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Haus des Grauens

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

“Haus des Grauens“ ist einer der Filme, die durch den deutschen Titel zwar implizieren, das man es mit einem der üblichen „Gruselschinken“ mit gotischer Kulisse zu tun haben könnte, der auf Romanen von Poe oder anderen düsteren Romanciers basiert, aber das täuscht. Der Film ist ein spannungsgeladener Psycho-Thriller, der zwar ohne übersinnliche Phänomene, aber nicht ohne Schockeffekte auskommt.

 

Seit vielen Jahren trauert die Familie Ashby um ihren Sohn Tony, der sich vor mehr als einem Jahrzehnt von den nahen Klippen gestürzt haben muss, um Selbstmord zu begehen. Sein Leichnam wurde nie gefunden.

Nun tragen die überlebenden Kinder Elanor und Simon auch noch ihre Eltern zu Grabe, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Bei der Beerdigung will die junge feinfühlige Frau allerdings ihren Augen nicht trauen, denn unter den geladenen Gästen steht ein Mann, der ihrem Bruder täuschend ähnlich sieht.

Kann es sein, dass Tony den Sturz überlebt hat und nun doch zu ihnen zurückgekehrt ist? Sie versucht ihre Umgebung davon zu überzeugen, aber niemand will ihr so recht glauben, da Eleanor von schwacher Gesundheit ist und schon seit Jahren mit Nervenfieber zu kämpfen hat. Viele halten sie sogar für latent wahnsinnig.

Am wenigsten begeistert ist allerdings Simon, ihr Bruder. Er behauptet steif und fest einen Betrüger vor sich zu haben, auch wenn alle Prüfungen das Gegenteil beweisen, da er nicht bereit ist, sein Erbe mit einer weiteren Person zu teilen. Doch warum ist er so gegen den Fremden eingestellt? Weiß er vielleicht mehr?

In der Tat ist Anthony nicht der, der er zu sein vorgibt. Doch der Betrüger erweist sich schließlich als Zünglein an der Waage, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

 

Auch wenn vieles schon früh klar zu sein scheint, behält der Film doch seine Spannung, denn er schildert den Krieg zwischen dem geheimnisvollen Heimkehrer, der sein Herz für Eleanor entdeckt und deshalb dazu bereit ist, sein Spiel aufzugeben und Simon, der mehr über das Verschwinden von Tony Ashby zu wissen scheint.

Nach und nach kommt das überraschend komplexe Beziehungsgeflecht in der Familie zum Vorschein und enthüllt Seiten an den Personen, die man vorher nie so vermutet hätte. Ist Tante Harriet wirklich so devot Simon ergeben, der sie mit seinen tyrannischen Eskapaden terrorisiert? Und welches Spiel treibt Eleanors eigentlicher Freund? Immer wieder reißen einen Schockeffekte aus den Gedanken, denn auch jetzt noch – kurz vor der Testamentseröffnung wird mit harten Bandagen gekämpft und einander nichts geschenkt.

Vor allem Oliver Reed glänzt in der Verfilmung mit seinem Tanz zwischen Normalität und Wahnsinn. Man fragt sich die ganze Zeit, wie er den anderen glaubhaft machen kann, dass nicht er der Verrückte ist, sondern seine Schwester, die im Gegensatz zu ihm relativ normal agiert. Und zum ende hin häufen sich die unangenehmen Überraschungen im Umkreis der Familie Ashby. Gut und Böse wechseln hier gerne einmal die Seiten, wie man mehr als einmal zu spüren bekommt.

Heraus kommt ein spannender Thriller, der durch die Schwarz-Weiß-Bilder noch atmosphärischer wirkt, da die Bilder viel schärfer gezeichnet sind und symbolhafte Blicke auf Vor- und Hintergründe bestimmte Eigenarten der Personen deutlicher hervor treten. Ähnlich sieht es mit den Schockeffekten aus. Man merkt deutlich, dass sie sich die Macher an Hitchcocks Werken orientiert haben und „Psycho“ bei einigen Einstellungen Pate stand, aber das tut dem Film keinen Abbruch.

 

 

Fazit:

Damit ist „Haus des Grauens“ weniger ein Gruselklassiker sondern mehr ein dramatischer und bösartiger Thriller, den man sich nicht entgehen lassen sollte – zumal das Duell der Intriganten hinter den Kulissen vom Feinsten ist.

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DVD:

Haus des Grauens

GB 1963

Original: Paranoiac

Regisseur: Freddie Francis

Sprache: Deutsch (Dolby Digital mono 2.0), Englisch (Dolby Digital mono 2.0)

Bildseitenformat: 16:9, Schwarz-Weiß

Anzahl Disks: 1

FSK: 16

Koch, 5. Dezember 2008

Spieldauer: 77 Minuten

Extras: 16-seitiges Booklet

 

ASIN: B001HY8QKO

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Janette Scott

Oliver Reen

Sheila Burrell

Alexander Davion

Lilliane Brousse

 

 

 


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Erstellt: 26.12.2008, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01