Half Life 2 - The Orange Box (PlayStation 3)
 
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Half Life 2 - The Orange Box (PlayStation 3)

Rezension von Björn Backes

 

Hintergrund

 

Der zweite Teil der legendären „Half-Life“-Reihe gilt nicht nur unter Insidern als die Referenz im Ego-Shooter-Segment, heimste zur Zeit der einstigen Veröffentlichung ungleich viele Preise ein und ist auch in Sachen Background-Story womöglich das vielleicht beste Game seiner Art. Valve veröffentlichten seinerzeit einen Meilenstein, dessen Nachwirkungen nicht nur auf dem PC, sondern vor allem auch im NextGen-Konsolenzeitalter heuer deutlich zu spüren sind. Aktuelle Releases wie „Uncharted“ oder auch die neueren Ausgaben von „Cal Of Duty“ fußen mehr oder minder bewusst auf dem bewährten Spielprinzip on „Half-Life“ und haben es im Laufe der Zeit auch noch einmal mächtig ausgebaut. Dennoch: Die Mutter aller Ego-Shooter hat Standards gesetzt, die wohl von historischem Wert sind und somit auch eine Unterbringung in jede gut sortierte Sammlung rechtfertigen.

Im vergangenen Jahr ermöglichten Valve nun eine Rückbesinnung auf den Klassiker in Form der nun schon legendären „Orange Box“. Electronic Arts übernahmen die Bearbeitung von gleich fünf „Half-Life“-Titeln und pressten sie in diese randvoll bepackte Box, die neben dem zweiten Teil des Originalspiels samt der beiden Add-Ons auch noch das waffenlose Knobelspiel „Portal“ sowie den reinen Online-Shooter „Team Fortress 2“ beinhaltet. Ein Qurtal nach dem PC- und XBox-Release folgt nun auch die Umsetzung für die Playstation 3 – und begeistert einmal mehr mit fesselndem Suchtpotenzial und quantitativer Glücksseeligkeit.

 

 

Inhalt

 

„Half-Life 2“

 

Das Kernstück der Box ist sicherlich das ursprüngliche Spiel bzw. der zweite Teil von „Half-Life“, der den Titel erst so richtig salonfähig machte. Der Spieler begleitet den Protagonisten Gordon Freeman einmal auf der Flucht vor den feindlichen, äußerst aggressiven Combine und pflastern den Weg des Hauptdarstellers mit reichlich außerirdischen Leichen. Das Spiel verfügt über eine äußerst exquisite, sich ständig erweiternde Waffenauswahl, die in den beiden eingebauten Zusatzepisoden noch einmal ausgebaut werden kann und somit schon als ultimativ zu bezeichnen ist. Ziel des Spiels ist es, einen alten Bekannten, sprich den Vater seiner Weggefährtin Alyx möglichst bald aufzusuchen und gleichzeitig die feindliche Bedrohung möglichst ausführlich auszurotten. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger kämpft man in „Half-Life 2“ jedoch weitestgehend in der freien Natur, soll heißen die Kulissen der City 17 verschwinden gänzlich von der Bildfläche, as der Unberechenbarkeit mancher Szenerie aber deutlich zugute kommt. Erst später erfolgt die Rückkehr, die schließlich auch zur Rettung der alt bekannten Stadt führen soll. Derweil wird das Ganze auch im Rahmen einer Story dokumentiert, die als Zwischensequenz für kurze Auflockerungen sorgt und den hohen Anspruch des Spiels zumindest kurzzeitig ein wenig herausnimmt. Dennoch: Besonders dank der beiden Add-Ons bietet „Half-Life 2“ Potenzial für tagelanges, ununterbrochenes Rätsel- und Ballervergnügen.

