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Im letzten Viertel des Mondes- Kagen no Tsuki - Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Mit Ai Yazawa verbindet man fröhliche und augenzwinkernde Geschichten aus der Welt der Mode und Musik, in der junge Menschen von heute ihre ersten Schritte machen. Bewegten sich „Gkinyo Monogarati“ und „Paradise Kiss“ noch zwischen jungen Designern, ihren Rivalen und Models und tauchte „Nana“ tief in das Musikbusiness ein, so erzählt sie mit „Kagen no Tsuki - Im letzten Viertel des Mondes“ eine Geschichte, die man ganz und gar nicht von ihr gewohnt ist.

 

Mizuki kommt mit der veränderten Situation in ihrer Familie nicht zurecht und läuft eines Nachts davon, um mit ihren wenigen Habseligkeiten und ein bisschen Geld ein eigenes Leben aufzubauen. Ziellos und verwirrt wandert sie durch Tokios Einkaufs- und Vergnügungsviertel Shibuya, bis sie auf einen jungen Mann mit einer Gitarre trifft, der ebenso verloren wirkt wie sie.

Sie unterhalten sich und finden einander ganz nett. Instinktiv nähern sie sich einander an und spüren ihre Seelenverwandtschaft. Mizuki klammert sich an den Halt, den ihr „Adam“ mit den blauen Augen gibt. Das geht allerdings nur kurz gut, denn sie versucht ihn zu sehr festzuhalten. Noch bevor sie jedoch zu einem klärenden Gespräch kommen können, verunglückt Mizuki überraschend tödlich.

Doch auch wenn sie als Geist einiges vergisst, so bleibt sie dem Diesseits doch verhaftet und kann keine Ruhe finden. Doch es ist ihr auch nicht möglich, die Grenzen zu überschreiben. Nur die kleine Hotaru, das sie selbst wieder ins Leben zurückgeleitet kann sie von nun an sehen und hören. Die Grundschülerin beschließt ihrer Retterin aus Dankbarkeit zu helfen. Gemeinsam mit ihren Freunden will sie für „Eva“ ihren „Adam“ finden...

 

Auch wenn man vertraute Elemente in diesem Manga wiederfindet - junge Menschen wollen auf eigenen Füßen stehen, weil sie die Zwänge ihres Lebens nicht mehr aushalten - so ist er doch ganz anders als die anderen Werke von Ai Yazawa. „Im letzten Viertel des Mondes“ strahlt schon von Anfang an eine unwirkliche und melancholische Stimmung aus. Es will kein wirkliches Gefühl der Heiterkeit aufkommen, und es gibt auch keine Scherze. Verzweiflung liegt über den Handlungen Mizukis, die ganz unmerklich und nicht einmal bewusst in die Geisterwelt gleitet.

Ähnlich ergeht es auch dem Leser. Der Übergang in eine andere Ebene geschieht leise und unbemerkt. Zwar wird der Unfall als Wendepunkt dargestellt, aber durch den Umschwung der Geschichte auf die junge Hotaru, bekommt man erst später mit, was eigentlich passiert ist. Und das macht den besonderen Reiz der Geschichte aus: Nicht nur das sie bittersüß und traurig ist, die Künstlerin beweist damit auch, dass sie weitaus vielseitiger ist als bisher vermutet. Sie zeigt, dass sie nicht nur das heitere Lebensgefühl junger Japaner, sondern auch die dunklen Seiten der Liebe einfangen kann.

 

„Im letzten Viertel des Mondes“ ist vielleicht sehr ruhig erzählt, zeichnerisch aber sehr sauber und mit feinem Strich umgesetzt und für alle empfehlenswert, die traurig-romantische Liebesgeschichten mit einem Hauch von Magie mögen.

Eure Meinung:


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Im letzten Viertel des Mondes- Kagen no Tsuki - Band 1

Autorin und Zeichnerin: Ai Yazawa

Aus dem Japanischen von Sabine Hänsgen

Egmont Manga und Anime, München, September 2007

Mangataschenbuch, 182 Seiten

ISBN 978-3-7704-6769-3

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 03.11.2007, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39