Interview mit Diana Menschig

von Ralf Steinberg

 

Diana Menschig ist Autorin von historischen und phantastischen Romanen und gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins PAN – Phantastik-Autoren-Netzwerk e.V.. Die im November 2015 gegründete Organisation möchte Phantastik-AutorInnen besser vernetzen. Wir warfen unsere Angel aus und holten einige Antworten rund um den Verein an Land:

Diana Menschig, Foto von Norman Guy
Diana Menschig, Foto von Norman Guy

Fantasyguide: Hallo Diana, Du hast im Interview mit der Buchkolumne als Motiv für die Gründung von PAN einen Mangel an Netzwerken für Autorinnen und Autoren der Phantastik genannt. Mir fallen da ganz spontan diverse ein, etwa der SFCD, der EDFC oder diverse Genre-Foren. Was fehlt denen, was ihr nun dem Genre hinzufügen wollt?

 

Diana Menschig: Es gibt sicherlich in einigen Bereichen Überschneidungen und viele von uns sind Teil anderer formeller oder informeller Netzwerke. Wir wollen uns nicht hart abgrenzen – und sehen darin auch keine Notwendigkeit – sondern uns in das Gesamtgebilde der phantastischen Szene einfügen. Als Autorinnen und Autoren wollen wir uns gegenseitig unterstützen, können uns aneinander wenden, wenn wir Hilfe benötigen, und haben das gemeinsame Ziel darin, die Phantastik im deutschsprachigen literarischen Raum zu bewahren und zu fördern.

 

Fantasyguide: Was verstehst Du unter dem »Netzwerken« als Tätigkeit? Lobby-Arbeit?

 

Diana Menschig: Lobby-Arbeit klingt so leidenschaftslos. Dabei habe ich den Verein mit viel Herzblut gegründet. Eigentlich ist es schon Lobbyismus, wenn ich mit Arbeitskollegen, Freunden, Bekanntschaften auf Conventions oder meinem Verleger über phantastische Literatur spreche, denn dabei kann ich meine Begeisterung nicht verstecken. Nur, dass ich jetzt konkret über PAN und seine Ziele sprechen kann. Und nicht allein damit bin, was die täglich ins Haus flatternden Anmeldungen beweisen.

 

Fantasyguide: Wie entscheidet ihr, welche Autorinnen und Autoren zu eurem Netzwerk passen? Rennt man euch die Türen ein, weil alle auf euch gewartet haben?

 

Diana Menschig: Wie gesagt: über mangelnde Anmeldungen können wir uns nicht beklagen. Und das sind nur die Anträge der »ersten Welle« – wenn wir uns als Verein etabliert haben und unsere Arbeit ein konkretes Gesicht bekommt, denke ich, dass der Zuspruch sogar noch anwachsen wird. Jeder Autor, der einen phantastischen, deutschsprachigen Roman, mehrere Heftromane oder Graphic Novels veröffentlicht hat und volljährig ist, kann bei PAN aufgenommen werden. Self-Publisher schließen wir zur Zeit noch aus, aber auch darüber diskutieren wir, denn wir wollen auf keinen Fall zu einem elitären Club werden, der sich Autoren wie Rosinen herauspickt. Fördermitglied kann übrigens schon jetzt jede Person werden, die sich dafür interessiert und uns unterstützen möchte.


Diana Menschig, Foto von Norman Guy
Diana Menschig, Foto von Norman Guy

Fantasyguide: Was muss man als Vereinsmitglied bei euch einbringen?

 

Diana Menschig: Als Fördermitglied reicht schon die Liebe zur Phantastik. Alles andere kann man auch detailliert auf unserer Webseite www.phantastik-autoren.net nachlesen.

 

Fantasyguide: Welche Interessen veröffentlichter Autorinnen und Autoren sind es denn konkret, denen euer Fokus gilt?

