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In Sound Mind

Rezension von Cronn

 

Ich laufe durch den Knochenbogen eines Riesenskeletts. Es wölbt sich über mir wie eine knöcherne Titanenspinne.

Links und rechts ragen die Wracks von Frachtkähnen und Fischerbooten aus dem flachen Wasser wie gestrandete Blauwale.

Im Hintergrund wölbt sich eine gigantische Kassette in den dunklen Nachthimmel. Ein Tonbandkassettenrekorder hängt an einem Lichtmast. Als ich die Play-Taste drücke, läuft das Band los und gleichzeitig drehen sich am Horizont die gewaltigen Räder der Riesenkassette. Ich bin in einem Alptraum eines meiner ehemaligen Patienten gefangen.

Dessen Stimme ertönt aus dem Lautsprecher des Kassettenrekorders. Er lebt in Dunkelheit und genießt die Angst vor dem Grauen. Wie ein Horrorfilmfan oder ein Zocker von Horrorgames, denke ich mir und erkenne einen erloschenen Leuchtturm auf einer Klippe. Ich mache mich wieder auf den Weg.

Schließlich gelange ich über einen Rippenbogen zum Uferrand. Dort strahlt hinter einem Felsen ein helles Licht. Ich umrunde den gewaltigen Stein und sehe, dass das Strahlen aus einem Holzhaus am Ufer kommt. Es ist so hell als würde sich ein Stern darin befinden.

Ich trete ein und erkenne eine große Lampe, wie man sie in Leuchttürmen benutzt. Als ich sie ergreife, erhalte ich den Auftrag, sie dort oben einzusetzen. Sogleich fällt das Holzhaus wie ein Kartenhaus zusammen und ich stehe schutzlos im Freien.

Gleichzeitig erwacht der Leuchtturm auf der Klippe zum Leben. Ein rotes Licht beginnt langsam zu rotieren. Als es mich erfasst, spüre ich einen brennenden Schmerz. Ich werfe mich hinter den großen Felsen, wo mich das Licht nicht erreichen kann und sofort endet mein Leiden.

Wie soll ich die Riesenlampe in den roten Leuchtturm einsetzen ohne bei lebendigem Leib von dessen Strahl verbrannt zu werden? Meine Odyssee durch den Alptraum hat gerade erst begonnen …

 

In Sound Mind heißt das Debut-Game von dem Entwickler We Create Stuff. Bereits vor einiger Zeit war eine Demo des Spiels auf Steam erhältlich und erhielt positive Rückmeldungen. Nun ist das vollständige Spiel erschienen. Kann es erfahrene Horrorgames-Fans begeistern?

 

Inhalt:

Als Psychologe Desmond Wales aufwacht, ist alles anders als gewohnt. Er befindet sich im Keller eines Gebäudes. Draußen sind die Straßen der Stadt geflutet und er findet seltsame Flüssigkeiten am Boden, die ihn im Kopf verwirren und körperlich Schaden zufügen.

Im Lauf der Handlung wird klar, dass diese Welt, in der er sich befindet, anderen Regeln folgt: Ein mysteriöser Anrufer überbringt ständig geheimnisvolle Drohungen, eine herumstreunende Katze spricht und mit Hilfe von Kassetten kann Wales in die Gedankenwelt seiner Patienten körperlich eintauchen. Wohin führt das alles?

 

Die Story von »In Sound Mind« ist geheimnisvoll und führt den Spieler immer wieder mit einer fiktiven Karotte vor der Nase weiter und tiefer in das Game hinein. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Spielrealität und Gedankenwelt immer mehr.

Auf diese Weise erzeugt das Spiel einen konstanten Flow, der überzeugt.

 

Gameplay:

»In Sound Mind« setzt auf den Wechsel von Spielmechanismen. Sobald diese eingeführt wurden, werden sie auch in anderen Leveln eingesetzt, z. T. aber mit anderen Hintergründen. Beispielsweise gibt es das Element des Spiegels. Das wird sehr geschickt im Kontext der Story eingeführt und später mit neuen Gameplay-Mechaniken erweitert. Aus Spoilergründen sollen Details vermieden werden an dieser Stelle.

 

Das Spiel ist dadurch im ersten Drittel sehr abwechslungsreich und führt neue Möglichkeiten des Gameplays immer dann ein, wenn man sich an die alten gewöhnt hat. In der Mitte bricht das allerdings etwas weg und »In Sound Mind« dehnt sich im Fabrik-Level etwas zu sehr. Hier gefällt es sich zu stark mit seinen eingeführten Mechaniken und es kommt wenig Gehaltvolles dazu.

 

Immer stärker fühlt sich das Spiel an wie ein Puzzle, das zudem den Orientierungssinn auf die Probe stellt: Hier muss man Computerchips einsetzen, um Stromkreise zu schließen. Dort muss man Weichen bei einem Fließband richtig einstellen. Das macht durchaus Spaß, kann aber auch in Stress ausarten, sobald gleichzeitig Feinde unterwegs sind, während man knobelt.

 

Gegen die Gegner kann man sich aber zur Wehr setzen, indem man Waffen einsetzt. Das ist dem Spannungsfaktor nicht vollauf zuträglich. Allerdings ist die Munition recht beschränkt, was den Einsatz von Pistole und Schrotflinte limitiert. Schleichen ist die spannendere Möglichkeit. Doch die Gegner sehen die Spieler·innen bereits über weite Strecken, sodass der Kampf nicht immer vermieden werden kann.

 

Grafik und Sound:

»In Sound Mind« gelingt es mit einer recht ordentlichen Grafik dennoch eine Atmosphäre des Unheimlichen zu erzeugen. Das liegt an dem sehr guten Einsatz von Licht und Schatten, sowie Farben.

 

Wesentlichen Beitrag zum Gelingen trägt auch das Sounddesign bei. Die Hintergrundmusik ist niemals aufdringlich, stets präzise auf die Situationen zugeschnitten und erzeugt Gänsehaut, ohne dass es den Spieler·innen zu jeder Zeit bewusst ist.

 

Fazit:

»In Sound Mind« ist ein gelungenes Horror-Game aus der Indie-Ecke, das ca. 5 Stunden lang gut unterhält, wenn man bereit ist, in der Spielmitte die Längen und Orientierungsschwierigkeiten zu tolerieren.

 

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PC-Spiel:

In Sound Mind

Entwickler: We Create Stuff

Publisher: Modus Games, 29. September 2021

USK: 16

 

Erhältlich bei: steam


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Erstellt: 22.10.2021, zuletzt aktualisiert: 16.11.2022 17:38