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Gruft der Vampire

Filmkritik von Christel Scheja

 

Auch wenn sie im Prinzip nur B-Movies produzierten, also Filme, die mit einem niedrigen Budget gedreht waren und nicht gerade eine besonders überraschende Geschichte erzählten, sind die Hammer-Studios doch legendär geworden.

Mit ihrem Mut einfach nur günstiges Unterhaltungskino für die Massen, die keine hintergründigen Dialoge, komplex verschachtelten Handlungen und tiefgründigen Charaktere sehen wollten, zu drehen, trafen sie immer wieder den Nerv ihrer Zuschauer. Und manchmal zwang gerade das Budget dazu, Einfallsreichtum zu beweisen und die besondere Atmosphäre zu schaffen, die fast alle Filme des Studios auszeichnet.

Das trifft auch auf einige Werke aus der Spätzeit des Studios zu. So wie etwa „Gruft der Vampire“, dem Auftakt zur sogenannten „Karnstein“-Trilogie.

 

Baron von Hartog ist nach dem Tod seiner Familie zu einem gnadenlosen Vampirjäger geworden, denn es waren Blutsauger, die ihm seine Liebsten nahmen. Es gelingt ihm, den berüchtigten Clan der Karnsteins zu vernichten – aber eine von ihnen entkommt ihm so sehr er auch nach ihrem Grab sucht.

Mircalla von Karnstein beginnt daraufhin ihr Unwesen in der Provinz Styra zu treiben. Zunächst sind die Tode junger Frauen unerklärlich. Auch der General von Spielsdorf ahnt nicht, wen er da in sein Haus holt, als er Marcilla, die Tochter einer verarmt scheinenden Gräfin, in sein Haus aufnimmt. Er glaubt, dass sie ein guter Umgang für seine Tochter Laura sei. Tatsächlich freunden sich die Mädchen an, doch schon bald wird die Generalstochter schwer krank und stirbt an Blutarmut. Marcilla verschwindet zur selben Zeit spurlos aus dem Haus und wird nicht mehr gesehen..

Der Baron von Karnstein kommt zu spät, um den General über die wahre Natur seines Gastes aufzuklären, aber er findet in dem verzweifelten Von Spielsdorf und dem ehemaligen Verlobten seiner Tochter Laura von nun an Mitstreiter in seiner Suche nach der Vampirin und anderen Blutsaugern. Gemeinsam gelingt es ihnen schließlich die Spur der letzten Überlebenden des Vampirclans aufzunehmen. Diese hat sich längst in das Haus von Roger Morton und seiner Tochter Emma eingeschlichen und geht dort wie gewohnt vor. Kommen die drei Männer rechtzeitig um das junge und nichtsahnende Mädchen zu retten, dass schon in längst in den Bann der Vampirin geraten ist?

 

Man ahnt es schon an den Namen – der Film basiert auf der Novelle „Carmilla oder der letzten Vampir“ von Sheridan Le Fanu, die bereits fünfzig Jahre vor Bram Stokers „Dracula“ entstand, aber weiblichen Vampirismus thematisierte. Auch dort trieb eine „Von Karnstein“ ihr Unwesen und schlug junge Frauen in ihren Bann. Erst nach und nach bekamen die männlichen Helden heraus, wer sie eigentlich war und handelten dann.

Die Handlung ist jedoch den modernen Gegebenheiten angepasst worden. Da es durch die Liberalisierung der Gesellschaft seit Mitte der 1960ger Jahren nicht mehr so sehr verpönt war, Sexualität offen zu thematisieren und nicht mehr schamhaft zu verhüllen, setzte auch Hammer auf die Devise „Sex sells“. Die Darstellerinnen trugen nun viel offenherzigere Gewänder und scheuten sich auch nicht unbekleidet vor der Kamera herum zu hüpfen. Der Vampirin und ihren Opfern wurden lesbische Beziehungen zugeschrieben, was die Möglichkeit gab, dem voyeuristischen Publikum gleich zwei hübsche (halb-)nackte Frauen küssend und in zärtlicher Umarmung zu zeigen.

Zum anderen wollte man mindestens einen der Stars von Hammer-Film mit dabei haben und fügte für Peter Cushing die Rolle des Generals von Spielsdorf hinzu.

Heraus kam ein Film, der nicht mehr länger nur unterschwelligen Sexappeal ausstrahlte und nur Andeutungen, sondern nackte und deutlich sichtbare Tatsachen zeigte. Immerhin vergaß man darüber nicht die Geschichte.

Das Rennen mit der Zeit ist spannend – wenn auch im Tempo der damaligen Zeit - inszeniert und lässt sich bis zuletzt ein Hintertürchen offen. Enthauptungen setzen einen brutalen Kontrapunkt zu den erotischen Szenen, die in heutigen Augen eher harmlos wirken mögen, damals aber für einen Aufruhr in der Presse sorgten.

Der Einsatz von Spezialeffekten ist eher sparsam auch die Kulissen sind leicht als Studioaufbauten zu erkennen, das gleichen aber die Dialoge wieder aus, die zwar nicht von literarischer Qualität, aber stimmig waren und die Darsteller, die teilweise sehr in ihren Rollen aufgingen, so wie Sexbombe Ingrid Pitt.

Koch Media veröffentlicht den Film in einer angenehm gestalteten Box mit einem informativen 16-seitigen Booklet, der auf die Entstehungsgeschichte des Films und seiner Nachfolger eingeht.

Aber auch auf der DVD findet sich neben einem Audiokommentar mit Darstellern und Regisseuren einiges an Bonus-Material: Trailer, eine Bildergalerie, Ingrit Pitt liest Auszüge aus Carmilla und die originalen Radiospots, mit denen damals für den Film geworben wurde.

 

Das macht „Gruft der Vampire“ zu einem Klassiker, der vor allem Gruselfans interessieren dürfte, die die Schauerromane des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mögen und auch eher klassische Umsetzungen mögen. Sie erhalten einen gut aufbereiteten Film mit erstaunlich viel Bonusmaterial, das sich sehen lassen kann.

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Eure Meinung:

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DVD:

Gruft der Vampire
Original: The Vampire Lovers, 1970
Regie: Roy Ward Baker
Drehbuch: Tudor Gates
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Bildseitenformat: 16:9
FSK: 16
Koch Media, 8. August 2008
Spieldauer: 87 Minuten

ASIN: B0019X9X50

Erhältlich bei: Amazon

Darsteller·innen:

  • Ingrid Pitt
  • George Cole
  • Kate O’Mara
  • Peter Cushing
  • Dawn Addams

Eintrag in der PhilmDB:

Gruft der Vampire


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Erstellt: 29.09.2008, zuletzt aktualisiert: 12.09.2021 10:01