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Himmelsauge von Melissa Fairchild

Reihe: Die Geheimnisse des Brückenorakels, Bd. 1

Rezension vonChristel Scheja

 

Fleißige Leser wissen schon lange, dass London eine magische Stadt ist. Ob nun im Untergrund verborgene Völker und Gemeinschaften der Ausgestoßenen ihr Leben fristen, oder die Nebel zur Anderswelt besonders dünn sind – die Stadt ist immer wieder Schauplatz magischer Geschichten, die nicht selten die Geschehnisse shakespearischer Dramen wiederspiegeln. Das ist auch bei Melissa Fairchilds Saga um „Die Geheimnisse des Brückenorakels“ so.

 

Im ersten Band „Himmelsauge“ erwacht ein Junge fast vollständig eingegipst in einem Krankenhaus. Obwohl die Ärzte ihm keine Überlebenschancen gegeben haben, erholt er sich erstaunlich schnell und seine Wunden heilen aus, so dass er auch schon als „Wunderjunge“ bezeichnet und ein Spezialist zu Rate gezogen wird.

Da er sein Gedächtnis verloren hat, erfährt der Junge, dass er angeblich vor eine U-Bahn gesprungen sein soll. Aber wieso und warum, das weiß er nicht. Er weiß nur, dass einer der Pfleger, ein gewisser Foster, ziemlich boshaft zu ihm ist und seltsame Verhaltensweisen an den Tag legt. Dennoch beherzigt er dessen Rat, einige Pillen nicht zu schlucken, und bekommt so mit, dass einer der Nachrichtensprecher im Fernsehen zu ihm spricht, ohn Avi nennt, und ihm rät, das Krankenhaus sofort zu verlassen, denn er sei in großer Gefahr. Ein Mann namens Kellen sei hinter ihm her und trachte ihm nach dem Leben.

Ehe der Junge etwas unternehmen kann, taucht der Genannte auch noch auf und will ihn zwingen mit ihm zu kommen. Doch Avi gelingt die Flucht und wird vor dem Krankenhaus von dem Mann, der ihm im Fernsehen gewarnt hat, eingesammelt, während die Zeit um ihn herum eingefroren zu sein scheint.

Und damit beginnt ein großes Abenteuer, das Avi nicht nur Seiten Londons zeigt, die er bisher nicht kannte, sondern auch in Kontakt mit dem Menschenmädchen Hannah bringt, und schließlich in die Anderswelt. Denn auch wenn er sich immer noch nicht richtig erinnert, so sind doch alle Kobolde, Goblins und Feen in seiner Umgebung davon überzeugt, dass er kein anderer als der verschollene Thronerbe einer Feenkönigin sei, der noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen habe...

 

Melissa Fairchild ist nicht die erste Autorin aus England, die die magische Anderswelt mit der irdischen Moderne in Verbindung bringt und dabei munter Shakespeare zitiert. Gerade britische Schriftsteller sind von dieser Kombination geradezu besessen und lassen sich immer wieder neue Facetten einfallen.

Diese hier ist nur etwas düsterer und grausamer ausgefallen als andere Romane und Serien, da mit viel fieseren Tricks gekämpft wird und die Kobolde und Goblins einen raueren Umgangston haben. Gemeinsam mit vielen anderen Werken aber ist die Gefühllosigkeit der herrschenden Feen gegenüber ihrem eigenen Fleisch und Blut.

Ansonsten verläuft die Geschichte eher in konventionellen Bahnen. Avi folgt seinem vorherbestimmten Pfad und hat keine andere Wahl, als den anderen zu vertrauen, auch wenn sein Instinkt ab und zu deutlich macht, dass er angelogen wird. Aber gerade die Tatsache, dass er auch weiterhin sein Gedächtnis verloren hat und es am Ende des Bandes noch nicht zurück gewonnen, lässt die Geschehnisse spannend bleiben. Denn man kann sich sicher sein, dass noch einige Überraschungen auf ihn warten werden.

Die Figuren bleiben allerdings sehr flach. Gerade bei Hannah weiß man noch nicht so recht, was für eine Rolle sie spielen wird, da sie weder Charakter noch Profil entwickelt, eine bloße Mitläuferin ist und die Protagonisten noch nicht ganz in dem Alter, in dem eine Romanze wirklich zum Mittelpunkt der Geschichte wird.

Auch die Action bleibt eher verhalten, auch wenn es die ein oder andere dramatische Verfolgungsjagd gibt. Vieles wird dann jedoch durch Magie abgeschwächt und verharmlost, so dass die Helden nie wirklich in Gefahr geraten.

 

Alles in allem ist „Himmelsauge“, der erste Band der „Geheimnisse des Brückenorakels“ aber eine spannende Geschichte mit Potential, die durchaus unterhaltsam geschrieben ist und es auch jüngeren Lesern leicht macht, der Handlung zu folgen. Da an Ende des ersten Bandes noch nicht alle Fragen beantwortet sind, darf man darauf gespannt sein, wie es weiter geht.

 

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Roman:

Himmelsauge

Reihe: Die Geheimnisse des Brückenorakels, Bd. 1

Autorin: Melissa Fairchild

PAN/Knaur erschienen Dezember 2009

Format: Gebunden, 382 Seiten

ISBN-10: 3426283123

ISBN-13: 978-3426283127

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.07.2010, zuletzt aktualisiert: 12.03.2019 09:32