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7 Fragen - 7 Antworten : Mark Freier - Düstere Visionen

Redakteur: Michael Schmidt

 

Fantasyguide: Hallo Mark. Stell dich doch unseren Lesern mal vor!

 

Mark Freier: : Geboren wurde ich im Oktober 1967 in München, wo ich auch aufgewachsen bin und heute noch lebe. Zusammen mit meiner Freundin Tina und den beiden Katzen Nemo und Jessie, wohne ich in einem älteren Häuschen mit Garten am östlichen Stadtrand.

Nachdem ich meine Schulzeit mit der mittleren Reife abgeschlossen habe, machte ich eine Ausbildung zum Modelltischler, arbeitete aber später in verschiedenen anderen Jobs und könnte schließlich im Januar 2002 den IHK-Abschluss als Mediengestalter (Printmedien) machen.

Seit 2004 bin ich als selbstständiger Grafiker/Mediengestalter u.a. für diverse Verlage der Horror- und Phantastik-Szene tätig, für die ich neben dem Cover-Artwork auch digitale Illustrationen sowie Satzarbeiten und Layouts übernehme.

Meine Begeisterung für dunkle, phantastische Geschichten hatte ihren Ursprung in frühester Kindheit. Wie meine Mutter erzählt, war ich höchstens vier Jahre alt, als ich „Dracula“ (Hammer-Produktion von 1957 mit Christopher Lee) zum ersten Mal im TV sah. Ich war von dieser fremden, geheimnisvollen Welt fasziniert. Mein Vater, ein leidenschaftlicher Cineast, konnte mir mit einfachen Worten vermitteln, dass es sich nur um „Märchen für Erwachsene“ handle, und alles nur gespielt ist. Die Reihe „Der phantastische Film“ bleibt für mich unvergessen. Ich wurde um sieben Uhr abends ins Bett geschickt um dann gegen Mitternacht rechtzeitig wieder geweckt zu werden. Alleine dieses Ritual machte alles noch viel aufregender und verstärkte sozusagen die Vorfreude auf Filme wie „Blut für Dracula“ oder „Tanz der Vampire“, die noch heute zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehören, auch wenn ich sie unzählige Male auf Video und DVD gesehen habe.

Ich begann sehr früh mit dem Zeichnen, angeregt durch meine Eltern, die selbst gerne malten und sich des öfteren kreativ beschäftigten. Bereits in der Grundschule zählten feuerspeiende Drachen und finstere Dämonen zu meinen Lieblingsmotiven und zu dieser Zeit habe ich mit Hilfe meiner Mutter auch meine erste Gruselgeschichte geschrieben. Wie konnte es anders sein: Es war eine Dracula-Geschichte (weil am selben Abend noch ein Dracula-Film im TV lief und ich voller Vorfreude war, – daran kann ich mich tatsächlich noch gut erinnern). Ich schreibe auch heute noch kleine Horrorstorys, die z.T. auch veröffentlicht wurden, wie z.B. „Das Höllenwunder“ aus der, für den deutschen Phantastik Preis 2006 nominierten Anthologie „Der ewig dunkle Traum“ aus der Reihe Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik oder „Die letzten Tage von Sodom“ aus Welt der Geschichten.

Mit 15 Jahren bekam ich meine erste Bass-Gitarre vorzeitig zum Geburtstag geschenkt. In meiner „Musiker-Laufbahn“ als Rockbassist habe ich an sieben selbstproduzierten CDs mitgewirkt und war 1998 sogar zwei Wochen mit der Band „Polliwog“ in Deutschland und der Schweiz auf Tournee. Der Wunsch, von einer Plattenfirma produziert zu werden, blieb bis heute unerfüllt. Unberührt davon arbeite ich mit der Band „Dead Means Nothing“ derzeit an einer neuen „Scheibe“. Mic und Django, die anderen Bandmitglieder, sind auch die Mitbewohner aus den beiden anderen Wohnungen im Haus, was natürlich eine recht feine Sache ist, da eine lockere und kreative Atmosphäre herrscht.

