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Hitler und Mussolini - Eine brutale Freundschaft

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Hitler und Mussolini sind noch heute der Inbegriff für eine Epoche düsterster Tyrannei in Europa, auch wenn sie vom Wesen und Auftreten her grundverschieden waren. Sie sind die beiden faschistischen Diktatoren, die die deutlichsten Spuren in der Geschichte hinterlassen haben.

Um ähnlichen Entwicklungen wie in den 1920ger Jahren vorzubeugen, werden sie immer wieder als mahnendes Beispiel angeführt, und so gibt es alle paar Jahre neue Dokumentationen und Bücher, die einen weiteren, noch nicht so bearbeiteten Aspekt ihrer Herrschaft aufgreifen oder Altbekanntes in einem neuen Licht erstrahlen lassen.

Meistens werden die beiden Diktaturen unabhängig voneinander betrachtet. Seltener hingegen sind die Dokumentationen in der die Querverbindungen zwischen den beiden Männern beleuchtet werden, die nicht nur gleichgültig nebeneinander regierten, sondern auch eine seltsame Art von Freundschaft pflegten.

 

Die Dokumentation „Hitler und Mussolini - Eine brutale Freundschaft“ von Heinz von Brescius und Ullrich H. Kasten geht diesem Thema in 90 min auf dem Grund. Sie schildert die wechselvolle gemeinsame Geschichte der beiden Diktatoren von ihren Anfängen bis zum Ende, analysieren Begegnungen und schildern Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen dem Deutschen und dem Italiener. Auch wenn beide von ihrer Bildung und dem Naturell her unterschiedlich waren, einen ganz anderen Lebensweg hatten, so sollten sie doch bald Gemeinsamkeiten privater und politischer Natur entdecken, die sie enger als andere Regierungschefs aneinander schmiedete.

Zwar hatte Benito Mussolini im Gegensatz zu Adolf Hitler eine Familie, aber er hielt sich wie dieser eine private Geliebte, die er mehr schätzte als seine Ehefrau und seine Kinder. Und er schuf sich einen Ort, an den er sich zurück ziehen konnte, wenn die Geschehnisse all zu turbulent wurden.

Während der „Duce“ bereits Mitte der 1920ger Jahre an die Macht kam und diese sehr schnell festigen konnte auch wenn er nominell noch seinem König unterstand, musste Hitler noch bis 1933 warten, um die Regierungsgewalt zu übernehmen und konnte erst nach und nach die Kontrolle seiner Partei auf den ganzen Staat ausweiten.

Dementsprechend war der Deutsche bei den ersten Begegnungen mit und Staatsbesuchen bei Mussolini noch der vom Einfluss und Auftrete her Unterlegenere , was sich aber schon bald ändern sollte. Denn Hitler und seine engsten Vertrauten lernten sehr schnell und schauten sich viel von dem Pathos und dem pompösen Aufträgen des italienischen Diktators ab, der mit markigen Worten und großen Posen die Massen für sich gewinnen konnte. Sie perfektionierten das Spiel mit der Propaganda.

Und so war das Auftreten Hitlers bereits bei den ersten Gegenbesuchen ganz anders. Durch subtile aber deutliche Gesten machte er Mussolini klar, wer in ihrer Beziehung jetzt das Sagen hatte, und dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort. Zwar versuchte der italienische Diktator immer wieder seine Position zu behaupten, aber schließlich war er es, der von der Gande der Deutschen abhängig war. Als sein Stern zu sinken begann und die oppositionelle Kräfte an Macht gewannen, waren sie es, die ihm ermöglichten, noch einmal zurück zu kehren und für ein paar Monate zu regieren. Doch auch das konnte seinen Niedergang nicht mehr aufhalten.

Und als Mussolini 1945 gestürzt und getötet wurde, war dies auch für Hitler der Anlass durch eigene Hand aus dem Leben zu scheiden, denn auch er hatte erkannt, dass sein Schicksal nicht viel anders sein würde...

