, sympathischen Optik, deren Comic-Stil nicht nur das jüngere Publikum, die eigentliche Zielgruppe von „George der aus dem Dschungel kam“, ansprechen dürfte. Auch wenn – mittlerweile Wii-typisch - ein paar Abstriche im visuellen Bereich gemacht werden müssen, so ist das letztendliche Erscheinungsbild immer noch richtig nett.

 

 

Spielspaß:

 

„George der aus dem Dschungel kam“ ist definitiv ein Titel für die kleinere Spielgemeinde, weshalb man die Ansprüche an das Jump ’n’ Run keinesfalls mit zu großen Ansprüchen versehen sollte. Dennoch wird der allgemeine Spielspaß zwischenzeitlich durch einige unnötige Stolpersteine gehemmt, begonnen bei der etwas gewöhnungsbedürftigen, manchmal leider auch unsensiblen Steuerung bis hin zum teils stark divergierenden Schwierigkeitsgrad bei den normalen und den Boss-Gegnern. Ausgerechnet hier wird das Spiel seinem jugendlichen, frischen Charakter nämlich gar nicht gerecht und überrascht mit einigen unfairen Inhalten.

 

Andererseits ist der Witz der Serie auch im gleichnamigen Spiel immerzu präsent. Die grafischen Schmankerl sind stellenweise Garanten für beste Zwerchfellbeanspruchung, und auch die sympathischen Charaktere selber sind für anständige Videospielunterhaltung immerzu gut. Nur eben reicht dies leider nicht, um den potenziellen Interessenten langfristig bei der Stange zu halten, wenn das Spiel ansonsten keine wirklichen Glanzpunkte setzt. Und dies ist leider eben nur bedingt der Fall. Problematisch ist neben der Steuerung und besagten Härte-Unterschieden insbesondere der erwartungsgemäß geringe Spielumfang. Die linear strukturierten Levels sollten Genre-Erfahrenen kaum Probleme bereiten, daher ist man in gut und gerne zwei bis drei Stunden auch locker durchmarschiert – und das ist beim Standardpreis eines neuen Wii-Titels eben nicht wirklich kundenfreundlich.

 

Andererseits ist das Spiel für die entsprechende Zielgruppe sicherlich eine nette Sammlungsergänzung, deren Reizfaktor zwar langfristig eher gering ist, welche aber insgesamt sicherlich seine Vorzüge hat. Und davon mal abgesehen: Wie viele wirklich gute Jump ’n’ Run-Spiele gibt es für die aktuellste Nintendo-Konsole schon?

 

 

Fazit:

 

„Gorge der aus dem Dschungel kam“ ist in dem Sinne eine Bereicherung für den Wii-Markt, dass die Konkurrenz äußerst dürftig ist und man keine großen Anforderungen erfüllen muss, um im schmal besetzten Genre zu bestehen. Andererseits ist das Spiel weit davon entfernt, wirkliche Maßstäbe zu setzen. Zu viele Kinderkrankheiten dämmen den Spielspaß ein und machen „George der aus dem Dschungel kam“ insgesamt eher zu einem durchschnittlichen Titel, der glücklicherweise noch von seinem feinen Humor zehren kann.

 

(Anklicken zum Vergrößern)
 

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George der aus dem Dschungel kam (Wii)

von dtp Entertainment

Plattform: Nintendo Wii

USK-Einstufung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gem. 14. JuSchG

ASIN: B0013IJ2B6

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 10.05.2008, zuletzt aktualisiert: 22.02.2015 06:43