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Harper´s Island

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Fernsehserien werden normalerweise so gestaltet, dass eine Fortsetzung in einer weiteren Staffel jederzeit möglich ist. Doch es gibt auch Ausnahmen, in der die Handlung nach einer bestimmten Anzahl von Episoden Höhepunkt und Auflösung findet, sei es nun aufgrund einer Romanvorlage wie zum Beispiel bei „Kingdom Hospital“ oder aber gezielt wie in der hier vorliegenden Thriller-Serie „Harper’s Island“, die als einmaliger Event gedacht ist.

 

Harper’s Island ist eine fiktive Insel vor der Westküste der USA, 60 km von Seattle entfernt gelegen. Vor gut sechs Jahren suchte der Serienmörder John Wakefield die Menschen dort heim und brachte sechs Menschen um, bis Sheriff Mills, dessen Ehefrau eine der Opfer gewesen war, ihn unschädlich machen konnte.

Viele haben den Ort danach verlassen, um die schrecklichen Erinnerungen hinter sich zu lassen, unter anderem auch Abby Mills, die Tochter von Sheriff Mills, die nach Los Angeles ging.

Nun beschließen die reiche Erbin Patricia Wellington und ihr Verlobter Henry Dunn die Verwandten und Freunde zu ihrer Hochzeitsfeier zurückzuholen. Eine ganze Woche wollen sie mit den Leuten feiern und sich erst am letzten Tag das Jawort geben.

Tatsächlich tauchen nach und nach alle Eingeladenen auf – bis auf einen, nur Patricias Cousin fehlt. Da die Woche noch lang ist, genießen die Gäste erst einmal das Essen und die Unterhaltung, die Trish und Henry für sie vorbereitet haben und lassen es sich gut gehen, selbst die etwas stille und in sich gekehrte Abby, die sehr schnell merkt, dass nicht alle über die Wahl der Wellington-Tochter glücklich sind, vor allem nicht der Vater, denn es kommt immer wieder zu kleinen Unstimmigkeiten, auch und vor allem weil ein Ex-Freund von Trish ebenfalls auftaucht.

Was niemand weiß ist, dass der vermisste junge Mann bereits tot ist – ein Unbekannter hat ihn in Taucherausrüstung unter der Yacht angebunden und wird geköpft, als sich die Schiffsschraube in Bewegung setzt. Auch die nächsten Morde bleiben unbemerkt oder geben den verantwortlichen Stellen Rätsel auf, da sie eher wie Selbstmorde aussehen und die Indizien nur sehr schwer zu deuten sind.

Es irritiert einige der Anwesenden nur ein wenig, dass Henrys Onkel plötzlich verschwindet, und auch der Reverend nicht mehr gesehen wird, was besonders ärgerlich für die Generalprobe der Trauung ist. Doch als während dieser Patricia Wellingtons Vater stirbt und das ganze nur im ersten Augenblick wie ein Unfall aussieht, bricht Panik aus.

Jetzt wird den meisten bewusst, dass jemand Jagd auf sie macht und der Killer vielleicht auch unter ihnen ist und die Verschwundenen alle tot sein könnten.

Als die Morde nicht aufhören wollen zeichnet sich immer mehr ab, dass die sie zu allem Übel auch noch die Handschrift von John Wakefield tragen.

Doch ist dieser wirklich von den Toten auferstanden, wie einige zu glauben geneigt sind? Oder hat er einfach nur einen Nachahmungstäter gefunden? Mit der Paranoia wächst jedenfalls das Misstrauen und schließlich misstraut jeder jedem.

 

Im Prinzip ist die Geschichte schlicht nach dem Prinzip der „zehn kleinen Negerlein“ gestrickt, die ja auch auf sehr phantasievolle Weise ums Leben kommen. Nicht alle Opfer werden einfach nur erstochen oder erschossen, tatsächlich lässt sich der Mörder hin und wieder auch etwas einfallen.

Der Zuschauer ist immer mit dabei, weiß im Prinzip mehr als die Gäste, die erst nach knapp der Hälfte der Folgen wirklich nach dem Täter zu suchen beginnen und dabei übereinander herfallen. Feindseligkeiten, die bis dahin nur unter der Oberfläche geschwelt haben, brechen nun offen aus.

