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Halloween II (DVD; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Haddonfield, Illinois. Irgendwann in den späten 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Oberflächlich betrachtet eine ganz normale Kleinstadt, offenbaren sich bei genauerer Betrachtung tief klaffende Narben, welche wohl auch der Zahn der Zeit nicht so schnell verschwinden lassen kann. Der Name „Michael Myers“ und dessen begangene Schreckenstaten sorgen noch immer für ein ungutes Gefühl bei den Einwohnern. ER, der als kleiner Junge bis auf seine eigene Mutter jedes Familienmitglied bestialisch ermordet hat. ER, der ein Großteil seines verkorksten Lebens in einer Anstalt zugebracht hat. ER, der zurückgekehrt war, um die Bluttat von einst zu Ende zu bringen – an seiner kleinen Schwester.

Doch Laurie Strode (Scout Taylor-Compton) hatte überlebt. Physisch jedenfalls. Psychisch ist die junge Erwachsene ein Wrack und kommt ohne regelmäßige Medikationen und Therapiesitzungen nicht über die Runden. Zu stark ist die Erinnerung an jene Schreckensnacht; von der Gewissheit, die direkte Verwandte eines grausamen Serienmörders zu sein, ganz zu schweigen. Zwar findet sie Halt und Unterstützung bei ihren Freundinnen und Sheriff Leigh Brackett (Brad Dourif), der Laurie unter seine Fittiche genommen hat, doch gegen die regelmäßig wiederkehrenden Alpträume können auch sie nur sehr wenig ausrichten.

Zumal Brackett außerdem ein düsteres Geheimnis wahrt: Michael Myers lebt! Er konnte entkommen und gilt seit den Morden in Haddonfield als vermisst.

Ganz andere Probleme hat dagegen Michaels langjähriger Therapeut, Samuel Loomis (Malcolm McDowell), der das Massaker von einst ganz zu seinem eigenen Nutzen ausbeutet und dank der bevorstehenden Veröffentlichung seines Buches über Myers in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist. Nicht viel erinnert mehr an den besorgten, couragierten Psychologen von früher. Stattdessen hat sich Loomis in einen nach Ruhm und Geld lechzenden Kotzbrocken verwandelt, dem die Schicksale anderer – insbesondere das von Laurie – völlig gleichgültig sind.

Unterdessen laufen in Haddonfield – trotz des furchtbaren Stigmas – die Vorbereitungen für ein weiteres Allerheiligen. Ohne Blutvergießen, ohne Terror. Hoffen zumindest die Bürger. Doch sie haben die Rechnung ohne ihren verlorenen Sohn gemacht: Michael Myers …

 

Schon mit dem Vorgänger, dem Remake von John Carpenters legendärem Halloween aus dem Jahre 1978, war Alleskönner Rob Zombie vor knapp drei Jahren nicht bei allen Fans auf Gegenliebe gestoßen. Obwohl finanziell betrachtet der erfolgreichste Streifen des Franchises, beklagten nicht wenige die neue Ausrichtung, die zum einen – und typisch für Zombies bisheriges Schaffen – extrem blutig war und zum anderen nicht gerade den archetypischen Grundsätzen eines charakteristischen Slashers entsprach. Nein, diese Neuauflage, dieses Zombie’sche Halloween legte viel mehr Wert auf die Vorgeschichte und stellenweise auch auf die Hintergründe der potenziellen Opfer, ehe das Schlachtbüffet schließlich freigegeben wurde. Dementsprechend konsequent ist nun auch die Fortsetzung geworden, jedoch mit einem eminenten Unterschied, der sicherlich hartgesottenen Slasherfreunden Kopfschmerzen bereiten wird. Lag beim Vorgänger der Fokus klipp und klar auf Michael Myers, rückt die Horror-Ikone in der Fortsetzung größtenteils in die zweite Reihe und gibt den Freiraum an seine Schwester, Laurie Strode, weiter. Das mag sich auf den ersten Blick als völlig hirnrissig und sinnlos anhören, entpuppt sich aber als cleverer Twist in doppelter Hinsicht. Der langsame, aber stetige physische Verfall von Laurie verleiht dem Werk nämlich ungeahnte Tiefen und gewährt vielleicht zum allerersten Mal einen intensiven Einblick in die Seelenwelt eines Opfers, welches zudem noch mit dem Stigma zu leben hat, die kleine Schwester einer außer Kontrolle geratenen Bestie zu sein. Dadurch entzieht sich Halloween II jeglichen Klischees und gähnend langweiliger Restriktionen, durch die das Slashergenre im Grunde genommen schon seit Jahrzehnten dazu verdammt ist, auf der Stelle zu treten.

 

Doch leider war das Stammpublikum entweder nicht gewillt oder schlichtweg noch nicht bereit, diesen kleinen Quantensprung mitzumachen. Als Folge mutierte „Halloween II“ schließlich zum Flop in den Staaten und bekam hierzulande nicht mal einen Kinoauftritt gewährt. Oder waren es womöglich doch andere Gründe? Dass der Film bisweilen richtig heftig daherkommt, sollte niemanden überraschen, der den Vorgänger oder Zombies andere Filme kennt; seine mitunter ganz schön derben Dialoge inbegriffen. Die MTV-artigen Schnitte mögen ganz klar in die Kategorie „zweischneidiges Schwert“ fallen, nicht aber die wirklich grandiose Arbeit von Kameramann Brandon Trost, der teilweise wunderbare Aufnahmen eingefangen hat, insbesondere wenn Michael Visionen seiner toten Mutter hat. Klar, perfekt oder herausragend ist auch „Halloween II“ nicht. Besonders die stellenweise fehlende Spannung fällt da ganz besonders ins Gewicht; ein Manko, das Rob Zombies bisherige Filmographie übrigens wie einen roten Faden durchzieht. Doch aufgrund der Konsequenz und Unverfrorenheit, längst ausgetretene Pfade zu verlassen und einen eigenen Weg zu beschreiben, sieht man als geneigter Zuschauer auch darüber geflissentlich hinweg. Wo mag also dann der Grund für das Scheitern liegen? Erwartete man etwa ein Werk mit Happy End oder typischen Beschönigungen? Falls ja, dann sollte man definitiv einen weiten Bogen um den Film machen, da Zombies Vision der Thematik und demzufolge auch der Abschluss hart und unbeschönigt die wahre Welt reflektieren. Und in der endet nun mal nicht alles gut; verschwindet der Schwarze Mann auch dann nicht, nachdem man das Licht angeschaltet hat.

 

Fazit:

„Halloween II“ ist harte Kost. Sowohl für den Mainstream-Zuschauer als auch den erfahrenen Genrefan. Konsequent entzieht sich Zombie jeglichen Vorgaben und Erwartungen und inszenierte somit einen verdammt schweren Brocken, den man erst mal verdauen muss, der aber gleichzeitig andeutet, welche Wege das Slasher-Subgenre in Zukunft beschreiten sollte, um weiterhin frisch und unverbraucht daherzukommen.

Eure Meinung:


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DVD:

Halloween II

Original: Rob Zombie’s Halloween II

USA 2009

Regie: Rob Zombie

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch

Untertitel: Deutsch

Umfang: 1 DVD

FSK: 18

SUNFILM: 12 März 2010

Spieldauer: 112 Minuten

 

ASIN: B00318SBOU

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Sheri Moon Zombie

Scout Taylor-Compton

Brad Dourif

Malcolm McDowell

Tyler Mane

Danielle Harris

Margot Kidder


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Erstellt: 17.04.2010, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23