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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol.2

Filmkritik von Oliver Kotowski

 

2032 ist das Flüchtlingsproblem in Japan immer noch ungeregelt, was verschiedene Machtgruppen für sich nutzen wollen – die Sektion 9 muss sich mit tief reichenden Intrigen auseinandersetzen. Die packende Anime Reihe von 2004 knüpft locker an die Mangas von Masamune Shirow an.

 

Im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wird sich vieles geändert haben – aber manches wird gleich bleiben. Seit dem nuklear geführten 3. Weltkrieg sind Teile der Welt stark verstrahlt. Japan ist dem dank des "Japanischen Wunders", Naniten, die radioaktiven Elementen entgegenwirken, relativ unbeschadet entgangen. Doch seitdem drängen sich viele Flüchtlinge ins Land und die Regierung hat dieses Problem seit 15 Jahren nicht in den Griff bekommen. Kein Wunder, denn es streiten verschieden Parteien um die Macht, Armee und Polizei verfolgen unterschiedliche Ziele und die Intentionen des Intelligence Service des Cabinets sind undurchschaubar. Dazu kommen noch Kriminelle und Terroristen, die für korrupte Politiker und Firmenbosse aus den Schatten heraus operieren. Die Sektion 9 wurde gegründet um diesen Gefahren offensiv entgegenzutreten. Und aus all den kleinen Zwischenfällen schält sich langsam ein Muster heraus…

 

Dieses ist die zweite von acht DVDs der zweiten Staffel der Anime Serie Ghost in the Shell – Stand Alone Complex. Sie enthält die Episoden fünf bis sieben.

In der fünften Episode, Motive, erhält die Premierministerin Kayabuki einen Blumenstrauß – doch die zugehörige Widmung ist eine Morddrohung von der Flüchtlings-Befreiungsorganisation. Sektion 9 soll die Sicherung der Premierministerin übernehmen. Aramaki will neben der passiven Überwachung auch aktiv den Spuren nachgehen, aber die hohen Herren legen dieses explizit in die Hände der Polizei.

Die sechste Episode, Verborgene Hitzequellen, führt Togusa in offiziell verlassene Teile des potentiell verstrahlten Tokyos. Man hatte Kotans Leichnam, einen Cyborg mit Vollprothese, gefunden. Es schien, als habe er das Energieministerium erpresst. Gerade als Sektion 9 den Verdächtigen verhaften wollte, wurde er Opfer eines Unfalls. Da die anderen Mitglieder der Sektion 9 mit dem Schutz der Premierministerin betraut sind, muss Togusa alleine ermitteln. Ein sonderbares Imprint in der Headware des Leichnams führt den kaum vercyberten Expolizisten in das 'verlassene' Tokyo, in dem Tagelöhner und Kleinkriminelle ihr Dasein fristen.

Episode 7, Rhapsodien, die Töne einer untergegangenen Nation, geben ein weiteres schmutziges Geheimnis preis: Die Regierung transportiert unangemeldet Plutonium durch bewohntes Gebiet. Nachdem Terroristen durch ein Leck von der Seeroute erfahren haben, wird eine Landroute erarbeitet. Wer wäre für den Schutz eines geheimen Transports durch das Flüchtlingsgebiet besser geeignet, als die geheime Sektion 9? Zu deren Missfallen übernimmt der undurchsichtige Kazundo vom Intelligence Service das Kommando über die Operation – das riecht nach politischer Intrige.

 

Die Geschichten sind erstaunlich unterschiedlich; während Episode 5 eher ein politischer Thriller ist, neigt Episode 6 zum politisch motivierten Krimi und Episode 7 ist ein Actionthriller mit internen Spannungen. Die soziale Problematik um die Flüchtlinge und politischen Intrigen werden bis zu einem gewissen Grad immer thematisiert. Obwohl die Geschichten fesselnd sind und immer wieder mit actiongeladenen und bedrohlichen Szenen aufwarten, werden die Plots doch eher langsam erzählt. Da die Episoden stark in einem Metaplot eingebunden sind, ist es sinnvoll sie in der richtigen Reihenfolge zu schauen – und bei der ersten Folge der Staffel anzufangen.

