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Hugo Pepper und der fliegende Schlitten von Paul Stewart

Hörbuch

Reihe: Aberwitzige Abenteuer Bd.3

Rezension von Chris Schlicht

 

Im kalten Norden lebt das Rentierzüchterpaar Harvi und Sarvi Ranter-Tan-Tan glücklich und zufrieden. Sie machen berühmte Käsesorten aus Elch- und Rentiermilch und legen regelmäßig Käse für die Schneeriesen vor die Haustür.

 

Eines Tages legen die Schneeriesen ihnen dafür auch mal was vor die Tür: Ein Baby. Harvi folgt den Spuren zurück und findet einen sonderbaren Schlitten, der an einem großen Heißluftballon hängt, aber offensichtlich eine Notlandung hinter sich hatte. Rundherum die Spuren von Eisbären, die Harvi vermuten lassen, dass die Eltern des Jungen den Bären zum Opfer gefallen waren.

 

Den Schlitten lagert er in einem Schuppen. Da die Eltern des Babys offensichtlich von den Eisbären gefressen worden sind, ziehen sie das Baby, das laut einer Stickerei auf den Kleidern Hugo Pepper heißt, selbst groß.

 

Als Hugo 10 Jahre alt ist, findet er den Schlitten und den „Kompass des Herzens“, der eine Einstellung „Nach Hause“ hat. Schweren Herzens und mit viel Käse und Feuerholz lassen Harvi und Sarvi den Jungen ziehen, der wissen will, wer er ist und woher er kam.

 

Er landet schließlich mit viel Getöse und halb verhungert auf dem Glühwürmchenplatz der Hafenstadt Harbour High. Die ersten Personen, die ihm begegnen und ihn ganz nett bei sich aufnehmen, sind die beiden alternden Meerjungfrauen Daisy und Lilly Neptun, die ihren Fischkörper unter sehr eleganten Kleidern verbergen. Sie betreiben einen kleinen Laden für alles Mögliche, was man am und im Meer so findet, an der Südseite des Platzes.

 

Von den beiden Meerjungfrauen und den anderen Ladenbesitzern erfährt Hugo eine Menge über seine Eltern und seinen Großvater und einer Reihe anderer Vorfahren. Sein Großvater war einst der Herausgeber der „Glühwürmchenpost“, einer Zeitung, die im so genannten Institut, welches die drei anderen Seiten des Platzes einnimmt, gedruckt wird. Doch seit der alte Mann spurlos verschwand, stehen in der Zeitung nur noch Loblieder auf Läden in anderen Teilen der Stadt und üble Schmähungen über die Läden am Glühwürmchenplatz. Denn die dortigen Ladenbesitzer weigern sich, im Gegensatz zu den anderen, dem Institut zu „spenden“.

 

Der geheimnisvolle Leiter des Instituts will die Ladenbesitzer an der Südseite loswerden, doch im Gegensatz zu den Dingen, die er als Druckmittel für die anderen Ladenbesitzer verwendet, sind die Leute von der Südseite alle zu freundlich und zu „sauber“, damit nicht erpressbar. Elliot De Mille hält sich eine Familie Schneeriesen als Arbeitssklaven (Schneeriesen brauchen lange, bis sie eine Familie finden, doch dann bekommen sie gleich 200 Kinder auf einmal) für den Zeitungsdruck und bekommt seine Informationen von der alten Cressida Claw. Einem diebischen und gemeinen ehemaligen Hausmädchen, das mit einer Schar Straßenkatzen die Mülltonnen nach Informationen durchsucht.

 

De Mille kann schließlich den Ladenbesitzern die Gerichtsvollzieher auf den Hals schicken und lässt die Läden Zwangsräumen. Doch Hugo, der eigentlich schon in den kalten Norden zurück wollte, findet seinen Großvater, der aus seiner Trauer erwacht und mit dessen Kampfgeist niemand mehr gerechnet hatte. Schon gar nicht Elliot de Mille. Sie befreien die Schneemenschen und drucken eine neue Zeitung – mit der Wahrheit. Als Hugo dann auch noch das Rätsel um den vergrabenen Piratenschatz löst, wird alles wieder gut.

 

 

Hach, zau-ber-haft!

 

Paul Stewart ist ein begnadeter Erzähler mit einem scheinbar unerschöpflichen Fundus an Ideen und Chris Ridell hat auch dieses Mal seine verrückten, zauberhaften und gnadenlos guten Ideen in wundervolle Zeichnungen umgesetzt. Leider bekommt man davon nur einen Bruchteil auf dem Booklet der CD mitgeliefert, doch schon dieser Bruchteil kann einen dazu zwingen, unbedingt auch das Buch zu kaufen, weil man nach diesen Bildern süchtig werden kann.

 

Wie immer sind die Geschichten von Paul Stewart witzig, bezaubernd und einfach traumhaft. Man lauscht der Lesung vollkommen hingerissen. Wenn man gerade glaubte, es kann nicht mehr aberwitziger kommen, dann wird mit noch phantastischeren Ideen nachgelegt.

 

Und das man nicht davon loskommt und jedes Wort hören will ist nicht zuletzt Mirja Boes zu verdanken, die einfach zauberhaft, witzig und frech erzählt, anstatt trocken vorzulesen. Trotz der Menge an Charakteren gibt es keinerlei Probleme bei Dialogen die Personen auseinander zu halten, weil es Mirja Boes gelingt, einem jeden einen unverwechselbaren Dialekt oder Tonfall zu geben, sei es nun Mann oder Frau.

 

Mirja Boes ist inzwischen ein gefragter Comedy- Star, vielen wohl bekannt aus der Sat.1 Sketch-Comedy „Die dreisten Drei“. Sie hatte aber auch schon Auftritte bei Harald Schmidt und 2006 startete ihre eigene Sendung „Angie“ auf RTL. Zahlreiche Preise bezeugen ihr komödiantisches Talent, was auch bei dieser Lesung sehr gut zum Tragen kommt.

 

Dazu kommen die ansprechende Musik und die Toneffekte, die dem Hörer helfen, die einzelnen Szenen auseinander zu halten. So werden gelegentlich Rückblenden erzählt, die Vorgeschichte der einzelnen Charaktere. Diese beginnen zwar mit „Es war einmal...“, doch es gibt noch ein anderes Unterscheidungsmerkmal: Vorher klingt es, als würde man eine alte Schallplatte auflegen und die Nadel über Vinyl kratzen. Auch Boes’ Stimme klingt dann mono und knarzig, wie bei diesen schrecklichen tragbaren Plattenspielern aus den 50ern.

 

Hugo Pepper ist eine mitreißende Geschichte für jung und alt. Definitiv nicht nur für Kinder gedacht und auch für Erwachsene ein echter Hörgenuss.

Eure Meinung:


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Hörbuch:

Hugo Pepper und der fliegende Schlitten

Autor: Paul Stewart

Reihe: Aberwitzige Abenteuer Bd.3

Sprecher: Mirja Boes

Übersetzer: Claudia Gliemann und Thomas Merk

2 Audio-CDs, 175 min

Patmos, 2007

Ab 6 Jahre

Titelbild und Innenillustrationen von Chris Riddell

ISBN-10: 3491241499

ISBN-13: 978-3491241497

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.08.2007, zuletzt aktualisiert: 15.10.2018 10:58