 

Diana Menschig: Netzwerken ist der Grundpfeiler des Vereins. Die Möglichkeit, dass jedes unserer Mitglieder miteinander in Kontakt treten kann, Erfahrungen austauschen, Ratschläge geben, Hilfe annehmen – die Szene scheint klein zu sein, aber nicht alle, die Phantastik schreiben, stehen dem Fandom nah oder gehen auf Conventions. Wir versuchen, genau diese Schnittstelle zu sein, an der sich alle begegnen können, die dem Genre nahestehen. Zusätzlich binden wir PAN in das größere Ganze ein, vernetzen uns mit andern Autorenverbänden oder Schriftstellerorganisationen.

 

Fantasyguide: Das klingt ungeheuer abstrakt. Welche Rollen spielen für euch denn die klassischen Organisationen wie der Schriftstellerverband, Kulturakademien, PEN-Zentren?

 

Diana Menschig: Sie spielen alle eine Rolle, genau wie das Fandom oder bedeutende informelle Netzwerke. Im ersten Schritt heißt das: Wir zeigen uns in alle Richtungen offen und gesprächsbereit. PAN ist erst wenige Monate jung, und es ist wirklich noch viel zu früh um zu sagen, was daraus erwächst.

 

Fantasyguide: Warum ein Verein und keine Gewerkschaft?

 

Diana Menschig: Das ist eine gute Frage. Wenn wir uns nur die Rechte von Autoren auf die Fahnen geschrieben hätten, wäre eine Gewerkschaft sicher die richtige Form des Auftritts gewesen. Aber PAN ist so viel mehr! Wir haben auch einen starken, nach innen gerichteten Zweck und treten nicht nur als geschlossene Autorenvereinigung an die Öffentlichkeit.


Diana Menschig, Foto von Norman Guy
Diana Menschig, Foto von Norman Guy

Fantasyguide: Während in den letzten Jahren viele phantastische Werke ohne entsprechende Label in den allgemeinen Reihen der Verlage erschienen, boomen plötzlich phantastische Verlagsprogramme – ganz ohne PAN. Wird jetzt nicht sowieso schon alles besser?

 

Diana Menschig: Als vor 15 Jahren die Herr der Ringe-Trilogie einen regelrechten Phantastik-Hype ausgelöst hat, hat das auch jeder angenommen. Und trotzdem ist die Erfolgskurve der phantastischen Literatur nur langsam angestiegen. Ganz persönlich finde ich nicht, dass die phantastische Literatur auf breiter Front akzeptiert wird – da muss ich nur an die verhaltenen Reaktionen denken, wenn ich erkläre, was ich schreibe. Man kann nicht sagen, was die Zukunft bringt. Es kann jedenfalls nicht schaden, den Stein ein wenig schneller ins Rollen zu bringen.

 

Fantasyguide: »kulturelle Veranstaltungen oder wissenschaftliche Arbeiten zu unterstützen, Nachwuchsautoren zu fördern und eine Anlaufstelle für Fragen rund um die deutschsprachige Phantastikliteratur zu sein« –Ähnliches habe ich schon oft gelesen. Projekte wie »Die Loge« schlafen aber bald wieder ein. Was und wie wollt ihr es besser machen?

 

Diana Menschig: Momentan atmen die Mitglieder des Vorstands alle PAN, wenn sie nicht ihren geldeintreibenden Tagesjobs nachgehen. Wenn das so bleibt, sehe ich da keine Probleme. Wir haben uns das vorher reiflich überlegt und ich hätte den Verein nicht gegründet, wenn ich mir nicht zu hundert Prozent sicher gewesen wäre, dass ich mich auf die Menschen verlassen kann, die ihre Professionalität und Leidenschaft jeden Tag beweisen. Diese Art der gemeinsamen Erfahrung ist ein sich selbst verstärkender Prozess – und damit schließt sich wieder ein Kreis: Unser Netzwerk soll eine Gemeinschaft sein, die durch sich selbst stark wird. Das klingt fürchterlich pathetisch, aber ich erlebe das so.

