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Hard to be a God (PC)

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

 

„Hard To Be A God“ ist die Adaption eines gleichnamigen Science-Fiction-Klassikers, den einst die Gebrüder Strugatzky zu Papier brachten, und welcher gerade in Insider-Kreisen nach wie vor hohes Ansehen genießt. Zu diesen Insidern zählten definitiv auch die Designer aus dem Hause THQ, welches beinahe vier Dekaden nach Erstveröffentlichung des Romans wieder auf die Story zurückgekommen ist und um sie herum ein recht actionreiches, modernes Rollenspiel gestrickt hat.

 

Der Spieler schlüpft unterdessen in die Rollen des menschlichen Wissenschaftlers Rumata, der gemeinsam mit einem Team menschlicher Beobachter ins All entsandt wurde, um dort nach weiteren Lebensformen Ausschau zu halten. Die Expedition führt die Besatzung nach einiger Zeit auf den Planeten Arkanar, eine vergleichsweise recht rückständige Welt, auf welcher der Konflikt zwischen den religiösen Fronten und dem gemeinen Volk erheblich brodelt. Rumata dringt mitten in diese Auseinandersetzung ein und ist um Diplomatie bemüht, muss jedoch feststellen, dass sein Ersuchen eher Wunschtraum als realistisch ist. Dennoch nutzt er das fortschrittliche Wissen der Erdenbevölkerung und die dadurch gegebene Macht, um gehörigen Einfluss auf das Leben auf Arkanar zu nehmen – bis ihm schließlich die Erkenntnis kommt, dass eine Nation sich nur dann entwickeln kann, wenn diese Entwicklung natürlichen Ursprungs ist. Rumata kann nur inspirieren, nicht jedoch lenken – doch genau dies ist in einer Welt, die wissenschaftlich und entwicklungstechnisch Jahre hinter der Zivilisation der Erde eingeordnet ist, die vermeintlich größte Schwierigkeit.

 

 

Das Spiel:

 

„Hard To Be A God“ ist an sich ein typisches Rollenspiel, trumpft aber mit einer ganzen Reihe innovativer Mechanismen mächtig auf. Man beginnt zwar recht gewöhnlich in der Rolle eines Adligen, erkundet die Landschaft und bemüht sich, allerlei elementare Gegenstände aufzusammeln. Dennoch liegt ein Hauptaugenmerk des Spiels auf intuitivem Handeln, was vor alle dadurch begründet ist, dass man als Spieler nicht zwingend nur mit Feinden konfrontiert wird, sondern insgeheim eine recht neutrale Rolle einnimmt. Diplomatie ist das höchste Gut in den zahlreichen Begegnungen, die man im Verlauf des Spiels machen wird, wer jedoch rücksichtslos der auf der Packung propagierten Hack & Slay-Methode verfällt, wird womöglich einige interessante und wichtige Aspekte des Spiels gar nicht kennen lernen.

Davon abgesehen nimmt die vorliegende Story natürlich auch einen gewichtigen Anteil in der Konzeption des Spiels ein. Trotz reichhaltiger Action-Sequenzen sind manche Phasen äußerst dialoglastig, und auch an Zwischeneinblendungen bzw. animierten Filmsequenzen mangelt es nicht. Da der inhaltliche Background aber absolut fantastisch ist, gliedern sich diese Fragmente nahtlos in das recht vielseitige Geschehen ein und sorgen besonders in hektischeren Szenen für die nötige Entlastung.

Ein weiterer Aspekt, der das gesamte Gameplay positiv hervorhebt, ist die nicht-lineare Storyline, die dem Spiel anheim wohnt. Zwar orientiert sich Rumatas Weg schon an gewissen Grundfesten und vorgegebenen Zielvorgaben, aber da manche Entscheidung im Spiel den gesamten Verlauf auf den Kopf stellen und auch Teile der Geschichte verändern kann, entscheidet jeder selber über den Fortschritt im Spiel und muss dementsprechend noch mehr Verantwortung für jeden wichtigen Teilschritt, je jede wichtige Diskussion und Debatte übernehmen. Und man geht noch einen Schritt weiter: Dem Hauptakteur stehen unterschiedliche Kleidungsstücke zur Auswahl, die ihn als Mitglied einer ganz bestimmten Gilde entlarven. Abhängig davon, wie er sich seinen Gesprächspartnern gegenüber präsentiert, ist der Informationsfluss bzw. die individuelle Hilfsbereitschaft entweder kaum oder doch stark ausgeprägt. Das altgediente Sprichwort „Kleider machen Leute“ greift an dieser Stelle also ganz besonders.

 

Mitsamt diesen erfrischenden Inhalten bekommt das klassische Aufleveln, aber auch der allgemeine Adventure-Modus viel buntere Konturen. „Hard To Be A God“ verlässt zwar keinesfalls die grundsätzlichen Charakterzüge des Rollenspiel-Segments, beweist aber inhaltlich ein geschicktes Improvisationstalent, das nicht nur attraktiv sondern im gesamten Genre beispielhaft ist. Da es weiterhin kein festgesetztes Endszenario gibt und das Spiel mit mehreren alternativen Enden aufwartet, sind dem Spiel, zumindest was die Rahmenbedingungen betrifft, kaum Grenzen gesetzt.