 

„Portal“

 

Die wohl gravierendste Rechtfertigung für alte „Half-Life“-Hasen, dennoch auf die „Orange Box“ zurückzugreifen, ist das recht innovative „Portal“. Statt mit unzähligen Wummen auf Alien-Jagd zu gehen und die einschneidenden Fehler von Hauptdarsteller Freeman wieder ins Lot zu bringen, geht es hier lediglich um taktisches Vorgehen und handwerkliches Geschick. Wie der Name bereits verrät, gilt es, Türen und Portale mit Hilfe eines Spezialgeräts zu öffnen und sich auf diesem Wege durch eine ganze Reihe kniffliger Levels zu kämpfen. Darüber hinaus muss man schier unüberwindliche Hürden übergehen, Fallen ausweichen und natürlich ständig Ausschau nach neuen Auswegen halten. Andernfalls wird man hier relativ schnell verzweifeln. Einziger Wermutstropfen: Die Levelauswahl ist langfristig ein wenig knapp, bietet aber zumindest wegen der stark umgesetzten Ideen ein kaum zu erschöpfendes Potenzial.

 

„Team Fortress 2“

 

„Half-Life“ ist der Legende nach ein Solo-Spiel und damit ein ganz klarer, klassischer Ego-Shooter. Dennoch offenbaren derartige Genre-Vertreter meist erst ihren Reiz, sobald man im Mannschafts- oder Duell-Modus gegeneinander antritt. Damit dies auch in der „Orange Box“ gewährleistet ist, enthält die PS3-Version ebenfalls das Online-Spiel „Team Fortress 2“, an dem sich gleich bis zu 16 Spieler parallel zur dynamischen Internet-Ballerei beteiligen können. Auf insgesamt sechs verschiedenen Karten kann man sich in zwei Teams aufteilen und dort um strategisch wichtige Punkte kämpfen, Gegenstände der gegnerischen Mannschaft stehlen oder eben mit massiver Feuerkraft einen schnellen Sieg herbeiführen. Besonders interessant wird das Spiel in der Tat auch dann, wenn die Spielerzahl weitestgehend ans Limit geht. Die Aufteilung in verschiedene Charakterklassen ermöglicht dann nämlich erst ein richtig umfassendes, taktisches Feuerwerk, das den Reiz schließlich auf 100% zu bringen vermag.

 

 

Grafik

 

Bei der PS3-Variante des Spiels handelt es sich de facto um eine 1:1-Adaption des PC-Titels, was aber auch von vorne herein zu erwarten war. Somit sollte man auch einige visuelle Highlights erwarten dürfen, was aber letztendlich nur bedingt der Fall ist – zumindest im Hinblick auf die Möglichkeiten, die die Sony-Hardware zweifelsfrei mit sich bringt. Sieht man mal ganz davon ab, dass „Half-Life 2“ als Original in der schnelllebigen Videospielszene bei weitem nicht mehr zeitgemäß erscheint (das ist gerade deshalb legitim, da das Spiel im Grunde genommen nur als Bonus aufzufassen ist), wirkt das Bild manchmal ein wenig in seiner Detailfülle überfordert. Rucklige Bewegungen lassen sich also nicht ausschließen, was angesichts der grundsätzlich optimalen Voraussetzungen nur schwer verständlich ist. Diesbezüglich schnitt das Spiel am PC doch deutlich besser ab.

 

Andererseits ist die Schärfe mancher Szenen schon beeindruckend und zeigt, wenn auch mit einigen Abstrichen, was heute in diesem Bereich alles möglich ist. Bedenkt man, dass „The Orange Box“ grafisch bei weitem nicht das Maximum erreicht, ist es schon fast erschreckend, wie realistisch manche Passage letztendlich wirkt. Trotz der genannten Einschränkungen gebührt dem Ganzen also trotzdem ein gewisser Respekt.

 

 

Steuerung

 

Wer „Half-Life“ jahrelang mit Maus und Tastatur gespielt hat, wird sicherlich gehörige Schwierigkeiten bei der Umstellung aufs Gamepad bekommen. Die Tastenbelegung ist aber dennoch richtig gut, das Handling demzufolge nicht allzu komplex, so dass man sich nach einer vergleichsweise kurzen Eingewöhnungsphase dennoch recht schnell zurechtfindet. Nach ein bis zwei Stunden geht das Ganze schließlich super von der Hand, wobei man schon einiges an Arbeit auf sich nehmen muss, um sicher durch die teils recht umfangreichen Welten zu navigieren. Diesbezüglich gibt’s also absolut nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Die Umsetzung ist fantastisch!

