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Im tiefen, tiefen Wald

Reihe: Joe Hill präsentiert

 

Rezension von Christel Scheja

 

Erneut präsentiert Joe Hill eine Comic-Geschichte, die nicht von ihm stammt, sondern aus der Feder anderer Künstler, wie Newcomerin Carmen Maria Machado, die zusammen mit der Künstlerin Dani das Grauen in einer kleinen Stadt entfesselt. Denn Im tiefen, tiefen Wald gehen seltsame Dinge vor sich.

 

Die Stadt Shudder-to-think hat ihre besten Zeiten lange hinter sich. Zwar konnte man eine Zeit lang gutes Geld mit dem schürzen von Kohle verdienen, aber seit in den Stollen seltsame Dinge vor sich gehen und ein Teil des schwarzen Goldes in Brand geraten ist, geht die Stadt immer mehr vor die Hunde. Aber das ist nicht das Einzige, was dort eine beklemmende Atmosphäre schafft. Einst sind die Freundinnen Eldora und Octavia nur knapp einem seltsamen Geschöpf im Wals entkommen, Jahre später fehlt ihnen nach einem Kinobesuch jegliche Erinnerung an die letzten Stunden. Holt sie der Fluch, den so viele andere Frauen in der Stadt schon heimgesucht, nun ebenfalls ein? Die Suche nach Antworten stellt nicht nur ihren Mut, sondern auch ihre Freundschaft auf die Probe.

 

Inspiriert von dem realen Minenbrand von Centralia in ihrer Heimat Pennsylvania hat die Autorin die Geschichte weiter gesponnen. Sie selbst kennt das Leben in den verarmten Minenstädten nur zu genau und zeichnet so ein düsteres Bild, das näher an der Realität ist als man denkt, garniert mit einem guten Schuss Horror.

Denn das Grauen ist nicht ganz so offensichtlich wie man zunächst denken mag – erst nach und nach enthüllt sich die schreckliche Geschichte des Ortes und das, was Mädchen und Frauen von den wahren Bestien angetan wird. Eine Hexe hat scheinbar ihre Finger im Spiel, aber auch da ist die Wahrheit anders als man vermutet – und während die eine Freundin nur noch vergessen will, setzt die andere alles daran, um die Wahrheit heraus zu finden.

Wieder einmal ist die mystische Seite das, was man daraus macht – die Grausamkeit und Brutalität liegt eher in den Händen derer, die die Macht missbrauchen – und genau diese fängt die Autorin gelungen ein.

Zugleich präsentiert sie ein mutiges Pärchen, das in dieser in sich geschlossenen Gesellschaft vermutlich nicht gerne gesehen wird, zwei Freundinnen, die eng miteinander verbunden sind und keinen Mann zwischen sich kommen lassen.

Alles in allem ist die Geschichte gut getaktet – die Hinweise sind geschickt eingestreut, so dass die Spannung niemals wirklich nachlässt und am Ende auch die Handlung sauber und logisch abgeschlossen wird. Der Zeichenstil und die Farbgebung passen zur Geschichte und spiegeln die schmutzige Realität mehr als deutlich wieder.

 

Fazit:

Auch in diesem Fall sorgt Joe Hills Name vermutlich dafür, dass die Geschichte genauer betrachtet wird, aber die Qualität der düsteren Geschichte spricht für sich. »Im tiefen, tiefen Wald« ist eine mystische Geschichte, deren wahrer Horror, aber in der von Grund auf verdorbenen und pervertierten menschlichen Gesellschaft liegt, die in dieser Stadt das Sagen zu haben scheint.

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Eure Meinung:

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Comic:

Im tiefen, tiefen Wald

Reihe: Joe Hill präsentiert

Original: The Low, Low Woods #1-6

Autorin: Carmen Maria Machado

Zeichnungen und Farben: Dani und Tamra Bonvillain

Übersetzung: Gerlinde Althoff

Panini Comics, 12/2020

Vollfarbige Graphic Novel, 160 Seiten

 

ISBN-10: 3741620149

ISBN-13: 978-3741620140

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 23.12.2020, zuletzt aktualisiert: 23.12.2020 17:40