 

 

Technik/Handling:

 

Spieltechnisch bestätigt sich der positive Eindruck weitestgehend. Der Aufbau der Menüs ist recht übersichtlich, die Mechanismen wiederum sind nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell durchschaut. Darüber hinaus ist auch das Acting der Figuren sehr gut in Szene gesetzt und verleiht der tollen Spielatmosphäre weitere entscheidende Impulse. Da man auf ein rundebasiertes Kampfsystem verzichtet, stechen zuletzt noch die außerordentliche Dynamik und das relativ hohe Tempo hervor. Dies eingebettet in ein verhältnismäßig üppiges Weltenszenario setzt entgegen erster skeptischer Berichte auch auf technischer Ebene bedeutende Akzente.

 

Das Handling hingegen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Steuerung gerade zu Beginn schwierig, da man noch nicht so schnell heraus hat, wie man seine Ausrüstung am günstigsten anordnet. Aber auch später wirkt das Ganze umständlicher als nötig, was in so manch entscheidender Situation schon einmal frustrierend sein kann.

 

 

Grafik:

 

Rein optisch betrachtet ist „Hard To Be A God“ indes reines Mittelmaß. Die Konturen der Figuren beispielsweise sind ziemlich kantig, das Leveldesign nicht sonderlich ansprechend und auch die Hintergrundlandschaften im Vergleich zu Referenz-Titeln wie „The Elder Scrolls IV: Oblivon“ überraschend schwach. Ausnahmen bieten die regelmäßigen Einspielungen, die den Storyverlauf beschreiben, ansonsten ist das Spiel grafisch weniger reizvoll. Zwar sind Rollenspiele de facto schon einmal häufiger von derartigen Schwächen heimgesucht, allerdings fallen die visuellen Einbußen hier ganz deutlich ins Gewicht. Schade, denn dies hätte die perfekte Abrundung zu einem richtig guten Spiel sein können.

 

 

Spielspaß:

 

Der Spielspaß in „Hard To Be A God“ definiert sich in erster Linie über die Unberechenbarkeit der Handlung. Das nicht-lineare Storysystem birgt reichlich Freiräume, die es für jeden einzelnen individuell zu gestalten gilt, so dass nahezu jedes Abenteuer einen komplett anderen Verlauf nimmt. Dennoch stürzt man nicht ins Chaos, da ein recht freizügiger Leitfaden immer noch das Geschehen bestimmt. Unberechenbar sind in diesem Zusammenhang auch die vielen Wendungen, die das Spiel durchläuft. Je nachdem welch diplomatisches Geschick man an den Tag legt bzw. wie gut man die wirklichen Feinde von den potenziellen Supportern unterscheiden kann, wird das Geschehen ständig auf den Kopf gestellt und verleiht der Geschichte einen komplett neuen Charakter. Der daraus resultierende, üppige Umfang ist demnach ein wichtiges Motiv, welches den Kaufanreiz bestimmt. Das andere ist das fantastische Gameplay, die innovativen Konzeptionen und das sehr eigenwillige Charakterdesign, das in dieser Form bis auf weiteres einzigartig ist.

Wie man es aber auch dreht: „Hard To Be A God“ bringt eine Menge Langzeitmotivation mit und lässt den Spaßfaktor-Pegel mit wachsender Spieldauer gen Maximum ausschlagen.

 

 

Fazit:

 

Es ist kaum zu glauben, dass „Hard To Be A God“ an anderer Stelle so schlecht abschneidet bzw. sich hier soviel Kritik anhäuft. Möglicherweise begründet sich dies dadurch, dass der neue Science-Fiction-Hit aus dem Hause THQ etwas mehr Tiefgang und vor allem eine Story bietet, die sich nicht aus gängigen Klischees zusammensetzt. Es steckt einfach ein bisschen mehr Anspruch dahinter, was das Spiel anfangs ein wenig schwerer zugänglich macht, es aber letztendlich als einen Gewinn für das gesamte Genre herausstellt. Wäre die Grafik nicht ganz so bescheiden und die Steuerung ein wenig flüssiger, könnte man sogar glatt euphorisch werden. Doch auch in der hier vorliegenden Fassung ist „Hard To Be A God“ mehr als nur ein Geheimtipp, nämlich ein richtig starkes SciFi-Rollenspiel!

 

 

Eure Meinung:


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Hard to be a God(PC)

von THQ

USK-Einstufung: Freigegeben ab 12 Jahren gem. 14 JuSchG

Spiel und Handbuch auf Deutsch

ASIN: B000UVONQ6

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows XP / Vista

Prozessor: PIV 1,6 GHz CPU

Speicher: 512MB RAM

benötigter Platz auf der Festplatte: 2 GB

Grafikkarte: DirectX 9.0 -kompatible Grafikkarte

DirectSound-kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


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Erstellt: 15.03.2008, zuletzt aktualisiert: 16.08.2019 14:42