 

Die Dokumentation folgt den Lebenslinien von Hitler und Mussolini und hebt vor allem die Berührungspunkte zwischen ihnen hervor. Auch wenn die Freundschaft zwischen den beiden Dikatoren mehr von Rivalität und Misstrauen bestimmt wurde als von positivem Gemeinschaftsgeist, so bleibt doch eines festzustellen: Sie haben sich in ihrem Denken und in ihrer Handlungsweise gegenseitig beeinflusst und voneinander gelernt. Ohne das Beispiel von Mussolini hätte wohl Hitler nie die Medienpräsenz erreicht, die er noch heute besitzt, und ohne Hitler hätten Mussolini und das faschistische Italien schon viel früher die Waffen strecken müssen.

Die Dokumentation versucht nicht zu werten, sondern schildert aufwendig recherchiert die tatsächlichen Ereignisse mit dem entsprechend vorliegenden Bildmaterial. Immer wieder macht der Sprecher auf bestimmte Wendepunkte und Entwicklungen im Leben beider aufmerksam. Die Informationen und Bilder sind so gut miteinander verarbeitet, das man bis zum Ende hin gebannt zuschaut. Schließlich bleibt man nachdenklich zurück und fragt sich, ob ohne diese verhängnisvolle Freundschaft die Geschichte in den 1930ger Jahren nicht ganz anders verlaufen wäre. Und das ist es, was die Macher wohl mit der Dokumentation erreichen wollten.

 

Auf der Bonus-Disk befindet sich eine eigenständige Dokumentation: „Urlaubsmaschine Prora - Das Naziseebad auf Rügen“ stellt eines der wahnwitzigsten Bauprojekte des dritten Reiches vor. Nach heute existieren weite Teile des kilometerlangen Gebäudekomplexes, in dem nach einer Idee von Robert Ley, der deutsche Arbeiter im Rahmen der „Kraft durch Freunde“-Bewegung Urlaub nach Plan der Partei machen sollte. Angeregt wurde der spätere Chef der „Deutschen Arbeiterfront“ durch eine von Benito Mussolini gegründete Organisation, die ein ähnliches Ziel hatte.

Auf Rügen sollten die Menschen abgeschirmt von der Außenwelt und nur mit Gleichgesinnten einen Strandurlaub an der Nordsee genießen und auf Linie gebracht werden. Bis fast zum Ende des Dritten Reiches baute man daran, bezogen und genutzt wurde das Projekt jedoch nie.

Interessanterweise bezieht sich die Dokumentation nicht nur auf historische Bild-, Text- und Filmdokumente, sondern lässt auch Zeitzeigen zu Wort kommen. Bewohner Rügens, die als Kinder und Erwachsene den Bau Proras miterlebt haben, aber auch Zwangsarbeiter. Dabei kommen nicht nur negative sondern auch erstaunlich positive Bilder zu Tage.

Tatsache aber bleibt, das die 1935 begonnene Ferienanlage nicht nur zu einem Sinnbild des Größenwahns im dritten Reich wurde, sondern auch noch heute die Menschen durch seine Dimensionen beeindrucken kann.

 

Fazit:

Auch wenn beide Dokumentationen nur lose zusammen hängen, so werfen sie doch ein interessantes und noch nicht so oft dagewesenes Bild auf bestimmte Details in der düstersten Epoche deutscher Geschichte, die auch heute noch erstaunen und dann wieder nachdenklich machen. Sie zeigen wie allein die Wechselwirkung, die zwei Männer aufeinander ausgeübt haben, das Schicksal zweier Nationen mehr noch als die eigentlich geplante Politik bestimmten.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205014800611a9a45
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DVD:

Hitler und Mussolini - Eine brutale Freundschaft

Idee und Buch: Heinz von Brescius

Regisseur: Ullrich H. Kasten

Deutschland,

Bildformat: 16:9

Synchro: dt. (2.0), Untertitel: dt.für Hörgeschädigte

Spieldauer: 90 Min., Extras: Bildergalerie der Drehorte und auf der Bonus Disk die Dokumentation: „Urlaubsmaschine Prora - Das Naziseeband auf Rügen“ (45 min), 2 DVD

FSK: Ohne Altersbeschränkung da Infoprogramm

Polyband & Toppic Video/WVG, erschienen 23. November 2007

 

ASIN: B000V2SFZ4

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 13.12.2007, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01