 

Fantasyguide: Warum unterscheidet ihr überhaupt nach Selbstverlag und Verlag? Was hat die Art der Veröffentlichung mit der Phantastik als Genre zu tun?

 

Diana Menschig: Die Art der Veröffentlichung hat mit unserer Arbeit als Autoren zu tun. Irgendwo müssen wir am Anfang die Grenze ziehen. Wir sind noch jung und beginnen mit dem, was wir kennen, und das ist die Veröffentlichung in Verlagen. Aber wir arbeiten mit Hochdruck an dieser Fragestellung, und unter den neuen Mitgliedern gibt es bereits einige, die sich mit alternativen Veröffentlichungsformen auskennen – wenn die sich aktiv einbringen, umso besser für alle!

 

Fantasyguide: Vernetzungen etwa über Twitter oder Facebook sind extrem flüchtig, proprietär und schwer zu organisieren, da man von externen Firmen abhängig ist. Wären eigene Netze nicht wesentlich effektiver?

 

Diana Menschig: Ja, absolut. Sofern du beispielsweise einen geschlossenen Bereich auf unserer Webseite meinst: Der ist in Arbeit und wir hoffen, dass wir in den Monaten nach dem Branchentreffen live gehen – vielleicht schneller.

 

Fantasyguide: Das Programm eures ersten Events, dem Fantasy-Branchentreffen, klingt dann auch sehr nach Markt, Kommerz und Werbung. Für mich sind das alles eher Dinge, die einen Verlag angehen oder eben Selfpublisher – ändert sich gerade der Beruf der Verlags-Autorin?

 

Diana Menschig: Ein gutes Stichwort – Ja, die Welt ist im Wandel und die Anforderungen verändern sich. Einfach nur ein Buch schreiben und »Wasserglas-Lesungen« halten, reicht heutzutage nicht mehr. Zugleich heißt das nicht, dass bestehende Formen von heute auf morgen aufgebrochen und platt gewalzt werden. Die Dinge, die auf dem Branchentreffen angesprochen werden, sind integraler Bestandteil der phantastischen Literatur und werden es auch noch lange Zeit bleiben.


Diana Menschig, Foto von Norman Guy
Diana Menschig, Foto von Norman Guy

Fantasyguide: Was kann so ein Branchentreffen bewirken? Wie verhindert man Nabelschau und fröhliches Aufdieschulterklopfen?

 

Diana Menschig: Neue Denkansätze geben, Autoren und Autorinnen informieren, die noch am Anfang ihres literarischen Wegs stehen, fremde Meinungen einholen, seinen ganzen Blickwinkel ändern … und natürlich Netzwerken! Kontakte knüpfen, alte Bekannte wieder sehen, mit Freunden über eine der schönsten Sachen auf der Welt diskutieren – die literarische Phantastik. Was ist gegen Nabelschau und fröhliches Aufdieschulterklopfen einzuwenden? Wir sind keine Gegner oder eiskalte Geschäftspartner – wir freuen uns auf eine gute Zeit mit klugen Köpfen und netten Menschen!

 

Fantasyguide: Kaum eine Schriftstellerin und kaum ein Schriftsteller kann heute vom Schreiben allein leben. Wie sieht es mit politischen Aktionen und Forderungen aus? Kulturflatrate, bedingungsloses Grundeinkommen, Urheberecht …

 

Diana Menschig: Höchste Priorität haben jetzt erstmal die Etablierung des Vereins und das Branchentreffen im April. – Und dann ändern wir die Welt!

Nein, im Ernst: nur Minuten, nachdem PAN das Licht der Welt erblickt hat, hat die Zusammenarbeit zu solchen Fragestellungen begonnen. Initiiert von Nina George sind wir an einer Aktion zur Stärkung des stationären Buchhandels beteiligt. Die ganze Sache wird am 19. März auf der Buchmesse gelauncht. Daran werden wir anknüpfen, das ist gar keine Frage.