 

Den Charakteren der Figuren wird relativ wenig Raum gewährt. Zudem sind sich die Mitglieder der Sektion 9 diesbezüglich recht ähnlich: Es sind Profis, die für eine semimilitärische Konterterrorismuseinheit arbeiten. Da ist der scharfsinnig kalkulierende Chef Aramaki. Die intelligente und manchmal etwas eigensinnige Kommandeurin Kusanagi und der aufbrausende Batu – doch der Auftrag geht immer vor. Nur der Expolizist Togusa wird in der Episode 6 etwas näher vorgestellt. Er ist bloß schwach vercybert und fürchtet sich vor Verstrahlung. Er ist generell rechtschaffend und hilft Menschen in Not – doch er ist nicht tollkühn. Der Familienvater weiß, wann er flüchten muss und wann er sich ergeben muss. Auch die anderen Figuren werden zwar interessant, aber nur skizzenhaft charakterisiert. Premierministerin Kayabuki scheint die Flüchtlingsproblematik ernsthaft lösen zu wollen, muss aber politische Erwägungen beachten. Der Attentäter der Flüchtlings-Befreiungsorganisation hängt einem verzerrten Samurai-Kodex an. Kazundo vom CIS ist ein manipulativer Mistkerl – nur auf welcher Seite steht er?

 

Mit dem Cyberpunk entstammenden phantastischen Elementen wird nicht gegeizt. Alle Mitglieder der Sektion 9 sind vercybert – während Major Kusanagi dank Vollprothese unmenschlich schnell, stark und widerstandsfähig ist, hat Togusa nur einen direkten Zugriff auf das Netz, was den Informationsfluss erheblich beschleunigt. Und der Attentäter hat einige Tricks auf Lager, die selbst den Major herausfordern. Die Tachikomas, spinnenartige mit einer KI ausgerüstete Kampfpanzer, spielen eine eher untergeordnete Rolle. Die Elemente werden insgesamt sehr beiläufig verwendet, was zwar dem Zuschauer das Verständnis erschwert, aber wesentlich flüssiger und natürlicher wirkt.

 

Das Setting schwankt zwischen der imposanten, aber nüchternen Welt der Machtmenschen und der heruntergekommenen und schäbigen Welt der Flüchtlinge und Proletarier. Es ist für Animes überraschend stark an den Lebensbedingungen interessiert und damit als Milieu zu werden. Der relativ realistische Stil unterstützt dieses gut. In der Farbgebung neigt man ebenfalls zum Realismus, nutzt jedoch auch Mittel der atmosphärischen Untermalung – dann wird es düster. Mitunter vergisst man für Augenblicke einen Anime zu sehen, besonders, wenn keine Menschen im Bild sind. Diese sind in einem modernen Stil dargestellt: Man spürt nur noch Resttendenzen vom alten Big Eyes/ Small Mouth und die Mimik ist erkennbar, aber nicht überzogen. Standbilder gibt es keine; wenn es mal eine kurze Sequenz ohne Bewegung gibt, dann ist diese ein Moment der Ruhe. Einige Szenen werden durch Computergrafiken unterstützt, besonders wenn das Netz stärker genutzt wird. Diese Elemente werden sehr effektiv verschränkt.

 

Die Tonspur gibt es im japanischen Original und in der deutschen Übersetzung; deutsche Untertitel gibt es auch. Zu jeder Episode gibt es einen Das Leben der Tachikoma Spot – einen kurzen humorigen Sketch. Als Extra ist ein zweiteiliges Interview mit Takayuki Goto und Tetsuga Nishio vorhanden. Die beiden Künstler lassen sich vor allem über das Charakterdesign und ihre künstlerische Freiheit aus. Interessant sind die Reflektionen zur expressionistischen Stilhaltung – beide sehen die Weltanschauungen der Figuren in der Darstellung gespiegelt. Weiter sind noch einige Trailer zu Panini Videos Animes und der deutsche Abspann enthalten.

 

Fazit:

Auch die zweite Staffel von Ghost in the Shell, Stand Alone Complex bietet einen fesselnden und intelligenten Polit-Thriller im Japan des dritten Jahrzehnts des 21. Jh. Dieser Cyberpunk aus der Perspektive der Regierung wurde sehr gelungen umgesetzt. Freunde von Cyberpunk-Animes brauchen nicht zögern.

 

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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol.2

Bildformat: 16:9

Synchro: dt. (DTS, DD 5.1) und jap. (DD 5.1)

Untertitel: dt.

Spieldauer: 75 Min

2/2006 DVD

Episoden 5-7 + Extra

3-86607-266-0

EVT: 21.09.2006

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 24.10.2006, zuletzt aktualisiert: 19.11.2018 18:04