Richtig entspannen kann ich mich abends mit meiner Freundin bei einem guten Grusel- oder Horrorfilm. Zu meinen Lieblingsfilmen zählen viele Klassiker, wie: „Bis das Blut gefriert“, oder „Die Stunde wenn Dracula kommt“, aber auch „Blair Witch Projekt“ (der wohl mit dem angsteinflößensten Finale in der Geschichte des schwarzen Film-Genres aufwarten kann) oder jetzt neu, „The Dicent“ mit seiner beklemmenden Stimmung (selbe Thematik wie bei meiner Story „Das Höllenwunder“).

So was gefällt mir...

 

Fantasyguide: Du illustrierst die Reihe E.A. Poes Phantastische Bibliothek und gibst der Reihe einen ganz eigenen Flair dank deiner eindrucksvollen Titelbilder. Wie kam es zu einer Zusammenarbeit mit dem Blitz-Verlag?

 

Mark Freier: Alles begann eigentlich mit der Bekanntschaft zu Markus Korb, den ich nach einer Versteigerung bei e-bay kennerlernte. Er hatte mir ein Poe-Comic in letzter Sekunde weggeschnappt. Als ich bei ihm ein paar Wochen später per e-mail nachfragte, ob er das Comic schon gelesen habe und ob er es nun an mich weiterverkaufen wolle, kam es zu einem regen Schriftwechsel, da wir die Begeisterung für Edgar Allan Poe und für dunkle Phantastik teilen. Er schrieb schon seit längerem kurze Horrorgeschichten und ich experimentierte am Computer mit abstrakten und phantastischen Bildern. Kurzer Hand erstellte ich ihm eine neue Startseite für seine Homepage.

Als Herausgeber der Anthologie „Jenseits des Hauses Usher – eine Hommage an E.A. Poe“ fragte Markus mich, ob ich nicht ein Cover dafür entwerfen könne.

Es war mein erstes Cover überhaupt und als die Anthologie dann 2002 beim BLITZ-Verlag veröffentlicht wurde, war ich sehr glücklich. Nun hatte Markus den Kontakt hergestellt und es sollte sein Buch „Grausame Städte“ folgen. Diese Kurzgeschichtensammlung bildete den Auftakt zu „E.A. Poes Phantastische Bibliothek“ und Jörg Kaegelmann machte den Vorschlag, nachdem das Cover zur Poe-Hommage guten Anklang gefunden hatte, ob ich nicht das Artwork für die gesamte Reihe übernehmen möchte. Ich war natürlich sehr erfreut über das Vertrauen und es war klar, dass es mit der Arbeit weitergehen würde. So begann die anfangs nebenberufliche Zusammenarbeit mit dem BLITZ-Verlag, die sich seitdem wunderbar entwickelt hat.

 

Fantasyguide: Viele deiner Illustrationen erscheinen beim Blitz-Verlag. Anderer bei Kleinverlagen wie Atlantis, Basilisk oder Eloy Edictions. Wann zieren Bücher großer Verlage Titelbilder aus deiner Hand?

 

Mark Freier: Eine gute Frage, würde meine Freundin sagen. Nun, das ist es natürlich, was man in diesem Geschäft erreichen möchte. Bis jetzt sind allerdings die Verlage von selbst auf mich zugekommen und haben ihre Anfragen gestellt. Naja, mal sehen, wenn es auf diesem Weg in ein paar Monaten noch nicht klappt, muß ich meine Arbeit vielleicht selbst einem größeren Verlag anbieten. Aber mein eigentlicher Wunsch wäre das Gestalten von DVD-Hüllen oder Kinoplakaten, da das meiner Art zu arbeiten genau entsprechen würde.

 

Fantasyguide: Wie würdest du deinen Stil charakterisieren? Gibt es Vorbilder an denen du dich orientierst?

 

Mark Freier: Nein, Vorbilder habe ich nicht. Es gibt natürlich große Künstler, bei den ich zu erblassen drohe und die ich bewundere, aber ich orientiere mich an niemandem. Was besser passt ist, dass ich gerne Kinoplakate unter die Lupe nehme und in diese Richtung der Illustration tendiere.