Das führt zu einer Menge von Verdächtigungen, auch wenn dem außenstehenden Betrachter sehr wohl klar ist, dass gerade die offensichtlich „Schuldigen“, die Morde nicht begangen haben können. Auf der anderen Seite sind die Verdachtsmomente so deutlich, dass einem die kleinen Hinweise mehr oder weniger entgehen. Tatsächlich ist die Auflösung, die in den letzten beiden Folgen stattfindet durchaus überraschend, wenn man sie das erste Mal sieht, auch wenn die Verknüpfungen nicht ganz logisch aufgebaut sind.

Die Figuren sind angenehm vielschichtig und natürlich aufgebaut. Sie zeigen immerhin mehrere Facetten von sich, und der ein oder andere, der am Anfang recht flach wirkt, entwickelt gerade zum Ende hin interessante Seiten.

Alles in allem entwickelt sich die Handlung langsam aber stetig. In der Mitte der Serie, zwischen der dritten und neunten Folge, gibt es zwar auch die ein oder andere Länge, gerade weil man sich fragt, warum die Gäste nicht langsam einmal nach den Vermissten suchen – oder wenn die Panik ausbricht und die Handlung ein wenig an Fahrt verliert, aber das fängt sich wieder bis zum dramatischen Showdown.

Interessanter als die Morde und ihre Täter sind aber fast schon die kleinen Geschichten am Rande, speziell um Abby und ihren Vater, die sich als Schlüssel zu dem ganzen Drama auf Harper’s Island erweisen. Diese Figuren entwickeln in der Serie auch die größte Tiefe, während die meisten anderen Gäste eher blass und oberflächlich bleiben, selbst diejenigen, die einiges zu verbergen haben, was durch die Vorfälle nun aber auch alles mehr oder weniger ans Licht kommt.

Alles in allem ist die Serie in ihrer Gesamtheit unterhaltsam genug, um den Zuschauer zumindest das erste Mal zu fesseln. Gerade wenn man noch nicht weiß, wer der Täter ist und was eigentlich hinter allem steckt, rätselt man gerne mit.

Ansonsten muss man sich auf gängige Beziehungsszenen, wie man sie im amerikanischen Fernsehen oft findet, einstellen, die immer wieder von Schockmomenten unterbrochen werden, die jedem Slasher-Film Ehre machen könnten, auch wenn man den Moment des Mordes und die Leichen oft nur ganz kurz sieht. Trotz der düsteren Atmosphäre und der sich immer stärker entwickelnden Paranoia der Figuren gibt es allerdings keine übernatürlichen Elemente, so dass man sie auch nicht zum Horror rechnen sollte.

Die Gestaltung der DVD ist gelungen. Zu jeder Folge, die davon betroffen ist, kann man die geschnittenen Szenen ansteuern, dazu gibt es die Promos, die zur Werbung auf CBS gelaufen sind, die Webisodes „Harper’s Globe“, die nur indirekt etwas mit der Serie zu tun haben, einige Featurettes zur Auswahl der Schauspieler und der Produktion.

Das Amaray-Case selbst steckt in einer schön gestalteten Hülle mit Foliendruck und Reliefprägung.

 

 

Fazit:

„Harper’s Island“ ist für alle Zuschauer interessant, die Thriller mit Schockelementen mögen, aber auch nichts gegen die Entwicklung von Beziehungen haben. Die Serie schwankt meistens zwischen Familien-und-Freundes-Drama oder Serienkiller-Krimi, verteilt die Handlungselemente aber sehr ausgeglichen und bewahrt bis zum Ende die Spannung, da die ganze Wahrheit nur nach und nach ans Licht kommt und vieles anders da stehen lässt, als es am Anfang vorgestellt wurde, so dass man ruhig einmal einen Blick riskieren sollte.

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DVD:

Harper´s Island

13-teilige Serie, USA 2009

Regisseur(e): Jon Turteltaub, Sanford Bookstaver, Rick Bota, und andere

Komponist: David Lawrence

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch, Französisch (DD 5.1), Italienisch, Englisch (DD 2.0 Surround)

Untertitel: Dtsch., Dän., Fin., Engl., Niederl., Ital., Norw., Schwed.

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 4

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: Paramount Home Entertainment

Erscheinungstermin: 21. Oktober 2010

Spieldauer: 519 Minuten

 

ASIN: B003XDPD8A

 

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Darsteller:

Elaine Cassidy

Christopher Gorham

Callum Keith Rennie

Katie Cassidy

Cameron Richardson

Adam Campbell

C. J. Thomason

Jim Beaver

 

Extras:

Promos von CBS

Featurettes:

- Das Casting

- Die Produktion

- Raten Sie wer?

- Der Sensenmann

Harper’s Globe Webisodes

Gelöschte Szenen

 


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Erstellt: 25.10.2010, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56