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Jaïna

Reihe: Die Legende der Drachenritter, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Mehr als alles andere auf der Welt fürchten die Menschen Drachen. Niemand weiß, woher die Kreaturen stammen und welches Ziel sie haben, sicher ist nur, dass ihre bloße Anwesenheit die Lebewesen in ihrem Umfeld verändert. Menschen Tiere und Pflanzen mutieren bis zur Unkenntlichkeit, bis sie kläglich daran zu Grunde gehen.

Allein Jungfrauen sind immun gegen die verderbliche Aura der unheimlichen Geschöpfe und fähig, sich ihnen so weit zu nähern, dass sie imstande sind sie zu töten.

Aus diesem Grunde wurde der Orden der Drachenritter geschaffen. Doch die Kriegerinnen bezahlen einen hohen Preis für Ruhm, Ehre und Dankbarkeit: Sie werden von den meisten Männern nicht anerkannt und müssen für immer auf die Liebe verzichten.

 

Das nimmt Jaïna gerne in Kauf um den Menschen zu helfen. Zusammen mit ihrer noch unerfahrenen Knappin Ellys folgt sie dem Ruf der Aman-Priester, die in einer abgelegenen Zitadelle nach den Ursachen des „Übels“ und Möglichkeiten, diesem zu begegnen, suchen. Doch noch sind diese Forschungen nicht von Erfolg gekrönt.

Die Männer bitten sie, in die Berge von Neros zu reisen. Die Mutationen sind bereits bis in das Dörfchen Retz vorgedrungen und breiten sich weiter aus, obwohl sie selbst schon einiges unternommen haben, um es aufzuhalten.

Doch weder Priester noch Jungfrauen hatten Erfolg. Nicht einmal die Drachenritterin Dara, die sich der Sache einige Monate vorher angenommen hatte.

Jaïna zögert nicht, die Aufgabe anzunehmen, denn die Verschollene ist keine andere als ihre ältere Schwester, und sie möchte um jeden Preis heraus finden, was geschehen ist und ob sie überhaupt noch lebt.

Nach einer Reise voller Widerstände und Kämpfe erreichen sie Retz. Immer wieder begegnen ihnen Flüchtlinge, unter anderem auch noch ein junges Mädchen namens Akanah, das mit ihrem kleinen Bruder zu entkommen versucht.

Dort weist man ihnen den Weg in die Berge. Nur die Bewohner einer abgelegenen Bergfeste unter der Führung von Prinz Janh von Espard scheinen dem Übel noch zu trotzen. Aber sind die Männer wirklich so edel und aufrecht wie sie behaupten, oder haben sie düstere Geheimnisse vor den Drachenrittern?

 

„Jaïna“ ist heroische Fantasy, wie sie im Buche steht. Schöne, zumeist noch sehr junge, Frauen ziehen zum Kampf gegen die Drachen aus, Sind sie bereits etwas älter und erfahrener stellen sie sich der Aufgabe mit großem Ernst, gerade die jüngeren lassen sich noch all zu sehr ablenken und begehen folgenschwere Fehler.

Diese Diskrepanz findet man auch bei den Heldinnen dieses ersten Bandes: Jaïna wahrt bereits die entsprechende Distanz zu Männern und hält sich entsprechend zurück. Sie besitzt eine tiefe Ernsthaftigkeit und Abgeklärtheit gegenüber anderen Menschen und geht ganz in ihrer Rolle auf, während Ellys noch mit dem Ungestüm der Jugend handelt, sich von chauvinistischen Männern provozieren und schließlich auch noch auf das älteste Spiel der Welt hereinfällt. Die beiden Charaktere leben von diesem Gegensatz, auch wenn sie sonst nicht so extrem ausgearbeitet sind..

Der Comic scheut sich ebenfalls nicht die klassischen Klischees auszugraben. Obwohl sie für die Menschen wichtig sind und ihr Leben aufs Spiel setzen, um sie zu beschützen, sind die Kriegerinnen vor allem bei den Männern nicht sehr angesehen.

Und warum sie nicht schwer gerüstet sondern sogar halbnackt in den Kampf ziehen bleibt inhaltlich ein ungeklärtes Rätsel - visuell bieten die kaum verdeckten und wohlgeformten Körper dem Betrachter eine Augenweide.

Die Geschichte des ersten Bandes ist in sich geschlossen. Das Abenteuer von Jaina und Ellys finden ein Ende, auch wenn bereits die Weichen für kommende Abenteuer gestellt werden - wie, das wird einem aber erst bewusst, wenn man den zweiten Band „Akanah“ liest.

„Jaïna“ führt in erster Linie spielerisch in die Welt und ihre Gegebenheiten ein. Sie stellt die Drachen und das von ihnen verbreitete Übel vor, ohne die Tatsachen zu beschönigen. Die Geschichte beschreibt das teilweise extrem paranoide Verhalten der Menschen und den Stellenwert der Drachenritter in dieser von Angst vor der Zukunft geprägten Gesellschaft.

Auch wenn „Jaïna“ sehr viele Informationen bietet, die man erst einmal verinnerlichen muss, erzählt der Comic auch eine spannende Geschichte. Erfahrene Leser werden sicherlich ahnen, auf was sie am Ende hinaus läuft, einige überraschende Wendungen können jedoch auch sie nicht voraus ahnen.

 

Alberto Varanda bettet die klassische Geschichte des Autorenteams Ange (Anne und Gerard) in detailverliebte Zeichnungen, die in den actionreicheren Sequenzen sehr dynamisch und lebendig werden. Mit klaren, sauberen Linien aber dennoch feinem Schwung führt er durch das geschickt aufgebaute Abenteuer, in dem Sprechblasen und Bilder eine harmonische Einheit bilden.

Vertieft wird die Atmosphäre noch durch die gedeckten, Ton in Ton gehaltene Kolorierung von Delphine Rieu. Auch wenn zumeist warme Erdfarben dominieren, so spricht aus ihr doch eine schwermütige Melancholie die dem ganzen Comic eine resignierte Endzeitstimmung verleiht.

 

Fantasy-Fans werden mit „Die Legende der Drachenritter“ ausgezeichnet bedient. Der Comic besitzt alles alles, was man von einem exotischen und farbenprächtigen Abenteuer erwartet und kann auch erfahrenere Leser trotz vieler Klischees immer noch mit Details und kleinen Wendungen überraschen.

Durch „Jaïna“ werden die inhaltlichen Weichen für eine epische Kampagne gestellt, die sich in verschiedenen Facetten nach und nach vor dem interessieren Leser entfalten wird.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Jaïna

Reihe: Die Legende der Drachenritter Bd. 1

Autor: Ange (Anne und Gerard)

Zeichner: Alberto Varanda

Hardcover-Album, 48 Seiten

Splitter, Januar 2007

ISBN: 978-3-939823-33-9

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.08.2007, zuletzt aktualisiert: 17.11.2019 13:35