Inspirieren lasse ich mich von der Nostalgie und der Romantik alter Gruselfilme, die mich ja mein Leben lang schon begleiten. Um in die richtige Stimmung zu kommen, gibt’s immer einen Movie im Hintergrund. Wie andere Menschen bei der Arbeit Musik hören, so laufen bei mir Filme, die ich teilweise schon weit mehr als 100 mal gesehen (oder nur gehört) habe. Ob man in meinen Bildern davon etwas erkennen kann, weiß ich nicht. Ist auch nicht wichtig.

Auf jeden Fall liebe ich es, abstrakt zu sein - etwas Morbidität ins Bild zu bekommen. Das ist wohl das Charakteristischste an meiner Arbeit. Und ich denke, das steckt mir auch ein wenig im Blut, auch wenn sich diese Morbidität nur im relativ harmlosen Bereich abspielt. Derartigem sind ja keine Grenzen gesetzt, so wie den tiefen Abgründen der menschlichen Seele...

 

Fantasyguide: Kannst du unseren Lesern mal erklären, wie du beim Erstellen deiner Bilder vorgehst? Welche Techniken du vewendest?

 

Mark Freier: Ich arbeite mit herkömmlichen Bildbearbeitungsprogrammen und benötige zunächst das geeignete Fotomaterial für ein Cover oder eine (SW-)Illustration. Dabei verwende ich, wenn möglich, selbstaufgenommene Fotos, und da man in diesem Beruf ständig auf der Suche nach gutem Material sein sollte, habe ich mittlerweile auch ein ordentliches Archiv angelegt. Aber auch auf Webportalen für lizenzfreie Fotos lässt sich passendes Ausgangsmaterial auftreiben. Es ist allerdings manchmal nicht so einfach das richtige zu finden. Darum ist es für meine Arbeit von Vorteil, wenn die Vorgaben nicht allzu eng gestrickt sind.

Wenn eine Auswahl getroffen und das richtige Fotomaterial zusammengestellt ist, kann der eigentlich handwerkliche Prozess beginnen. Es ist meist eine Art Session. Auch wenn ich mittlerweile auf einen technischen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, bin ich dennoch ständig am Ausprobieren und Experimentieren. Dabei verliere ich mich auch gerne mal in Details, die letztlich doch nicht großartig zu erkennen sind. Ich verwende Mal- oder Zeichenfilter und Strukturfilter, um das Ergebnis rauer wirken zu lassen. Wenn es das Motiv zulässt, auch mal einen dezent eingesetzten Verzerrungsfilter, der dem Bild etwas Morbides verleihen kann.

Die Farbgebung ist ein eigenes Thema für sich. Es kommt häufig vor, dass ich von den verwendeten Ausgangsbildern keine Farben übernehme und darum das Bild erst in Graustufen umwandle, bevor ich mit dem Kolorieren beginne.

 

Fantasyguide: Werden deine Bilder in der Regel nach Vorgabe erstellt oder hast du diese fertig und bietest diese einem Verlag an?

 

Mark Freier: Bis jetzt habe ich alle Buchcover exklusiv für die Verlage gestaltet. Dabei schwanken die Vorgaben zwischen sehr konkret und völliger künstlerischer Freiheit. Eine Mischung aus beidem ist die optimale Situation, aber die Freiheiten bilden den wichtigeren Teil.

Bei Innenillustrationen kommt es vor, dass bereits bestehende Arbeiten verwendet werden. Da bastele ich nachts manchmal so für mich an einem Bild herum, - und vielleicht findet es ja mal Verwendung.

 

Fantasyguide: Letzte Frage. Du bist für den „Deutschen Phantastikpreis“ in der Kategorie „Bester Grafiker“ nominiert. Welche Chancen rechnest du dir aus?.

 

Mark Freier: Ehrlich gesagt, freue ich mich bereits über die Nominierung und die Anerkennung, die dadurch zum Ausdruck gebracht wurde. Welche Platzierung ich letztendlich belegen werde, wird die Szene entscheiden.

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

 

Mark Freier: Danke für das Interesse.

 

 

 

 

Eure Meinung:

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Mark Freier

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Erstellt: 17.07.2006, zuletzt aktualisiert: 14.03.2019 17:55