 

 

Spielspaß

 

Bei einem Package bestehend aus fünf nahezu unabhängigen Spielen (selbst die beiden Add-Ons sind separat ansteuerbar) sollte man meinen, der Spielspaß sei unbegrenzt. Und definitiv: Man wird stunden-, tage-, mitunter auch wochenlang damit beschäftigt sein, die Vielzal an Levels zu erkunden und sich nur im Ansatz einen Eindruck davon verschaffen zu können, wie detailreich jeder einzelne Teil des Spiels (abgesehen vielleicht vom Online-Spiel „Team Fortress 2“) tatsächlich aufgebaut ist. Was den Spielspaß jedoch erst wirklich auf die Spitze treibt, ist die Diversität des gesamten Inhalts. Diesbezüglich ist gerade die Abgrenzung zwischen reinem Ego-Shooter und aggressionsfreiem Knobelspiel („Portal“) ausschlaggebend für das Langezeitpotenzial der „Orange Box“. Man hat stets die Wahl zwischen purer Rätselfreude und recht temporeichem Ballerspiel mit dezenten Adventure-Elementen, und wenn sich dann tatsächlich mal die Gelegenheit zu einer Online-Partie bietet, eröffnet diese Option gleich noch einmal ganz neue, zunächst ungeahnte Möglichkeiten, die den Reiz der Spielesammlung immer weiter anheizen. Einziger Wermutstropfen ist die altersbedingte, verminderte Fortschrittlichkeit des Titels. Gerade im Bezug auf die teils recht leicht zu bekämpfenden Gegner, deren künstliche Intelligenz doch eher gering ausgeprägt ist. Dies ist dann auch der einzige Punkt im Spiel neben den besagten Grafik-Einbußen, an dem ein wenig Kritik angebracht ist. Derzeit angesagte Konkurrenztitel wie „Uncharted: Drakes Schicksal“ sind den „Half-Life“-Titeln zumindest hier ein ganzes Stück voraus.

 

Im Vergleich zum Euphorie garantierenden Spielsystem aller fünf enthaltenen Spiele sind derartige Mängel jedoch fast schon zweitrangig. Der Langzeitspaß der „Orange Box“ ist nämlich mit bislang keinem anderen Titel dieser Sparte vergleichbar und daher auch weiterhin Referenz.

 

 

Fazit

 

„The Orange Box“ hält auch auf der Playstation 3 überwiegend das, was man sich von der üppigen „Half-Life“-Sammlung vorab erhoffen durfte. Zwar ist der Großteil des Inhalts Ego-Shooter-Veteranen schon bekannt, jedoch bieten die Zusatzoptionen in „Team Fortress 2“und „Portal“ durchaus genügend Action, als dass sie auch eine erneute Investition in die Aufarbeitung der bereits erprobten Titel rechtfertigen können. Schade ist lediglich, dass man den grafischen Standard der ansonsten völlig gleichförmigen PC-Umsetzung nicht ganz aufrechterhalten konnte, jedoch überzeugt die Playstation 3 stattdessen mit exzellentem Gameplay dank absolut brillantem Controller-Handling.

 

Insgesamt trifft die „Orange Box“ also fünfmal ins Schwarze und ist besonders in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis für ein PS3-Game unschlagbar. Absolut vorbildlich, wie bewährte Qualität in diesem Fall quantitativ an die Grenzen gebracht wurde!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240422142153c874fdf4
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Half Life 2 - The Orange Box

von Electronic Arts GmbH

Plattform: PlayStation3

USK-Einstufung: Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG

ASIN: B000VQQGW4

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 16.02.2008, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 5839