 

Fantasyguide: Was habe ich als Leser von eurem Verein? Werden die phantastischen Werke nun besser, billiger und hübscher?

 

Diana Menschig: Ich als Leserin erfahre hoffentlich bald weit mehr über phantastische Werke in den »herkömmlichen« Medien, in denen das Thema noch immer stiefmütterlich behandelt wird.

Und vielleicht erblicken zukünftig Romane das Licht der Welt, die es nicht gegeben hätte, weil der Autor oder die Autorin einfach die Möglichkeiten einer weitreichenden Vernetzung nicht gehabt hat?

 

Fantasyguide: Eins eurer Themen ist auch Social Reading, sagst Du im Interview mit der Buchkolumne. Ist das nicht eher alter Wein in neuen Schläuchen? Was macht dieses Thema für euch so interessant?

 

Diana Menschig: Online findet heute alles statt – von Konferenzen über persönliche Interaktion. Wer da nicht am Ball bleibt, hat verloren. Davor kann man nicht die Augen verschließen. Und es gibt täglich neue Entwicklungen. Ein Beispiel: Ich warte nur noch darauf, dass der erste Autor eine Lesung über Periscope (eine Video-App Anm. d. Red) hält und prophezeie bei Regelmäßigkeit in die Höhe schießende Zuschauerzahlen. Wer kriegt nicht gerne vorgelesen? Und wenn das gut ist, was vorgelesen wird, wollen die Zuschauer natürlich auch kaufen, was sie hören. Die Idee ist vielleicht also alter Wein – aber die Möglichkeiten, die jeden Tag hinzu kommen, auf keinen Fall!

 

Fantasyguide: Die Erwähnung von Periscope erinnert mich an die Live-Lesungen in Second Life, deren Qualitäten ich in den letzten Jahren zu schätzen gelernt habe. Doch ergeben sich mit neuen Techniken nicht auch neue Abhängigkeiten und neue Einstiegshürden?

 

Diana Menschig: Hier sind wir wieder bei der Frage, welche Anforderungen zukünftig auf uns zukommen. Neue Techniken können eine Herausforderung sein, und das Angebot an unsere Mitglieder, sie bei Bedarf zu unterstützen wird sicherlich ein Thema werden. Ich bin gespannt, was uns da alle erwartet.

 

Fantasyguide: Die Anerkennung der Phantastik als literarisches Genre liegt euch ebenfalls am Herzen. Viele Autorinnen und Autoren schreiben wie Du auch unter verschiedenen Namen, um nicht durch das Genre belastet zu sein. Ist das nicht vielleicht eine Legende, die von Verlagen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung geschwungen und von den AutorInnen in vorauseilendem Gehorsam unterstützt wird?

 

Diana Menschig: Ich kann nicht für andere Autoren sprechen, aber in meinem Fall hat das nichts mit »Belastung« zu tun, was nach negativem Beigeschmack klingt. Es geht bei der Entscheidung zum Pseudonym darum, keinen bunten Bauchladen aufzumachen, Ordnung in das zu bringen, was man der Öffentlichkeit präsentiert. Viele Leser, die Phantastik mögen, mögen vielleicht keine Krimis oder Liebesromane oder, oder, oder. Man selbst ist eine Marke und die möchte auf eine gewisse Art und Weise dargestellt werden. Deshalb wähle ich für verschiedene Geschichten verschiedene Pseudonyme.

 

Fantasyguide: Welche Autorinnen und Autoren hättet ihr gerne noch in eurem Verein, welche Stimmen und Nuancen fehlen?

 

Diana Menschig: Das kann man nicht beantworten. Uns geht es nicht um das Prestige, das Namen mit sich bringt. Wir freuen uns über jeden Autoren und jede Autorin, die Teil unseres Vereins sein möchte.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für das Interview und vor allem viel Erfolg!

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zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 13:31 | Users Online
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